Vergewaltigung in Oberaden: Angeklagter will nun doch lieber schweigen

dzLandgericht Dortmund

Zweiter Verhandlungstag im Prozess um die Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Oberaden: Nachdem der Angeklagte zu Prozessbeginn noch ausführlich gesprochen hatte, blieb er am Montag stumm.

Oberaden, Lünen

, 13.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätten Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen und sicherlich auch Nebenklageanwältin Christiane Krause-Schumann noch jede Menge Fragen an den Angeklagten gehabt. Immerhin hatte dieser ja zu Prozessbeginn behauptet, die 15-Jährige schon Monate vor der Tat kennengelernt und sich mit ihr auch mehrmals getroffen zu haben. Auf Anraten seines Verteidigers Axel von Irmer hatte es sich der 33-Jährige aber übers Wochenende offensichtlich anders überlegt. Ab sofort will er nicht mehr mit den übrigen Prozessbeteiligten sprechen.

Erste Zeugen sagen aus

Weil die 15-Jährige derzeit noch nicht vernehmungsfähig ist, blieb den Richtern am zweiten Verhandlungstag nur übrig, die damals eingesetzten Polizeibeamten als Zeugen zu vernehmen. Und die hatten durchaus Interessantes zu berichten. „Sie hat sehr detaillierte Angaben zum Täter und zum Tatgeschehen gemacht“, erinnerte sich ein Polizist an seine erste Befragung der Schülerin. Die Jugendliche habe unter anderem angegeben, der Täter habe ihr nach dem ersten sexuellen Übergriff und vor der letztendlichen Vergewaltigung Fotos seiner Familie gezeigt und sie außerdem dazu genötigt, mit ihm eine Zigarette zu rauchen. „Das war schon sehr ungewöhnlich“, sagte der Polizist.

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Nach Angaben der damaligen Ermittlungsführerin war es jedoch genau dieses Detail, das die Polizei schließlich auf die Spur des Verdächtigen brachte. Einer der Kollegen hätte sich an einen Vorfall in Kamen erinnert, bei dem schon im Jahr 2012 ein Gewalttäter über eine Frau hergefallen sei. „Auch von diesem hieß es damals, er habe der Frau Fotos gezeigt“, sagte die Zeugin am Montag im Dortmunder Landgericht.

Polizist erinnerte sich an alten Fall

Ein Abgleich der damals gesicherten DNA mit den frischen Spuren aus Oberaden brachte schließlich die Gewissheit: Es handelte sich um denselben Verdächtigen. „Wir haben dann einen Haftbefehl beantragt und die Wohnung des Mannes durchsucht“, so die Beamtin. Seitdem sitzt der 33-Jährige in Untersuchungshaft.

Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden seinerzeit drei Handys sichergestellt, die allesamt dem Angeklagten gehören sollen. Und diese sollen aus Sicht der Richter nun noch einmal akribisch ausgewertet werden. War eines der Geräte zur fraglichen Zeit in einer Funkzelle eingewählt, die in der Nähe des Tatorts unmittelbar an der Grenze zu Lünen liegt? Hatte der Angeklagte tatsächlich - wie er behauptet - die Telefonnummer der 15-Jährigen auf seinem Mobiltelefon gespeichert? Diese und weitere Fragen sollen nun mithilfe eines Sachverständigen des Landeskriminalamts geklärt werden.

Ausführliches Beweisprogramm

Bis diese Ermittlungsergebnisse vorliegen, werden sicherlich einige Wochen vergehen. Doch die Richter haben ohnehin noch ein ausführliches Programm vor der Brust. Am nächsten Verhandlungstag Ende Januar soll unter anderem ein DNA-Gutachter aussagen. Der Experte soll den Zusammenhang zwischen den beiden mutmaßlichen Sexualstraftaten hergestellt haben und außerdem darüber Auskunft geben können, wie wahrscheinlich es ist, dass die Spuren tatsächlich von dem 33-jährigen Angeklagten stammen.

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Darüber hinaus wollen die Richter auch eine Rechtsmedizinerin als Zeugin und Sachverständige vernehmen. Die Ärztin hatte die 15-Jährige im Krankenhaus untersucht und auch die wichtigen Spuren des Täters gesichert. Außerdem wird sie darüber berichten, wie schwer die Jugendliche damals verletzt worden ist.

Die Rede ist von zahlreichen Frakturen im Gesicht und an der Schädelbasis. Nach einer ersten Einschätzung schwebte das Opfer damals in akuter Lebensgefahr. Die Schülerin leidet bis heute offenbar so sehr unter dem Geschehen, dass es ihr nicht möglich ist, mit irgendjemandem über den Fall zu sprechen.

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