Umstrittene Spritzen-Kunstinstallation endet

Künstler wandeln eine Kölsch-Reklame ab, um auf die Probleme von Drogenabhängigen aufmerksam zu machen. Die Installation sorgt für viele Diskussionen. Am Sonntag leuchtet sie zum letzten Mal.

24.06.2019, 06:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Umstrittene Spritzen-Kunstinstallation endet

Eine Werbetafel der Kölsch-Brauerei Reissdorf an einem Haus zeigt eine Figur, die Kölsch trinkt. Foto: Henning Kaiser/Archiv

Am Sonntag ist die umstrittene Kunstinstallation, die eine Figur mit Drogenspritze zeigt, zum noch mal auf dem Kölner Neumarkt zu sehen. An dem Tag endet das in Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr stattfindende „Impulse Theater Festival“, für das das Kunstwerk aufgestellt worden war.

Die Wiener Künstler Alexandra Berlinger und Martin Wagner hatten für ihre Installation eine Neonreklame der Kölsch-Brauerei Reissdorf zum Vorbild genommen: Es hängt an einer Hauswand am Kölner Rudolfplatz und zeigt abwechselnd, wie ein Mann („Er trinkt“) und eine Frau („Sie trinkt“) ein Kölsch-Glas heben. Das Künstlerduo wandelte die Werbung für sein Kunstwerk ab: Zu sehen sind abwechselnd ein Mann und eine Frau, die sich eine Spritze setzen sowie der Schriftzug „Sie spritzt“/„Er spritzt“.

Die Künstler wollten auf die Probleme Drogenabhängiger aufmerksam machen und auf deren Verdrängung vom zentralen Neumarkt. Die „Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt“ kritisierte das Kunstwerk: Das Drogenproblem am Neumarkt, seit Jahren ein zentraler Drogenumschlagplatz Kölns, werde verharmlost. „Eine Verhöhnung Drogenabhängiger“ ist das Kunstwerk der Initiative zufolge.

Das „Impulse Theater Festival“ hingegen lobte die Installation als „Kunst, die wirkt“ und die eine große öffentliche Diskussion über den Umgang mit der Drogenszene am Neumarkt angestoßen habe. „Die Reaktionen waren überwiegend positiv“, sagte Festival-Sprecherin Julia Kretschmer. „Die Künstler waren meist vor Ort. Es hat ein reger Austausch mit Passanten stattgefunden.“

Die Installation leuchtet noch bis in die Morgenstunden des Montag, bevor sie abgebaut wird. Das Künstlerduo bot der Brauerei Reissdorf an, das Werk anschließend zu kaufen. Der Erlös solle der Drogenhilfe Köln gespendet werden.

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