Unschuldig inhaftierter Syrer: Fehler in Siegen

Der Syrer Ahmad A. saß zweieinhalb Monate unschuldig im Gefängnis und starb schließlich nach einem Feuer in seiner Zelle in Kleve. Inzwischen wird klar, warum er mit einem Afrikaner aus Mali verwechselt werden konnte.

01.10.2019, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verwechslung des unschuldig inhaftierten Syrers Amad A. mit einem anderen Mann ist durch einen Fehler in der Datenbearbeitung der Polizei in Siegen begünstigt worden. Sie habe Personendateien auf Anweisung zusammengeführt und nicht mitbekommen, dass dies irgendwann verboten worden sei, sagte eine Sachbearbeiterin der Siegener Polizei am Dienstag in Düsseldorf als Zeugin im Untersuchungsausschuss. Dies sei ihr nie mitgeteilt worden: „Das durfte man irgendwann nicht mehr machen, das wusste ich aber nicht.“

Von einer entsprechenden Verfügung habe sie erst bei ihrer Vernehmung nach dem Tod des Syrers erfahren. Sie habe aber immer nur auf Anweisung Dateien zusammengeführt. Wer die Anweisung erteilt habe, wisse sie nicht. Das sei auch nicht dokumentiert worden. Sie sei nur eineinhalb Tage lang für ihren Job als Eingeberin in die neue Datenbank Viva geschult worden und habe dies als sehr unzureichend empfunden.

Wenn sie Anweisungen hinterfragt habe, sei ihr von ihrem Vorgesetzten mitgeteilt worden: „Du bist eine reine Eingabekraft. Das hast du nicht zu hinterfragen.“ Ihr Chef habe ihr gesagt, wenn sie einen Fehler mache, schlage das System Alarm: „Dann geht das eh' nicht durch.“

Die Untersuchung ihres Computers hatte ergeben, dass sie die Datensätze eines mit Haftbefehl gesuchten Afrikaners und des Syrers zusammengeführt hatte. An den konkreten Fall Amad A. könne sie sich nicht erinnern, weil sie 40 bis 50 Fälle täglich eingegeben habe, sagte die Zeugin.

„Der Innenminister hat bisher immer gesagt, die Daten seien nicht in NRW verändert worden. Heute haben wir das genaue Gegenteil gehört. Alles begann mit einer unerklärlichen Datenpanne in NRW“, sagte Sven Wolf (SPD). „Die Version von einem Kreuztreffer, die uns von der Polizei an dieser Stelle immer erzählt worden ist, scheint nicht zu stimmen“, sagte Stefan Engstfeld (Grüne).

Der hellhäutige Syrer Amad A. soll im Juli 2018 mit einem dunkelhäutigen Mann aus dem afrikanischen Mali verwechselt worden sein, obwohl sich beide überhaupt nicht ähnlich sehen. A. war an einem Badesee in Geldern von der Polizei mitgenommen worden.

Die Mädchen, die die Polizei gerufen hatten, sagten am Dienstag ebenfalls als Zeuginnen aus: Der Syrer habe sie mit sexuellen Andeutungen belästigt und sei ihnen sehr nah gekommen. Ihre Aufforderungen, sie in Ruhe zu lassen, habe er ignoriert. Deshalb habe eine von ihnen schließlich die Polizei gerufen. Die Beamten hätten ihn dann mitgenommen.

Wochenlang hatte der 26-Jährige dann wegen eines Diebstahls in Kleve im Gefängnis gesessen, den er nicht begangen hatte. Laut eines externen Sachverständigen legte er einen Brand in seiner Zelle. Infolge der schweren Verbrennungen war er im September 2018 in einer Klinik gestorben.

Weitere Meldungen
Meistgelesen