Unikliniken erfüllen Stellenvereinbarung nicht

Nach massiven Streiks haben die Universitätskliniken in Essen und Düsseldorf ihr Pflegepersonal aufgestockt. Doch immer noch heißt es: Krankenschwester dringend gesucht. Denn der Markt ist leer. Die Gewerkschaft Verdi zieht eine durchwachsene Bilanz.

27.10.2019, 09:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Jahr nach der Vereinbarung über die Neueinstellung von Pflegekräften haben die Universitätskliniken in Düsseldorf und Essen die Vorgaben noch nicht erfüllt. Die Gewerkschaft Verdi hatte mit ihnen die Schaffung von je 180 neuen Stellen - 140 in der Pflege und 40 aus anderen Bereichen - zum 31. Oktober 2019 vereinbart. Doch von 180 Entlastungsstellen seien erst 124 besetzt, davon 93 im Pflegedienst, erklärte die Uniklinik Düsseldorf. Vor zwei Monaten hatte die Klinik den Stand an neu besetzten Stellen noch mit 71 angegeben.

Die Essener Klinik erklärte ohne Angaben von Zahlen, die Vorgaben im Bereich Pflege würden weitgehend erfüllt. Im Nicht-Pflegebereich seien von vereinbarten 40 nun 30 besetzt. Essen setzt ansonsten auf Pflegekräfte auf Leiharbeitsbasis. „Wir haben die Lücke weitgehend geschlossen“, erklärte ein Sprecher der Uniklinik.

Beschäftige beider Kliniken mit jeweils 6500 Mitarbeitern hatten im vergangenen Sommer wochenlang für eine Aufstockung des Personals gestreikt, in Essen an fast 40 Tagen, in Düsseldorf an 52 Tagen. Die Auswirkungen waren dramatisch: Hunderte Patienten konnten nicht stationär aufgenommen werden, Tausende Operationen fielen aus. Teilweise blieb über die Hälfte der OP-Säle zu. Erst mit Hilfe eines Schlichters konnte in dem verfahrenen Konflikt eine Lösung gefunden werden.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, an beiden Unikliniken sei die Bilanz nach einem Jahr durchwachsen. Der vertraglich zugesicherte Aufbau von je 140 Stellen in der Pflege sei bisher nicht umgesetzt worden. „Zum Teil mag das an der angespannten Arbeitsmarktsituation liegen“, sagte Verdi-Bundesvorstand Sylvia Bühler der Deutschen Presse-Agentur. Zu einem erheblichen Teil sei aber auch die mangelnde Umsetzung von Entlastungsmaßnahmen Schuld. Die Gewerkschaft hat inzwischen nach eigenen Angaben in 14 weiteren Kliniken solche Vereinbarungen abgeschlossen.

„In der Besetzung der Stellen hinken wir dem in der Vereinbarung vorgegebenen Zeitplan leider hinterher“, erklärte die Uniklinik Düsseldorf. Man würde sofort 100 zusätzliche Pflegekräfte einstellen - finde aber keine. Der Markt für Pflegekräfte sei leer gefegt. Um eine Überbelastung des Pflegepersonals zu vermeiden, würden täglich bis zu 120 Betten nicht belegt. Bis Oktober seien nach erster Versorgung in der Notaufnahme über 400 Patienten an andere Krankenhäuser verwiesen worden.

Die Kliniken beklagen die finanziellen Folgen der Vereinbarung. Der massive Anstieg der Personalkosten bedeute schwere Nachteile für die universitären Standorte Essen und Düsseldorf in der NRW-Hochschulmedizin, erklärte die Essener Klinik. „Eine Lösung für diese Schieflage steht aus“, sagte der Ärztliche Direktor, Prof. Jochen Werner. Das Land Nordrhein-Westfalen ist Träger der Universitätskliniken.

In Düsseldorf werden viele Stellschrauben ausprobiert. Interessierte sollen durch Radiowerbung und Veranstaltungen zum Kennenlernen überzeugt werden. Ab 2020 sollen Beschäftigten rund 160 neue Wohnungen in Fußnähe zur Klinik zur Verfügung stehen. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll verdoppelt werden. Allerdings: Noch fehlen die räumlichen Voraussetzungen dafür.

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