Traumstart in die Dortmunder Titelmission - „Geiles Gefühl“

Den mutigen Worten vor der Saison folgten sehenswerte Taten. Beim 5:1 über Augsburg spielte der BVB phasenweise groß auf. Das werteten viele Beobachter als weiteres Zeichen an die Bayern, dass ihre jahrelange Vormachtstellung in Gefahr geraten könnte.

18.08.2019, 09:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Traumstart in die Dortmunder Titelmission - „Geiles Gefühl“

BVB-Neuzugang Julian Brandt (l) jubelt mit Doppel-Torschütze Paco Alcácer. Foto: Guido Kirchner

Schon auf den Weg vom Rasen zurück in die Kabine warfen einige Dortmunder Profis einen ersten, flüchtigen Blick auf die Tabelle auf der Videoleinwand.

Was sie dort zu sehen bekamen, bestärkte sie in ihrer schon vor Wochen beschlossenen Strategie, dem Topfavoriten FC Bayern den Kampf anzusagen. Schließlich verhalf das am Ende famos herausgespielte 5:1 (1:1) über den FC Augsburg dem BVB gleich an die Spitze und schürte den Glauben an die eigene Stärke. „Das ist ein geiles Gefühl. Besser hätten wir nicht starten können“, schwärmte Mittelfeldspieler Julian Weigl.

Anders als der Abo-Meister der vergangenen sieben Jahre aus München, der am Tag zuvor gegen Hertha BSC nicht über ein 2:2 hinausgekommen war, gelang dem BVB der höchste Saison-Auftaktsieg in seinen bisherigen 52 Bundesliga-Jahren. „Das Unentschieden der Bayern haben wir natürlich wahrgenommen. Das hat uns umso mehr angespornt, gleich mal ein Zeichen zu setzen. Ich denke, das ist uns heute sehr gut gelungen“, bekannte Weigl bei Sky.

Bei aller Freude über die prompte Tabellenführung warnte Michael Zorc davor, den Kantersieg zu hoch zu bewerten: „Das war ein guter Start, mehr aber auch nicht.“ Ähnlich zurückhaltend fiel das Urteil des Trainers aus. Unbeirrt hielt Favre an seinem schon in der vergangenen Saison kultivierten Credo fest: „Wir haben noch an ein paar Sachen zu arbeiten.“

Gleichwohl wirkte der BVB schon in der Form von Samstag wie ein Meisteraspirant. Auch die Diskussion, dass zur Titelreife noch ein körperlich robuster Mittelstürmer im Kader fehlt, dürfte sich vorerst erledigt haben. Denn wie schon beim 2:0 im Supercup gegen den FC Bayern und beim 2:0 im Pokal über den Drittligisten Uerdingen traf der bisher vor allem als Jokerkönig bekannte Alcácer auch in dritten Pflichtspiel der noch jungen Saison als Startelfspieler ins Tor. „Paco hat jetzt endlich damit aufgeräumt, dass er nur treffen kann, wenn er eingewechselt wird“, kommentierte Sportdirektor Michael Zorc.

Dabei hätte es dem Vizemeister aus Dortmund ähnlich ergehen können wie dem Titelverteidiger aus München. Denn auch der BVB wurde vom Gegner kalt erwischt. Bereits nach 31 Sekunden lag die in der Sommerpause mit rund 130 Millionen Euro verstärkte Mannschaft von Trainer Lucien Favre durch den Treffer von Florian Niederlechner mit 0:1 hinten. Es spricht für die Moral, dass sie dennoch nicht ins Wanken geriet. „Ich glaube, man hat gesehen, dass uns das nicht wirklich beschäftigt hat“, sagte Marwin Hitz, der den noch immer verletzten Stammkeeper Roman Bürki erneut fehlerlos vertrat.

Der schnelle Ausgleich durch Paco Alcácer sorgte für Beruhigung und weckte zwischenzeitlich Erinnerungen an das spektakuläre 4:3 beider Teams in der vergangenen Saison an gleicher Stätte. Doch so vogelwild wie im Oktober 2018 ging es diesmal nicht zu. Anders als damals leistete sich der BVB keine weitere Schwäche und drehte in der 2. Halbzeit mächtig auf. Mit den Treffern von Jadon Sancho (51.), Marco Reus (57.), Alcácer (59.) und Julian Brandt (82.) waren die Augsburger noch gut bedient.

Es passte ins Bild eines gelungenen Nachmittags, dass auch Neuzugang Brandt bei seinem Pflichtspieldebüt für den BVB kurz nach seiner Einwechslung traf. „Das war super. Die Jungs haben das top gemacht“, befand der ehemalige Leverkusener, „aber trotzdem ist ja noch nicht alles perfekt. Wir sind noch am Anfang der Saison.“

Darüber hinaus trug auch der wohlwollende Empfang für Rückkehrer Mats Hummels zur guten Stimmung in Dortmund bei. Nur vereinzelt waren vor der Partie Pfiffe derjenigen Fans zu hören, die wegen seines Wechsels im Sommer 2016 vom Revierclub nach München noch immer verärgert sind. Doch die ansprechende Leistung des Abwehrchefs dürfte auch die Kritiker besänftigt haben. „Für ihn gab es große Erwartungen. Er hat es sehr, sehr gut gemacht“, lobte Favre.

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