Verrückte Natur: Bäume blühen im Oktober als wenn es Frühling wäre

dzKlimawandel

Temperaturen von 25 Grad und Sonnenschein: Oktoberwetter sieht anders aus. Auch Pflanzen kommen da durcheinander - nicht nur in diesem Herbst, wie eine spektakuläre Untersuchung zeigt.

Selm

, 13.10.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sind die letzten Äpfel geerntet, steht der Winter vor der Tür. So war das immer. In diesem Jahr hat der Apfelbaum in unserem Garten aber offenbar andere Pläne.

Anstatt das Laub zu färben, abzuwerfen und nackt die dunkle, kalte Jahreszeit zu begrüßen, wie es sich gehört, will er es noch einmal wissen. Er treibt Blüten - wie im Frühling. Unser Apfelbaum ist nicht der einzige, der durcheinander gekommen zu sein scheint.

Die Salweiden um die Ecke schimmern silbern-gelb: flauschige Weidenkätzchen, wie sie normalerweise im frühen März zu sehen sind, schmücken die Zweige. Die letzte Nahrung suchenden Insekten werden sich wohl verwundert ihre Facettenaugen reiben.

Warum Bäume Stress haben

Der zweite Frühling im Herbst: Das ist ein Phänomen, das nicht nur in Westfalen, sondern bundesweit zu beobachten ist: eine Stressreaktion nach Monaten der großen Trockenheit und Hitze, wie es Dr. Franz Rueß vom Obstversuchsgut Heuchlingen, einer Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau, der Heilbronner Stimme erklärt hat.

Trockenheit und Hitze hätten dazu geführt, dass Bäume schon früh im Jahr ihr Wachstum eingestellt haben. Warmer Regen im Spätsommer führte zu einem Neuaustrieb wie im Frühling.

Welchen Einfluss Wetter und Klima auf die Entwicklung von Pflanze haben, machen die Blüten schlaglichtartig deutlich. Dabei gibt es noch viel nachhaltigere Veränderung.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) hat sie gemessen und ausgewertet - und dabei Erstaunliches fesgestellt.

Die Auswirkungen klimatischer Bedingungen auf die Entwicklung von Pflanzen und Ökosystemen hat das Lanuv in den Blick genommen. Wissenschaftler haben dafür das Eintrittsdatum bestimmter Phasen in der Pflanzenentwicklung verglichen.

Als Datenbasis für die Ende 2018 veröffentlichte Untersuchung dienten Beobachtungsmeldungen, des Deutschen Wetterdienstes. Sie stammen aus den Jahren 1951 bis 2017.

Der Winter beginnt acht Tage später

Bei Betrachtung der Zeitreihen zeigen sich deutliche Änderungen in den vier Jahreszeiten. „So beginnt der Frühling etwa 28 Tage, der Herbst etwa 23 Tage und der Sommer um die 19 Tage früher im Lanuv-Klimafolgenmonitoring zu lesen. Während die ersten drei Jahreszeiten also immer früher einsetzen, verzögere sich der Winter - um etwa acht Tage.

Der Beginn der sogenannten phänologischen Jahreszeiten wird durch den Eintritt bestimmter Phasen der Pflanzenentwicklung bestimmt. Als Anzeichen für den Frühlingsbeginn in NRW dient etwa die Blüte der Hasel. Wenn der schwarze Holunder blüht, wird es Sommer und wenn er seine schwarzen Früchte bekommt, Herbst. Winter beginnt, sobald die Stieleiche ihr Laub abwirft.

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