Ermittlungen nach Bombenattrappen-Fund dauern an

Unter einer Bank in einem Duisburger Einkaufszentrum entdeckt ein Mitarbeiter eine herrenlose Tasche und alarmiert die Polizei. Statt einer scharfen Bombe stellen die Ermittler bei einem Großeinsatz eine Attrappe sicher. Was steckt hinter dem Vorfall?

06.08.2019, 05:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein geräumtes Einkaufszentrum, eine Verfolgungsjagd quer durch die Niederlande und viele offene Fragen: Eine Bombenattrappe in einer herrenlosen Tasche hat mitten in Duisburg einen Großeinsatz von Polizei und Sprengstoffexperten ausgelöst. Am Dienstag dauerten die Ermittlungen zu den Hintergründen an. Am Abend zuvor war in der Innenstadt ein Einkaufszentrum geräumt und gesperrt worden, nachdem ein verdächtiges Gepäckstück aufgetaucht war. Spezialisten des Landeskriminalamtes waren vor Ort und mussten lange fürchten, es mit einem echten Sprengsatz zu tun zu haben.

Doch am Dienstagvormittag gab es erstmal Entwarnung: „Nach ersten Erkenntnissen scheint es sich nicht um eine scharfe Bombe gehandelt zu haben, sondern um eine Attrappe“, sagte ein Polizeisprecher. Doch auch ohne zündfähigen Sprengsatz blieb zunächst ungeklärt, wer eine solche Attrappe in einem Einkaufszentrum platziert und warum.

Die Ermittler gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass das Gepäckstück absichtlich unter einer Bank abgestellt wurde. Darin hätten die Beamten Gegenstände gefunden, die den Eindruck erwecken sollten, es handele sich um eine Bombe. Auch Videomaterial aus dem Einkaufszentrum werde ausgewertet, sagte eine Polizeisprecherin.

Unklar war am Dienstag auch, welche Rolle ein 31-jähriger Mann im Zusammenhang mit der Bombenattrappe spielt. Es sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, ob und inwieweit der Deutsche mit dem Vorfall im Einkaufscenter zu tun habe, sagte die Polizeisprecherin. Niederländische Polizisten hatten ihn nach einer wilden Verfolgungsjagd von Duisburg bis in die Nähe von Amsterdam festgenommen.

Ein Richter des Amtsgerichts Duisburg erließ am Dienstagnachmittag einen EU-Haftbefehl wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, die Auslieferung des Beschuldigten aus den Niederlanden betreiben zu wollen.

Einige Stunden nach der Räumung des Centers hatten Beamte den Mann im Rahmen der Fahndung nach Verdächtigen in Sachen Bombenattrappe am Stadtrand von Duisburg kontrollieren wollen. Die Ermittler suchten laut Polizei-Mitteilung mit einer Personenbeschreibung nach einem Tatverdächtigen. Die Beschreibung habe auf den Autofahrer zugetroffen. Weil er die Flucht antrat, nahm die Polizei die Verfolgung auf. Er Mann habe sichtbar eine Schusswaffe dabei gehabt, die sich nach der Festnahme als Schreckschusswaffe herausstellte.

Der Verdächtige floh den Angaben der niederländischen Behörden zufolge über mehrere Autobahnen Richtung Amsterdam. Er wurde auch von deutschen Polizeiwagen verfolgt. Beim Dorf Duivendrecht im Süden von Amsterdam hätten niederländische Polizisten ihn schließlich auf der Autobahn eingeschlossen und die Reifen seines Wagens kaputt geschossen.

Zeugen sagten dem Amsterdamer TV-Sender AT5, dass mehr als zehn Polizeiwagen an der Verfolgungsjagd beteiligt waren. Sie seien mit mehr als 200 Stundenkilometern gefahren. Auf niederländischen Autobahnen gilt ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern.

Für Wirbel hatte zuvor schon der Fund der verdächtigen Tasche gesorgt. Ein Mitarbeiter in dem Einkaufszentrum hatte sie unter der Bank entdeckt und die Polizei alarmiert. Experten des Landeskriminalamtes seien schnell hinzugezogen worden. Ein ferngesteuerter Roboter kam zum Einsatz. Schließlich habe man entschieden, die Tasche mit einem starken Wasserstrahl zu beschießen, um sie auf explosive Stoffe zu kontrollieren, so die Polizei.

Die Ermittler gaben das Einkaufszentrum am frühen Dienstagmorgen wieder frei. Das Einkaufszentrum in der Innenstadt befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs.

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