Wohin vor der Bescherung? Kann ich alte Freunde treffen? Gibt es am 24. Dezember 2018 wieder eine Party „Im Reiche des Wassers“? Und falls nicht? Gibt es eine Draußen-Alternative?

Schwerte

, 07.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war einmal eine lange Tradition - und sie liest sich fast wie die Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium:

Es begab sich zu der Zeit, dass eine Art Gebot ausging: Jedermann ging, damit er zu Weihnachten seine Familie wiedertreffe - ein jeder in seine Heimatstadt.

Da machten sich auch viele Schwerter auf in das „Reiche des Wassers“, auf dass sie ihre alten Freunde treffen. Und gemeinsam bestellten sie Bier und Glühwein, - manche sogar, bis die Engel zu ihnen sprachen. Viele aber blieben, bis die Zeit gekommen war, dass sie alle zur Bescherung in ihre Elternhäuser mussten.

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Heiligmorgen "Im Reiche des Wassers"

Das Treffen rund um die Gaststätte "Im Reiche des Wassers" gehörte für viele Schwerter zum 24. Dezember. Die Geschichte der Gaststätte selbst reicht noch viel weiter zurück.
07.12.2018
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24. Dezember 2013: Bei trockenem Wetter traf man sich am "Reiche des Wassers".© Bernd Paulitschke
24. Dezember 2014: Auch der CVJM-Posaunenchor, der an Heiligabend in den Straßen von Schwerte unterwegs ist, kam zur "Reiche des Wassers". Das war die letzte Station.© Foto: Manuela Schwerte
24. Dezember 2015: Das Kulttreffen im "Reiche des Wassers" gab es weiterhin.
© Foto: Manuela Schwerte
24. Dezember 2016: Ein letztes (offizielles) Treffen. Die Kneipe war eigentlich schon zu. Aber das Hausbesitzer-Ehepaar hatte einmal mehr eingeladen.© Foto: Manuela Schwerte
24. Dezember 2017: Jetzt war die Kneipe wirklich zu. Wer kam, musste selbst Getränke mitbringen.© Foto: Manuela Schwerte
Historischer Ort: Mit dem riesigen doppelten Saalanbau und dem schattigen Gastgarten der Gaststätte Im Reiche des Wassers wirbt die Postkarte, die im Jahre 1899 von Ausflüglern verschickt wurde.© Repro: Reinhard Schmitz
Als Gegenstück zum Freischütz im Schwerter Wald galt an der Ruhr die Gaststätte Im Reiche des Wassers, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine gastliche Stätte war.© Repro: Reinhard Schmitz
Viele Jahrzehnte war das "Reiche des Wassers", das Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde, im Besitz der Familie Haver.© Repro: Reinhard Schmitz
Als Gegenstück zum Freischütz im Schwerter Wald galt an der Ruhr die Gaststätte Im Reiche des Wassers, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine gastliche Stätte ist.© Repro: Reinhard Schmitz

Das letzte Treffen gab es am 24. Dezember 2016

Nach dem 24. Dezember 2016 war aber Schluss mit dieser Geschichte. Die mehr als 100 Jahre alte Gaststätte war da schon seit einiger Zeit geschlossen. Eine letzte von den Hausbesitzern organisierte Feier war vorbei.

Ins „Reiche des Wassers“ zog zwar der Fahrradfachmarkt Schwerte. Und dessen Chefs Mario Sobottka und Matthias Miekus hätten die alte Tradition gerne fortgeführt. Für Heligmorgen 2017 hatten sie Stehtische, Getränke und vieles mehr organisiert, die Veranstaltung dann aber doch abgesagt.

„Die Auflagen der Stadt sind zu hoch.“
Mario Sobottka

Und 2018? Entgegen anders lautender Gerüchte erklärte Sobottka am Freitag deutlich: „Die Auflagen der Stadt sind zu hoch. Wir machen nichts.“

Welche Auflagen das sind? Dazu möchte Sobottka nichts mehr sagen. Klar ist jedoch: Bei Veranstaltungen mit Hunderten Besuchern im Freien gibt es Anforderungen, auf deren Einhaltung Städte pochen: Toilettenwagen, Absperrzäune, Sicherheitsdienst, Rettungsdienst, Polizei, freie Straßen und natürlich Absperrungen, um die Besucher vor Anschlägen zu schützen. Und so hatte es die Stadt Schwerte auch 2017 bestätigt.

Sind die hohen Kosten also der Grund? Nein, sagt Sobottka, auf die Details wolle er doch gar nicht eingehen. Das sei doch alles schon einmal gesagt. „Aber es ist schon schade. Jahr für Jahr sind viele Leute hierher zurückgekommen - vielleicht sogar aus Singapur oder anderen Teilen der Erde.“

Und so ganz aufgegeben hat er die Hoffnung noch nicht - zumindest nicht für die nächsten Jahre: „Wenn die Stadt der Meinung ist, man könnte so etwas wieder aufleben lassen, dann kann sie uns gerne ansprechen. Wir sind bereit.“

Am 24. Dezember 2018 wird das aber nichts. An dem Tag wird das Radgeschäft wie an anderen Montagen auch um 10 Uhr öffnen - allerdings nicht für eine Party, nur für das Kerngeschäft.

„Wir wissen natürlich, dass es nicht leicht ist, aber wir haben viel Platz.“
Simon von Oppeln-Bronikowski

Kulturkneipe „Auf der Heide“ lädt ein für Heiligmorgen

In die Bresche springen will die Kulturkneipe „Auf der Heide“. Simon von Oppeln-Bronikowski erklärte am Freitag: „Wir wollten das nie als Konkurrenz machen. Das Treffen gehört eigentlich in die Stadt.“ Dennoch habe man sich dazu entschlossen, am 24. Dezember um 11 Uhr zu öffnen.

„Wir wissen natürlich, dass es nicht leicht ist. Und wir sind schon froh, wenn sich hier ein paar Dutzend Leute einfinden“, sagt von Oppeln-Bronikowski: „Aber es dürfen gerne auch mehr kommen. Wir haben relativ viel Platz, drinnen und draußen.“ Man werde eine Außentheke und Stehtische aufbauen. Genug Raum für Gespräche bei Glühwein und Bier gebe es also.

„Warum nicht?“, fragt auch Mario Sobottka. Ob sich viele Schwerter und Ex-Schwerter am Heiligmorgen zur Heide aufmachen - das werde sich zeigen. Schlecht sei es dort ja nicht. Attraktiver wäre für viele sicherlich ein Treffpunkt in Schwertes Innenstadt, vielleicht am Markt, überlegt Sobottka. Doch von einer solchen Aktion der dortigen Wirte habe er bisher noch nichts gehört.

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Heiligabend-Treff am RdW 2018

Obwohl die offizielle Veranstaltung abgesagt worden war, trafen sich auf 2018 wieder viele Schwerter vor der mittlerweile geschlossenen Kneipe Im Reiche des Wassers, um alte Freunde wiederzusehen.
26.12.2017
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Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Weil der offizielle Treff abgesagt war, kamen die Abiturienten 2013 als Selbstversorger zum Reiche des Wassers. Die übliche Rivalität zwischen beiden Schwerter Gymnasien war am Heiligen Abend außer Kraft gesetzt.© Foto: Reinhard Schmitz
Musik aus dem Autoradio, Grill und Getränke aus dem Kofferraum geholt: Auf dem Parkplatz am RdW setzten die Abiturienten von 2005 am Heiligen Abend ihre Tradition selbst fort.© Foto: Reinhard Schmitz
Tim Grünebaum, Sohn des legendären RdW-Betreibers und Heiligabend-Treff-Gründers Peter Grünebaum, war auch gekommen, um mit seinen Freunden auf dem Parkplatz zu feiern.© Foto: Reinhard Schmitz
Weil der Treff am "Reich" abgesagt war, unternahmen (v.l.) Leon Klose, Maik Brenne, Nils Kipka und Till Diel am Heiligen Abend mit dem Partyfässchen eine Runde durch Schwerte.© Foto: Reinhard Schmitz

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