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Rund 118.000 Kleingärten in 1600 Anlagen verteilen sich über Nordrhein-Westfalen. In Werne hat der Kleingartenverein „Am Bellingholz“ rund 70 Parzellen. Eine davon gehört Ulli Konik.

Werne

, 12.08.2018 / Lesedauer: 4 min

An seinem ersten offiziellen Rententag am 1. August besuchen wir Ulrich „Ulli“ Konik (63) in seinem Kleingarten in der Anlage „Am Bellingholz“. Schon früh im Gespräch ist spürbar, wie wohl er sich in dem Idyll fühlt. „Ich bin ein Werner Kind“, sagt Konik, der im Vertrieb für AB Elektronik tätig war.

Seit seiner Hochzeit mit Frau Brigitte 1977 wohnt er zur Miete an der Berliner Straße. Nur eines hat er dort vermisst. Einen Garten. „Wir haben zwar einen Balkon, da ist aber alles nur in Töpfen und da ist nicht so viel Vielfalt möglich.“

Kreativität im Kleingarten ausleben

Im Juli 2016 erfüllte er sich seinen Traum mit einem Grundstück in der Anlage „Am Bellingholz“. Da Kreativität in seinem Job nur bedingt möglich und gefragt war, wolle er die jetzt in seinem Kleingarten ausleben. Seit zwei Jahren errichtet er sich also eine Wohlfühloase nach seinen Vorstellungen.

„Zu einer Oase gehört für mich Wasser“, sagt Konik und präsentiert seinen liebevoll gestalteten Brunnen. Einen Teich wollte er nicht, sondern „etwas, das plätschert“. Die Steine, aus denen der Brunnen gebaut wurde, stammen aus dem Dortmunder Steinbruch. „Den Brunnen zu bauen, war anstrengend, aber es hat Spaß gemacht.“

Ulli Konik zeigt uns seine Wohlfühloase im Kleingartenverein „Am Bellingholz“

Besonders stolz ist Kleingärtner Ulli Konik auf seinen selbst gebauten Steinbrunnen. © David Reininghaus

Jeder neue Laubenpieper merkt schnell, dass ein Kleingarten nichts für Leute ist, die ihre Tage ausschließlich in der Hängematte verbringen wollen. Konik hat eine im Garten. Sie zählt neben dem Tisch unter den Weinreben zu seinen Lieblingsplätzen. Doch mindestens genauso gerne wie dort drin zu liegen, widmet er sich neuen Projekten in seinem Garten. „Ich liebe es, mit Holz zu arbeiten“, sagt Konik auf seinen selbst geschaffenen Vorbau zeigend.

Ein Garten bedeutet viel Arbeit, die der Pensionär aber nicht als solche bezeichnen würde. „Den Kleingarten muss man pflegen wie ein Auto. Es ist immer was zu tun. Es ist mein Hobby und keine Arbeit.“

Quotenregelung im Kleingarten

In Kleingärten gilt seit eh und je die Drittel-Regel. Auch in Werne. Ein Drittel des Gartens muss für den Obst- und Gemüseanbau genutzt werden, ein weiteres Drittel ist für Blumen, Ziersträucher und andere Gewächse vorbehalten, ein Drittel gilt der Erholung in der Gartenlaube – auf der Terrasse oder dem Rasen.

„Diese Regelung zeichnet Kleingärten aus. Das ist für mich kein Problem.“ In einem Gewächshaus gedeihen prächtige Tomaten (verschiedene Sorten) und Gurken. Als Gastgeschenk bekommen wir direkt eine mit. Zum Probieren.

Nachbar hatte entscheidenden Einfluss

Draußen im Beet sind Erdbeeren, Grünkohl und Porree angepflanzt. „Es ist richtig schön, etwas selbst Gepflanztes aus dem Garten mitnehmen zu können“, findet er. Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch hat er schon geerntet. Kräuter wie Thymian und Co. dürfen im „Sortiment“ natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Horst Pätzold war es, der Konik in die Kleingartenanlage lotste. „Wir wohnen seit 1977 in der Berliner Straße nebeneinander. Als er sich einen Kleingarten anschaffte, war ich dazu noch nicht bereit“, erzählt Ulli Konik.

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Vor zwei Jahren ergab sich eine neue Chance. Seine Frau Brigitte – laut Konik „die Beste von allen“ – und er waren sich diesmal einig: Die Zeit für einen Kleingarten war gekommen. Nach der Besichtigung schlugen sie zu. „Jetzt sind Horst und ich auch hier in der Kleingartenanlage Nachbarn.“

Anlage kostet vierstelligen Betrag

Die Anlage von Konik ist 370 Quadratmeter groß. Ein Kleingarten dieser Größenordnung kostet meist einen mittleren vierstelligen Betrag. Das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) legt fest, dass die Richtgröße für einen Kleingarten, je nach Fläche der Gesamtanlage, 400 Quadratmeter ist.

Lauben sollen nicht größer als 24 Quadratmeter sein inklusive überdachtem Freisitz. Ausnahme: Bauten, die vor der Wiedervereinigung legal errichtet wurden. Die genießen Bestandsschutz. Konik schätzt an seinem Kleingarten vor allem die Ruhe. „Wir gehen uns hier untereinander nicht auf den Senkel. Wenn man aber doch mal etwas braucht, ist immer Hilfe da.“

Junge Familien sind in Werne die Ausnahme

Nach Angaben des Bundesverbandes der Gartenfreunde gingen deutschlandweit 45 Prozent aller Neuverpachtungen der letzten fünf Jahre an Familien mit Kindern. In Werne bilden junge Familien noch die Ausnahme. Konik aber hat nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Enkel Nikolas (1) und die Zwillinge Maximilian und Sebastian (6) eine Wohlfühloase mit Rutsche und Sandkasten geschaffen. „Sie entdecken hier immer etwas Neues. Es ist auch schön, mit ihnen zum Beispiel Möhren aus der Erde zu ziehen, die sie dann auch essen.“

Und vielleicht übernimmt der Nachwuchs ja in einigen Jahren die Anlage „Am Bellingholz“. Es könnte eine Generation junger Kleingärtner in Werne heranwachsen.

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