Verkaufsoffener Sonntag und Kirmes: Das sorgt für Termin-Wirrwarr

dzWerbegemeinschaft

Kirmes und Einkaufen an einem Sonntag – so lautete der Plan von Werbegemeinschaft und Schaustellern. Leider gingen beide von einem anderen Datum aus. Eine Zusammenlegung wird nicht leicht.

Schwerte

, 18.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Der allererste Brezelmarkt in Schwerte wird wohl eine Woche später als geplant stattfinden. Zumindest, wenn der Rat der Stadt dem zustimmt. Grund dafür ist ein Missverständnis zwischen Schaustellern und Einzelhändlern.

„Im Nachgang zur Frühjahrskirmes haben wir uns mit den Schaustellern im Rathaus zusammengesetzt“, erklärt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Peter Rienhöfer. Dabei stellte man erstaunt fest, dass Händler und Kirmesbetreiber von anderen Daten ausgingen. Während die Werbegemeinschaft am 21. Oktober den letzten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres plante, hatten die Schausteller ihre Kirmes für den 28. Oktober angesetzt.

Verlegung nur per Satzung

Das Problem daran: Die Kirmes kann die Stadt rein rechtlich ohne Weiteres per Antrag verlegen, anders sieht es bei einem verkaufoffenen Sonntag aus. „Dessen rechtliche Grundlage ist eine Satzung und die muss der Rat beschließen“, erklärt der städtische Rechtsrat Carsten Morgenthal.

Die Kooperation der Kaufleute mit den Kirmesbetreibern hatte nicht nur inhaltliche Gründe. Bis vor Kurzem durften verkaufsoffene Sonntag nur dann stattfinden, wenn es eine Veranstaltung in der Stadt gab, die ohnehin viel Publikum anzieht.

Verkaufsoffener Sonntag und Kirmes: Das sorgt für Termin-Wirrwarr

Beim verkaufsoffenen Sonntag ist die Innenstadt auch dann voll, wenn es nur wenig Rahmenprogramm gibt. © Foto: Manuela Schwerte

Der Gesetzgeber forderte ein „begleitendes Volksfest“ und beachtliche Besucherströme, sowie einen eng umfassten Bereich als Voraussetzung, dass die Geschäfte sonntags öffnen dürfen. Das mit dem Volksfest galt objektiv nur für den verkaufsoffenen Sonntag zum Pannekaukenfest. Deshalb schnürte man ein ganzes Bündel von Veranstaltungen, um auch die restlichen drei offenen Sonntage nicht nur attraktiv zu gestalten, sondern auch rechtssicher zu machen. „Mittlerweile kann man aber auch einen verkaufoffenen Sonntag beantragen, mit der Begründung, dass dies den Einzelhandelsstandort stützt“, erklärt Rienhöfer. Das Problem: Wie will man belegen, wie es ohne verkaufoffene Sonntage in Hüsingstraße und Co. aussehen würde? „Wir hatten uns ja ohnehin schon entschieden das zusammen zu machen“, so Rienhöfer, der deshalb jetzt auf den Rat der Stadt setzt. „Bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen im Rat bin ich da relativ zuversichtlich.“

Rechtsrat Morgenthal bestätigte auf Anfrage, dass man das Thema auf der nächsten Ratssitzung am 26. September behandeln werde.

Mangelnde Kommunikation als Ursache

Wie es zu dem Missverständnis kam? „Vermutlich mangelnde Kommunikation“, schätzt Frank Fourlon vom geschäftsführenden Vorstand des Schaustellerverbandes Iserlohn/Schwerte. Denn die Kirmes finde schon seit Jahren immer zu denselben Terminen statt. „Kirmes war schließlich früher Kirchweih, und deshalb orientieren wir uns am Kirchenkalender“, so Foulong. In Schwerte findet sie im Herbst demnach immer gemeinsam mit der großen Kirmes SimJü in Werne statt. Wer dort seine Fahrgeschäfte oder Buden nicht unterbringen könne, habe dann in Schwerte die Chance. „Wenn wir die Kirmes in Schwerte eine Woche vorverlegen sollten, dann würden wir überhaupt keine Betreiber dafür finden“, erklärt Fourlon.

Kirmes geht nach dem Kirchenkalender

Denn die Schausteller planen ihr Jahr weit im Voraus. Die Werbegemeinschaft wusste dies offensichtlich nicht. Bei der Stadtverwaltung seien die Kirmestermine aber bekannt gewesen, so der Schausteller.

Der verkaufsoffene Sonntag im Oktober soll in diesem Jahr erstmals stattfinden. Er löst den Spekulatiusmarkt im November ab. Neben den offenen Läden und der Kirmes erwartet die Besucher noch eine weitere Auflage von „Schwerte kulinarisch“, ein Brezelmarkt und ein Handwerkermarkt auf dem Postplatz, kündigt Rienhöfer an.

Es wäre die zweite Kirmes, die von dem Schaustellerverein Iserlohn-Schwerte und Umgebung ausgerichtet wird. Die Schausteller hatten die Ausrichtung der zwei Kirmessen rund um das Rathaus von der Stadt im Frühjahr übernommen, um die Gebühren wieder in den Griff zu bekommen.

Weniger Besucher auf dem Rummel

Die Schwerter Kirmes war zuletzt kein großes Erfolgsmodell mehr. Weniger Stände, immer weniger Besucher und damit auch weniger Schausteller bei gleichbleibenden Kosten ließen die städtischen Gebühren ansteigen. Das lohnte sich dann für die Schausteller immer weniger und es blieben noch mehr Standplätze leer, was sich wieder auf die Besucherzahlen auswirkt. Deshalb taten sich die Schausteller zusammen, um die Kirmes zu übernehmen. Mit der Erstauflage im Frühjahr ging man aber noch sehr selbstkritisch um. Es gebe Verbesserungsbedarf.

Vor dem verkaufsoffenen Sonntag im Oktober findet aber noch der Verkaufsoffene anlässlich des Pannekaukenfestes am 9. September statt. Und der ist weitgehend unumstritten. Das Fest, dass es seit 1998 gibt, ist der Höhepunkt im Schwerter Festkalender und damit auch 2018 ein Garant für eine mehr als belebte Innenstadt.

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