Usutu-Virus in Schwerte - Toter Vogel am Straßenrand ist ein doppelter Grund zur Sorge

dzVogelsterben

Der Usutu-Virus macht den Amseln in Schwerte schwer zu schaffen. Doch der Amselbestand ist nicht die einzige Sorge der Schwerter Vogelschützer.

Schwerte

, 17.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein toter Vogel, eine Amsel, liegt seit Tagen an der Beckestraße. Keine große Sache, doch ein Symptom für zwei große Probleme. Die Amsel ist vermutlich am Usutu-Virus gestorben, der den Amselbestand laut der Schwerter Agon (Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz) schon stark dezimiert hat.

Aber eigentlich liegen Vogelkadaver gar nicht so lange herum, berichtet Dieter Ackermann, Ornithologe in der Agon, „sie werden von Käfern und anderen Insekten und anderen Insekten ziemlich schnell entsorgt“. Dass der Vogel schon so lange liegt, ist Beleg für ein weiteres Problem: das Insektensterben.

Heißes Sommerwetter hilft dem Virus

Dieter Ackermann ist nicht glücklich, wenn er über dieses Thema spricht. Der Natur in Schwerte geht es gar nicht gut. Der für Menschen und für andere Vögel ungefährliche Usutu-Virus wurde erstmals 2011 in Deutschland nachgewiesen, in Schwerte erstmals 2016. Die Amseln sind also schon seit einiger Zeit in Bedrängnis und die vergangenen beiden heißen Sommer haben die Verbreitung des Virus weiter unterstützt.

Doch die Amseln sind nur die Vögel mit dem spektakulärsten Problem. Tatsächlich ist so, „dass alle Vogelarten in Schwerte unter Druck stehen. Die Zahl aller Vögel ist dramatisch zurückgegangen“, so Ackermann. Die Agon vernetzt die Schwerter Vogelfreunde und deshalb kennt Ackermann die Berichte über Gartenbesitzer, die seit Jahren Vogelfutter im Garten anbieten und gerade in diesem Jahr deutlich weniger Vögel sehen.

Usutu-Virus in Schwerte - Toter Vogel am Straßenrand ist ein doppelter Grund zur Sorge

Dieter Ackermann unterstreicht: „Die Zahl aller Vögel ist dramatisch zurückgegangen.“ © Bernd Paulitschke

Meisen hören auf zu brüten

In seinem eigenen Garten entdeckte der Umweltschützer ein Meisen-Gelege, das nicht ausgebrütet worden war: „Das kann daran liegen, einer der beiden Altvögel gestorben ist, oder dass es zu wenig Futter gibt.“

Zuwenig Futter, bei den vielen Gartenbesitzern, die Vogelfutter auslegen? Das reiche offenbar nicht, sagt Ackermann und muss zugeben, dass die Vogelkundler nicht genau wissen, warum die Vogelbestände so stark abnehmen. Die Tradition der ganzjährigen Fütterung komme aus England, so Ackermann, und dort gebe es nach seinen Informationen die gleichen Probleme.

Keine Hoffnung auf einen Umschwung

Grundsätzlich wünschen sich Naturschützer breitere Ackerrandzonen, in denen Samen produzierende Pflanzen und Insekten leben können. Doch, „solange Agrar-Förderung nach Ackerfläche berechnet wird, haben Pflanzen am Ackerrand keine Chance“, meint Dieter Ackermann. Deshalb rechnet er nicht mit einem Umschwung der Entwicklung zugunsten der Vögel.

Usutu-Virus

Tote Vögel für die Wissenschaft

Um die Verbreitung des Usutu-Virus genau einschätzen zu können, bittet der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) alle, die eine tote Amsel entdecken, um Zusendung des Kadaver per Post an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg.
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