Unschuldiger Syrer: Kommissarin von Identität überzeugt

Wie konnte ein Unschuldiger verhaftet werden und nach einem Zellenbrand sterben? Im Untersuchungsausschuss zum Fall des Syrers Amad A. kommen weitere Zeugen zu Wort. Dabei kommt heraus: Obwohl es verschiedene Datensätze gab, wurden diese nicht abgeglichen.

24.09.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Unschuldiger Syrer: Kommissarin von Identität überzeugt

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt. Foto: Markus van Offern/Archivbild

Im Fall des Todes eines unschuldig inhaftierten Syrers hat eine Kriminalkommissarin nach eigenen Abgaben zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Identität des Mannes gehabt. Sie habe bei einer Abfrage zu Amad A. im Computersystem Inpol im August 2018 zwar zwei Personendatensätze erhalten, diese aber nicht geöffnet, sagte die Kommissarin am Dienstag im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf. „Für mich war klar, dass sie zusammengehören, ich hatte nicht die geringsten Zweifel.“

Der hellhäutige Syrer Amad A. soll im Juli 2018 mit einem dunkelhäutigen Mann aus dem afrikanischen Mali verwechselt worden sein. A. wurde wegen einer angeblichen Belästigung von vier Mädchen an einem Badesee in Geldern verhaftet. Bei ihren Recherchen hat die Kommissarin nach eigener Darstellung zu keinem Zeitpunkt angenommen, dass es sich um zwei verschiedene Personen handeln könnte.

Wochenlang hatte der 26-Jährige in Kleve im Gefängnis gesessen und laut eines externen Sachverständigen schließlich einen Brand in seiner Zelle gelegt. Infolge der schweren Verbrennungen war er im September 2018 in einer Klinik gestorben.

Die Krefelder Kriminalpolizistin hatte die Identität des Syrers erstmals im Juli 2018 im NRW-System VIVA geprüft, nachdem er wegen Schwarzfahrens aufgefallen war. Er habe keinen Ausweis dabei gehabt, aber eine Sparkassenkarte sowie Schreiben der Stadt Geldern. Sie sei auf zwei verschiedene Geburtsdaten und Namensschreibweisen gestoßen. Das sei aber in der Zeit nach dem Flüchtlingsstrom öfter vorgekommen.

Als sie später für einen Bericht an die Staatsanwaltschaft und das Ausländeramt erneut die Personalien abgefragt habe, sei sie auf Fahndungstreffer und 14 Aliasnamen gestoßen. Die Treffer habe sich die Kommissarin damit erklärt, dass im NRW-Datensystem VIVA „im Hintergrund“ Daten zusammengeführt worden sein könnten. „Ich kenne mich mit VIVA nicht so gut aus.“

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