Vater missbraucht 9 Monate alten Säugling - So urteilt das Gericht

dzLandgericht Essen

Ein 31-jähriger Vater hat sein neun Monate altes Kind missbraucht. Das kleine Mädchen erlitt schwere Verletzungen. „Der Säugling war völlig wehrlos und hilflos“, sagte der Richter fassungslos.

Essen

, 20.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Prozesse, da läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Dieser gehört eindeutig dazu. In Essen ist am Freitag ein Vater verurteilt worden, der sein eigenes Baby sexuell missbraucht hat. Das kleine Mädchen war gerade erst neun Monate(!) alt.

„Sie mussten dem Säugling für den Missbrauch die Windel ausziehen – was für eine Vorstellung!“ Richter Volker Uhlenbrock hatte sich bei der Urteilsverkündung am Freitag direkt an den Angeklagten gewandt. Auch er war fassungslos. Die Strafe: vier Jahre Haft

Schwerste Verletzungen im Intimbereich

Es war die Mutter, die die schweren Verletzungen entdeckt hat. Sie selbst war beim Arzt, ihr Partner hatte ein paar Stunden lang auf die gemeinsame Tochter aufgepasst. Was in dieser Zeit passiert ist, ist unglaublich.

Bei der Untersuchung des Kindes wurden Schwellungen und Hämatome im Intimbereich festgestellt – bis hin zum blutenden Einriss des Hymens. „Der Säugling war völlig wehrlos und hilflos“, so Uhlenbrock. „Eine ganz schlimme Vorstellung.“

Der Angeklagte ist 31, hatte zuletzt einen Job bei der Müllabfuhr. Im Prozess hat er die Tat bis zuletzt bestritten, aber zugegeben, dass er die ganze Zeit alleine mit seiner Baby-Tochter war. „Er will nicht wahrhaben, dass er der Täter ist“, hieß es in der Urteilsbegründung. Dabei wisse er ganz genau, was er getan habe. Niemand anders komme als Täter in Betracht. Ob der 31-Jährige das Baby missbraucht hat, um sich sexuell zu befriedigen? Das konnten die Richter nicht feststellen. Für die Bestrafung sei das aber auch nicht entscheidend.

Baby ist bei einer Pflegemutter

Das kleine Mädchen war nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort aus der Familie genommen und in die Obhut einer Pflegemutter gegeben worden.

Die Mutter hat ihrem Partner die Unschuldsvermutungen offenbar die ganze Zeit abgenommen. Sie lebte – zumindest bis zur Urteilsverkündung - weiter mit dem Angeklagten zusammen. Und das, obwohl sie Anfang des Jahres selbst Opfer geworden ist. Der 31-Jährige hat im Prozess zugegeben, dass er sie im Streit gewürgt hat, bis sie kaum noch Luft bekam.

Seit rund vier Jahren sind die beiden ein Paar, haben das bei den Behörden jedoch immer verschwiegen. Ein klarer Fall von HartzIV-Betrug. Der Angeklagte galt bis zum Prozess offiziell als obdachlos, obwohl er längst bei seiner Partnerin eingezogen war und Geld verdient hat. Wäre das bekannt geworden, hätte sein Einkommen auf die Bezüge seiner Freundin angerechnet werden müssen.

Das Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert.

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