Verschwunden: Polizei rollt offene Fälle noch mal auf

Dass in einem Vermisstenfall einem Hinweis nicht nachgegangen wird, soll bei der Duisburger Polizei nicht mehr vorkommen: Künftig gilt das Vier-Augen-Prinzip. Offene Altfälle werden geprüft. Wegen der aktuell bekannt gewordenen Panne gibt es interne Vorermittlungen.

27.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der mutmaßlichen Ermittlungspanne im Fall des lange verschwundenen Jugendlichen im Ruhrgebiet hat die Duisburger Polizei erste Konsequenzen gezogen: Interne Abläufe würden verändert und alle offenen Vermisstenfälle überprüft, sagte Sprecherin Jaqueline Grahl am Freitag. Zudem seien disziplinarrechtliche Vorermittlungen eingeleitet worden. Gegen wen sie sich richteten, wurde nicht bekannt.

Hintergrund: Die Duisburger Polizei soll nach Ausstrahlung einer Sonderausgabe der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ Ende Juli 2019 einem Hinweis auf den Mann nicht nachgegangen sein, bei dem der Junge vergangene Woche im Schrank entdeckt worden war. „Bei dem Hinweis ging es darum, dass der jetzt 44-Jährige 2016 Kontakt mit dem Jungen hatte“, sagte Grahl weiter. „Der Hinweis ist wohl abgelegt worden ohne weitere Maßnahmen“, teilte ein Duisburger Polizeisprecher bereits am Dienstag mit.

Als Konsequenz aus dem Fall will die Duisburger Polizei bei Vermisstenfällen Arbeitsabläufe ändern. „Wir werden zukünftig bei der Spurenbearbeitung nach dem Vier-Augen-Prinzip verfahren, damit wir eine Einzelbewertung gegebenenfalls nochmal korrigieren können“, sagte Grahl. Auch werde sich die Polizei noch mal alle nicht abgeschlossenen Vermisstenfälle vornehmen und alle Hinweise überprüfen. Es sei noch unklar, um wie viele Fälle es gehe.

Ob die mutmaßliche Ermittlungspanne auch strafrechtliche Konsequenzen hat, ist noch offen. Die Akte ist nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Duisburg zwischenzeitlich bei der Behörde eingegangen und wird dort geprüft.

Der aus Duisburg stammende Junge war im Juni 2017 im Alter von 13 Jahren aus einer Wohngruppe in Oer-Erkenschwick verschwunden. Nach ihm wurde bundesweit gefahndet. Aus Zufall wurde der mittlerweile 15-Jährige vergangene Woche in der Wohnung des 44-Jährigen in Recklinghausen in einem Schrank entdeckt, als man bei ihm nach Kinderpornos suchte. Der Mann kam wegen des Verdachts einer schwerwiegenden Sexualstraftat in Untersuchungshaft. Der Jugendliche soll sich mindestens zwei Jahre bei dem Mann aufgehalten haben.

Über den eigentlichen Fall wurden am Freitag keine weiteren Einzelheiten bekannt. Die Auswertung der in der Wohnung des 44-Jährigen gefundenen Datenträger dauere an. Die 18-köpfige Ermittlungskommission habe ihre Arbeit auch an den Feiertagen fortgesetzt, betonte ein Sprecher der Polizei Recklinghausen. Auch das Umfeld des Tatverdächtigen sei weiter von Interesse.

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