Unruhige Nacht vor der kritischen Kinder-Jury

dzWerne liest

Etwa 90 Vorleser haben sich am Freitag an der Aktion „Werne liest“ beteiligt und rund 2000 Zuhörern etwas vorgetragen. Hoffentlich waren sie nicht so nervös wie der Autor dieser Zeilen.

Werne

, 18.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man hat ja schon einiges hinter sich in einem langen Berufsleben. Man hat mit Ministern und Kanzlerkandidaten gesprochen, Interviews mit Ober-und Unter-Bürgermeistern geführt – und doch war ich (58) vor diesem Termin am Freitag, 16. November 2018, nervös.

Als Teilnehmer von Werne liest kam mir die ehrenvolle Aufgabe zu, einer sechsten Klasse des Werner Christophorus-Gymnasiums etwas vorzutragen. Haben Schüler in Zeiten von Internet und Tablets überhaupt noch Bock, wenn ihnen ein älterer Herr aus einem Jugendbuch vorträgt? Daher wollte ich meine Sache so gut wie möglich machen.

Geschichte um eine chaotische Großfamilie

Rechtzeitig besorgte ich mir aus der Stadtbücherei die passende Lektüre für Elfjährige. Eine Geschichte um eine etwas chaotische Großfamilie. Deutlich zu lang, um sie komplett in einer einzigen Schulstunde vorzutragen.

Also ging es darum, ein oder zwei Kapitel auszuwählen. Die sollten a.) interessant und humorvoll, aber b.) auch verständlich sein, ohne das ganze Buch zu kennen. Was mich dazu nötigte, erst einmal das gesamte Werk zu überfliegen.

Kapitel mit Kraftausdruck

Schließlich war ein Kapitel gefunden. Die Oma der Großfamilie zieht ein, was mit zahlreichen Komplikationen verbunden ist. Ein Kraftausdruck („Scheiße“) kam auch vor. Lockert bestimmt die Stimmung auf, so mein Kalkül.

Nachdem ich das Kapitel zwei Mal für mich gelesen hatte, stand die Generalprobe im Laut-Vorlesen in meiner Wohnung an. Betonung, Kunstpausen, Stimmmodulation – all das wollte geprobt sein. Als Zuhörer standen mit nur meine Aquariumbewohner zur Verfügung, die wenig konstruktives Feedback gaben, aber immerhin zu jedem Versprecher und Verhaspler nur gleichgültig mit den Flossen zuckten.

17 Minuten Vorlesezeit sind zu wenig

Schließlich hatte ich mich durchs Kapitel gearbeitet und blickte auf die Uhr. 17 Minuten Vorlesezeit. Viel zu wenig für eine Schulstunde. Was tun? Langsamer lesen? Schlafen die Schüler doch ein. Also musste ein weiteres Kapitel her. Mit den selben Suchkriterien wie oben ging ich das Buch noch einmal durch. Weiteres Vortragen. Die Fische zuckten beim Vorlesen nur mit den Flossen. Das kann ja heiter werden.

Am Freitagmorgen wachte ich früh auf. Verrückt, aber irgendwie war ich nervös. Obwohl tausende Werner meine Artikel lesen, war ich vor der direkten Konfrontation mit meinem jungen Publikum aufgeregt. Wird schon, sagte ich mir, gute Vorbereitung ist der halbe Erfolg.

Fast stotterfrei vorgelesen

So war es denn auch. Fast stotterfrei brachte ich das erste Kapitel vor den 25 Jungen und Mädchen aus der sechsten Klasse zum Vortrage. Als ich frage, ob wir uns über meine Arbeit und die Zeitung unterhalten sollten, oder ich lieber weiterlesen sollte, schallte es wie aus einem Munde aus dem Klassenraum: „Weiterlesen.“

Gibt’s eine schönere Bestätigung?

  • „Werne liest“ findet seit 2010 alle zwei Jahre statt und ist immer größer geworden.
  • Dieses Mal machten rund 90 Vorleser mit, die in Kitas, Schulen und Seniorenheimen vorlasen.
  • Vor zwei Jahren erreichte die Aktion knapp 2000 Zuhörer.
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