Unruhige Zeiten: Uniper-Vorstand sieht Chancen für Datteln

Ein Großkraftwerk, das nicht ans Netz soll. Ein Großaktionär, dessen Pläne nicht klar sind. Beim Energieversorger Uniper gibt es viele Baustellen. Hoffnung macht den Managern der steigende Strompreis.

12.03.2019, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kraftwerksbetreiber Uniper steht vor unruhigen Zeiten. Das drohende Aus für das in Bau befindliche Steinkohlekraftwerk in Datteln, ein ungeklärtes Verhältnis zum Großaktionär Fortum und schlechtere Geschäftsaussichten belasten die frühere Tochter des Energieriesen Eon. Uniper sei aber „sehr gut aufgestellt“, um mittelfristig von den steigenden Strompreisen in Deutschland und Europa zu profitieren, sagte Finanzvorstand Christopher Delbrück am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf.

Das Steinkohlekraftwerk in Datteln, in das Uniper bislang mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert hat, soll nach dem Willen der Kohlekommission nicht angeschaltet werden. Uniper will den Kohlemeiler nach jahrelangen Verzögerungen aber im Sommer kommenden Jahres in Betrieb nehmen. Daran halte man fest, betonte Uniper-Vorstand Eckhardt Rümmler. Er sei sich nicht sicher, „ob die Bundesregierung an das Thema Datteln herangehen und damit der Empfehlung der Kommission folgen will“. Der Manager verwies dabei auf die „gewaltigen Investitionen“, die kompensiert werden müssten.

Die Kohlekommission hatte in ihrem Kompromiss zum Ausstieg aus der Kohleverstromung dafür ausgesprochen, in Bau befindliche Kohlekraftwerke nicht in Betrieb zu nehmen. Uniper werde, „solange wir keine anderweitigen Anhaltspunkte haben“, weiter mit Hochdruck daran arbeiten, das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen, sagte Rümmler. Wenn die Bundesregierung Datteln 4 für den Kohleausstieg ins Kalkül ziehe, sollte sie „umgehend mit uns sprechen“.

Zwar erhöhte Uniper im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 8 Prozent auf 78,2 Milliarden Euro, unter anderem dank eines spürbaren Anstiegs des Gasgeschäfts. Unter dem Strich verzeichnete der Konzern jedoch erneut einen Verlust. Der Konzernfehlbetrag betrug, unter anderem durch Abschreibungen auf Datteln und ein Kraftwerk in Frankreich, 492 Millionen Euro nach einem Minus von 538 Millionen Euro im Vorjahr. Für das neue Geschäftsjahr geht Uniper von einem weiteren Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Für 2018 will das Unternehmen seinen Aktionären aber mehr Dividende zahlen als ursprünglich geplant. Auch für das neue Geschäftsjahr plant der Konzern eine höhere Ausschüttungssumme ein.

Uniper will sein Verhältnis zu seinem finnischen Großaktionär Fortum, der knapp 50 Prozent der Aktien hält, neu ordnen. Der erkrankte Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer und Finanzvorstand Delbrück, die sich lange gegen den Einstieg der Finnen gewehrt hatten, scheiden zum 31. August aus ihren Ämtern aus. Der verbliebene Vorstand will jetzt mit Fortum über eine strategische und operative Zusammenarbeit sprechen. Für die Gespräche gebe es keine Tabus, sagte Rümmler. Derzeit hätten aber noch beide Seiten „eine andere Vorstellung, wie die Beziehung aussehen könnte“.

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