Trotz Germanwings-Einlenkens: Gewerkschaft ruft weiter zu Streik über Silvester auf

Tarifstreit im Luftverkehr

Germanwings geht im Clinch mit der Gewerkschaft Ufo auf die Arbeitnehmerseite zu. Der genügt das aber nicht, um die für den Jahreswechsel geplanten Streiks im letzten Moment abzusagen.

Frankfurt/Main

29.12.2019, 00:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trotz Germanwings-Einlenkens: Gewerkschaft ruft weiter zu Streik über Silvester auf

Flugbegleiter der „Unabhängigen Flugbegleiter Organisation“ (Ufo). © dpa

Germanwings-Passagiere müssen sich weiterhin auf einen dreitägigen Streik bei der Airline ab Montag einstellen. Das kurzfristige Entgegenkommen der Lufthansa-Tochter im Tarifkonflikt mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo sei kein Grund, den Aufruf zur Arbeitsniederlegung zurückzunehmen. Das teilte Ufo am Samstagabend in einem Schreiben an ihre Mitglieder mit, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. „Die Tarifkommission hat dies (...) entschieden, dass auf dieser Basis weder rechtlich, noch faktisch, noch aus sonst irgendeinem Grund der Streik abgesagt werden kann“, heißt es in dem Brief der Tarifkommission.

Ufo habe klare Forderungen gestellt, über die sie auch weiter verhandeln würde, „aber dazu kam leider keine Antwort außer dieser polemischen Pressemitteilung“. Damit ist eine Mitteilung von Eurowings gemeint, die am Samstagnachmittag an die Öffentlichkeit ging. Für Eurowings führt Germanwings ihre Flüge aus.

In dieser Mitteilung kam die Airline der Gewerkschaft kurz vor der angekündigten Arbeitsniederlegung im zentralen Streitpunkt entgegen: Sie biete „den Tarifvertrag Teilzeit der Lufthansa vollumfänglich und mit sofortiger Wirkung an“, heißt es darin.

Teilzeit ohnehin schon „seit vielen Jahren gelebte Praxis“

Damit stand kurzzeitig eine Absage des Streiks im Raum. Ufo-Sprecher Nicoley Baublies hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Sollte das tatsächlich helfen, werden wir den Streik absagen.“ Im Gespräch mit der Tarifkommission entschied man sich dann aber gegen die Absage - und drohte in dem Brief an die Mitglieder sogar mit einer Ausdehnung des Streiks: „Ganz im Gegenteil fürchten wir, bei der Kommunikation des Managements, dass drei Tage noch lange nicht genug sein werden.“

Die Regelungen zur Teilzeit waren bisher der offizielle Streikgrund. Nach Ansicht von Germanwings entbehrt mit dem jüngsten Angebot „der angekündigte Streik der von Ufo formal angeführten Grundlage“.

Dabei ist laut Eurowings Teilzeit ohnehin schon „seit vielen Jahren gelebte Praxis im Unternehmen“. Im Jahr 2019 seien für die rund 800 Flugbegleiter fast alle Teilzeit-Wünsche realisiert worden, teilte Eurowings im Zuge des neuen Angebots an Ufo mit. „Lediglich für 11 Mitarbeiter konnte deren bevorzugter Wunsch nach Teilzeit aus operationellen Gründen nicht gewährt werden“, heißt es in der Mitteilung. Für diese Einzelfälle einen dreitägigen Streik vom Zaun zu brechen, sei unverhältnismäßig, sagte Germanwings-Geschäftsführer Francesco Sciortino laut der Mitteilung.

Eurowings will Sonderflugplan veröffentlichen

In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren im November rund 1500 Flüge mit rund 200 000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

Am Freitag hatte Ufo die Flugbegleiter von Germanwings zu einem dreitägigen Streik ab dem kommenden Montag (30.12.) aufgerufen. Der Ausstand soll bis einschließlich Neujahr dauern. Weitere Streiks bei der Lufthansagruppe werde man frühestens nach dem 2. Januar verkünden, sagte Ufo-Vize Daniel Flohr.

Eurowings hatte angekündigt, am Samstag einen Sonderflugplan zu veröffentlichen, in dem möglichst viele Flüge erhalten bleiben sollten. Bis zum frühen Samstagabend lag der Plan noch nicht vor. Wann und ob er verkündet wird, stand zunächst nicht fest. Viele Flughäfen rechneten am Samstag mit geringen Auswirkungen auf den Flugverkehr. Nach Berechnungen des Fachportals „austrianaviation.net“ soll Germanwings an den drei Streiktagen ein knappes Drittel des geplanten Eurowings-Flugprogramms absolvieren. Gefährdet sind danach 229 von 795 Starts aus Deutschland.

RND/dpa

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