Verhaltene Resonanz auf 365-Euro-Jahresticket in Bonn

Es klingt eigentlich gut: Bus und Bahn fahren für nur einen Euro pro Tag. Seit Jahresbeginn gibt es das Abo-Angebot in Bonn, das zu den vom Bund geförderten fünf Modellstädten gehört. Fahrgastverbände finden die Umsetzung der Idee aber nicht gelungen.

09.09.2019, 06:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verhaltene Resonanz auf 365-Euro-Jahresticket in Bonn

Eine Straßenbahn steht im Depot der Stadtwerke. Foto: Oliver Berg/Archivbild

Bus und Bahn fahren für umgerechnet einen Euro pro Tag: Das 365-Euro-Jahresticket in Bonn stößt neun Monate nach seiner Einführung auf eher verhaltene Resonanz. Knapp 6000 der 17 000 verfügbaren Jahreskarten seien bislang verkauft worden, sagte ein Sprecher der Stadtwerke Bonn. Die Nachfrage sei anfangs groß gewesen, in den folgenden Monaten jedoch kontinuierlich gesunken. Die Stadt ist nach Angaben eines Sprechers dennoch mit der Resonanz zufrieden. Der Fahrgastverband Pro Bahn dagegen kritisiert das Angebot als nicht attraktiv genug.

„So wie das in Bonn umgesetzt wurde, ist es nicht besonders sinnvoll“, sagte der Vorsitzende des Regionalverbands Rheinland, Hans-Werner Ignatowitz. Denn das Ticket für einen festen Zeitraum von zwölf Monaten ist nur für Neukunden erhältlich. Es gilt nur im Stadtgebiet Bonn, Anschlusskarten gelten nicht. „Damit ist das Ticket für Pendler gar nicht nutzbar“, kritisierte Ignatowitz.

95 Prozent der Kosten - etwa 18 Millionen Euro - trägt der Bund, fünf Prozent die Stadt. Insgesamt stellt der Bund für das auf zwei Jahre befristete Projekt „Lead City“ der Stadt Bonn 37,6 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem restlichen Geld werden unter anderen ein vergünstigtes 24-Stunden-Ticket für fünf Personen, ein neues Job-Ticket-Modell und Taktverdichtungen finanziert, wie der Stadt-Sprecher sagte.

Neben Bonn gehören auch Essen, Reutlingen, Herrenberg und Mannheim zu den fünf ausgewählten Modellstädten, in denen verschiedene Projekte getestet werden, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu bewegen. In Essen würden mit Hilfe der Fördersumme von 21 Millionen Euro zum Beispiel ein dichterer Fahrplan und vergünstigte Preise für bestimmte Tickets finanziert, sagte eine Sprecherin der Ruhrbahn. Reutlingen erprobt seit Jahresbeginn ebenfalls ein 365-Euro-Ticket.

Die Idee für eine 365-Euro-Jahreskarte stammt aus Wien, wo sie 2012 eingeführt wurde. Die SPD im Bundestag setzt sich neuerdings für die flächendeckende Einführung eines solchen Tickets ein. „Ehe man das macht, müsste zunächst das Nahverkehrsangebot ausgeweitet werden“, sagte Pro-Bahn-Vertreter Ignatowitz. So sei das auch in Wien gemacht worden. Die Verbilligung der Fahrkarten dürfe erst der zweite Schritt sein, denn einen plötzlichen Ansturm von Fahrgästen würde das ÖPNV-System sonst gar nicht verkraften.

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