Umgang mit sexuellem Missbrauch: Genn räumt Versäumnisse ein

Im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche hat Münsters Bischof Felix Genn auch eigene Versäumnisse eingeräumt. In einem jüngst bekanntgewordenen Fall eines Geistlichen, dem eine Frau aus Kevelaer Missbrauch in den 1980er Jahren vorgeworfen hatte, habe er falsch gehandelt. Das schrieb Genn in einem öffentlichen Brief an die Katholiken im Bistum Münster, der am Freitag auch an die Medien ging.

22.11.2019, 16:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Umgang mit sexuellem Missbrauch: Genn räumt Versäumnisse ein

Der Bischof von Münster, Felix Genn. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Er habe dem Priester Gottesdienste nur in Ausnahmefällen erlaubt - und wenn nicht mit großer Öffentlichkeit zu rechnen sei. Das sei nicht klar genug formuliert gewesen, räumte Genn ein. „Was heißt Gottesdienste ohne große Öffentlichkeit?“ Außerdem habe er die Einhaltung seiner Vorgaben nicht konsequent überprüft. „In meiner Verantwortung als Bischof von Münster muss ich in diesem Fall deutlich sagen: Ich habe Fehler gemacht!“

In Kevelaer hatte eine Frau dem Bistum von Missbrauch durch den Geistlichen in den 1980er Jahren berichtet und dabei zunächst darum gebeten, das nicht öffentlich zu machen. Als die Betroffene Ende 2016 meldete, dass der Mann aber weiter Gottesdienste feierte, schrieb Genn dem Priester dazu einige Einschränkungen vor - in dem offenen Brief sprach er von einem „Verbot“. Er hätte hier präziser sein müssen, unterstrich der Bischof. Nun würden auch Auflagen wie Gehaltskürzungen geprüft.

Auch im Fall eines Priesters des Erzbistums Köln - heute im Ruhestand - äußerte Genn Verständnis für Kritik. Der Priester war 1972 wegen „fortgesetzter Unzucht mit Kindern“ und 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen verurteilt worden, aber weiter in der Seelsorge tätig. Das sei ein „verheerender Fehler“, betonte Genn. Der Priester war mehrfach versetzt worden und auch in Essen tätig. Als früherer Bischof von Essen bitte er alle um Entschuldigung, die sich betrogen fühlten, schrieb Genn.

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