Trockenheit lässt Buchen sterben: „Ganz große Sorgen“

Förster sind besorgt: Nach zwei Jahren mit zu wenig Regen sterben im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen immer mehr Buchen ab.

29.06.2019, 09:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trockenheit lässt Buchen sterben: „Ganz große Sorgen“

Die Sonne scheint in einem Wald durch die Blätter von Buchen. Foto: Guido Kirchner/Archivbild

Wegen Trockenheit sterben im Ruhrgebiet immer mehr Buchen ab. „Die Bäume leiden sehr stark unter der aktuellen Hitze“, sagte der Leiter des Regionalforstamts Ruhrgebiet, Reinhart Hassel, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Überall verlieren die Buchen ihre Blätter, es gibt signifikante Absterbeerscheinungen im gesamten Ruhrgebiet.“ Anders als Eichen könnten Buchen keine zweite Generation an grünen Blättern bilden.

Rund fünf Prozent der Buchen zeigten solche Trockenphänomene. Vor allem Bäume, die 100 Jahre und älter sind, seien betroffen. Jüngere Bäume stünden oft im Schatten der älteren und seien der Sonneneinstrahlung nicht so ausgesetzt. Mittlerweile könne man in jedem Buchenbestand absterbende Bäume sehen. „Das macht uns Förstern ganz, ganz große Sorgen“, so der Experte. Noch dramatischer sei die Lage in Ostwestfalen. „Dort sterben ganze Buchenbestände ab.“

Ursache sei ein relativ trockener Winter. „Im Boden ist ein gewaltiges Wasserdefizit.“ Im Frühjahr hätten viele Buchen ausgetrieben, ihre Blätter aber sofort wieder eingerollt wegen zu wenig Wasser. Bereits in den beiden Vorjahren sei wesentlich weniger Regen gefallen als im langjährigen Mittel. Hinzu gekommen sei die langanhaltende Hitzeperiode 2018.

Auch die Birke sterbe großflächig ab, berichtete der 65-Jährige weiter. „Birke ist eine Baumart, die eigentlich mit trockenen Jahren zurechtkommt.“ Die geringe Wasserversorgung des Frühjahrs führe aber nun auch bei der Birke zu großen Ausfallerscheinungen. Eichen würden mit der Trockenheit besser zurechtkommen, „weil sie tiefer wurzeln können“.

Hassel hält die Trockenheit für eine direkte Folge des Klimawandels. „Ich bin betroffen darüber, dass wir mit Klimafolgeschäden zu tun haben, die monatlich schlimmer werden“, sagte er. Der Amtsleiter nannte in diesem Zusammenhang den wegen Trockenheit und Hitze begünstigten Befall durch Raupen des Eichenprozessionsspinners, die Rußrindenkrankheit beim Ahorn oder den Borkenkäfer bei der Fichte. „Was mich ärgert, ist die Lethargie, mit der manche Politiker an die Frage des Klimawandels herangehen. Es ist fünf vor zwölf, aber Sekunden.“

Derweil haben die Weihnachtsbaumerzeuger im Sauerland nach eigenen Angaben noch keine Probleme mit zu wenig Regen. „Die Nordmanntanne ist als Pfahlwurzler immer noch gut mit Wasser versorgt“, sagte Wilhelm Becker-Gödde vom Vorstand der Fachgruppe Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger im Landesverband Gartenbau NRW auf dpa-Anfrage. Auch Neuanpflanzungen seien nach Regenfällen im Mai und Juni gut versorgt.

Die vergleichsweise gute Lage erklärte der Waldbauer mit der Bodenbeschaffenheit: Der schwere Lehmboden im Sauerland speichere Wasser besser als in anderen Regionen. Auch die Fichten stünden noch ganz gut dar. „Wir haben nur die Sorge, dass es zu Borkenkäferschäden in großem Maße kommen kann, wenn es jetzt noch zwei bis drei Wochen trocken bleibt.“

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