Verbände: Mehr Geld für Altenpflegeschulen längst überfällig

Um den Fachkräftemangel in der Altenpflege abzupuffern, sollen mehr als 20 Millionen Euro zusätzlich in die Ausbildung fließen. Altenpflegeschulen atmen auf: Kostendeckend arbeiten konnten sie aus Sicht der Pflege-Verbände schon lange nicht mehr.

29.12.2018 / Lesedauer: 3 min
Verbände: Mehr Geld für Altenpflegeschulen längst überfällig

Christian Wolteringim beim Sprechen. Foto: Henning Kaiser/Archiv

Die ab 2019 deutliche Erhöhung der Finanzierungshilfen für die Altenpflegeausbildung in NRW kommt aus Sicht der Verbände in letzter Minute - und ist noch immer nicht ausreichend. „Das ist ein dringend notwendiger Rettungsring, der gerade noch rechtzeitig kommt. Sonst wären die Fachschulen abgesoffen“, sagte Christian Woltering, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Nordrhein-Westfalen. Doch trotz der zusätzlichen Millionen, die nun in die Lehre fließen sollen, könnten Altenpflegeschulen noch immer nicht vollständig kostendeckend arbeiten, betonte Woltering.

Zum neuen Jahr hat die Landesregierung die sogenannte Schulkostenpauschale in der Altenpflege um mehr als ein Drittel von 280 auf 380 Euro pro Auszubildendem angehoben. 22,5 Millionen Euro sind 2019 dafür zusätzlich vorgesehen. Die Unterstützung der Schulen war seit Jahren gestiegen. 2006 und 2007 war die Förderung noch gekürzt worden - damals auch unter Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Durch die zusätzlichen Mittel soll nun die Ausbildung wieder gestärkt werden. „Denn wir brauchen zukünftig mehr gut ausgebildete Pflegekräfte, um die steigende Zahl an Pflegebedürftigen sowie ihre Angehörigen angemessen unterstützen zu können“, so NRW-Gesundheitsminister Laumann. Laut Landesbericht Gesundheitsberufe NRW fehlen insgesamt schon 2290 Fachkräfte in der Pflege, davon 1055 in der Altenpflege. Gleichzeitig soll die Finanzspritze die Schulen bei einer kommenden Reform unterstützen: Ab 2020 sollen Pflegekräfte für kranke Kinder, kranke Erwachsene und alte Menschen künftig in den ersten beiden Jahren eine gemeinsame Ausbildung durchlaufen.

„Längst überfällig“ nannte auch Christina Zink vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe Nordwest die Erhöhung der Schulkostenpauschale. Zwar seien in den vergangenen Jahren mehr Ausbildungsplätze entstanden - das Ministerium spricht von einem Zuwachs von 89 Prozent - in die Qualität der Lehre sei aber meist nicht investiert worden.

So mussten Schulen an Ausstattung und vor allem am Personal sparen: „Es gibt Schulen da ist eine Lehrkraft für 70 Auszubildende zuständig - der Rest wird mit Honorarkräften abgedeckt“, berichtete Zink. Weil es auch an guten Lehrern fehlt, hätten Altenpflegeschulen auf dem Bewerbermarkt zudem das Nachsehen in der Konkurrenz mit besser bezahlenden, weil finanziell besser ausgestatteten Krankenpflegeschulen.

Dass diese Lücke auch weiterhin klaffe, kritisiert auch Woltering vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Nach dessen Berechnungen stehen bei der von den Krankenkassen finanzierten Krankenpflegeausbildung rund 500 Euro pro Platz zur Verfügung. „Ähnlich hoch müsste auch die Schulkostenpauschale sein, um wirklich eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherzustellen.“ Bislang seine viele Verbände gezwungen, Schulen querzufinanzieren sowie an der Ausstattung und vor allem an den Lehrkräften zu sparen.

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