Türkei: Kölner und Hamburgerin sind im Justizkonflikt

In der Türkei sind zwei weitere Deutsche mit der Justiz in Konflikt geraten. Seit dem 12. November sitzt ein Mann aus Köln wegen Terrorvorwürfen in Haft. Gegen eine Frau aus Hamburg wurde nach Angaben des Ehemanns eine Ausreisesperre verhängt. In beiden Fällen geht es auch um Vorwürfe der Tätigkeit in pro-kurdischen Vereinen.

22.11.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bekir Topgider habe in der Südosttürkei seine Familie besucht, als er festgenommen wurde, sagte sein Anwalt Hasan Dagtekin der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Ihm würden Terrorpropaganda und „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ vorgeworfen. Gemeint ist die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und Europa als Terrororganisation gilt. Einer Pressemitteilung von Vereinskollegen zufolge ist Topgider (geboren 1959) unter anderem „Mitglied des geschäftsführenden Vorstands“ von Komkar, einem Verband von „Vereinen aus Kurdistan in Deutschland“.

Hintergrund der Anschuldigungen seien unter anderem Beiträge auf Facebook, manche stammten aus dem Jahr 2009, sagte Anwalt Dagtekin. Demnach stoßen sich die türkischen Behörden auch an der Vereinsarbeit des Mannes. Komkar werde in den Akten als „parallele Organisation“ bezeichnet. Topgider weise die Vorwürfe zurück.

Seit dem 3. Oktober wird Nebahat Yildirim aus Hamburg in der Türkei festgehalten. Die 58-Jährige habe zuerst acht Tage in Haft gesessen, bevor gegen sie die Ausreisesperre verhängt wurde, wie ihr Ehemann, der namentlich nicht genannt werden wollte, der dpa sagte. Seit 1991 habe sie nur noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr Anwalt Abdülmenaf Kiran sagte, seiner Mandantin würden Terrorpropaganda und Präsidentenbeleidigung vorgeworfen. Sie bestreite das.

Den Behörden zufolge soll die Frau über eine Hamburger Organisation 2012 Hungerstreiks in der Türkei organisiert und den Anführer der PKK unterstützt haben. Ihr Mann sagte allerdings, seine Frau sei in dem fraglichen pro-kurdischen Verein gar nicht aktiv gewesen. Zudem soll sie einen Beitrag in sozialen Medien „geliked“ haben, der für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beleidigende Aussagen enthalten habe.

Ihrem Mann zufolge war die Hamburgerin ins südosttürkische Diyarbakir gereist, um sich um die Gräber ihrer Eltern zu kümmern und Geschwister zu besuchen. Seit der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam müsse sie sich fünfmal die Woche bei der Polizei melden.

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