Traktor auf dem Marktplatz: Landwirte wollen Bürger wachrütteln

Marktplatz Werne

Ungewohntes Bild auf dem Wochenmarkt: Ein Traktor samt Anhänger mit Strohballen machte sich am Freitag auf dem Werner Marktplatz breit. Die Landwirte wollen die Bürger wachrütteln.

Werne

, 17.01.2020, 11:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Traktor auf dem Marktplatz: Landwirte wollen Bürger wachrütteln

Annegret Lohmann (CDU) und die Landwirte Simon Horstrup (v.l.), Robert Schulze Kalthoff, Johannes Laurenz und Hubertus Rosendahl bei der Aktion auf dem Werner Marktplatz. © Felix Püschner

„Das ist hier kein Protest, sondern ein Wachrütteln der Bürger“, sagt Johannes Laurenz. Der Werner Landwirt steht mit seinen Kollegen am Freitag, 17. Januar, auf dem Werner Wochenmarkt - mit einem Traktor samt Anhänger. Auf dem liegen Strohballen, auch ein Schild mit dem Schriftzug „Insektensterben?“ ist zu erkennen.

Und dem ein oder anderen Marktbesucher ist die Verwunderung über diese Aktion regelrecht ins Gesicht geschrieben. Die Landwirte gehen auf die Bürger zu, sprechen sie an, überreichen Informationszettel und kleine Beutel mit Saatgut. Statt in Konvois über die Landstraßen zu ziehen, um für Mitspracherecht bei der Gesetzgebung zu protestieren, suchen die Bauern hier den direkten Kontakt zu den Bürgern.

Konstruktive Gespräche führen

„Wir sind einfach unzufrieden damit, dass uns immer der schwarze Peter zugeschoben wird, vor allem natürlich beim Thema Nitratbelastung. Aber auch, wenn es um Nutztierhaltung geht. Deswegen wollen wir hier unsere Sicht schildern“, sagt Laurenz.

Die Gespräche mit den Marktbesuchern wirken konstruktiv. Dabei sei es allerdings schwierig, den Draht zu den jüngeren Menschen zu finden. „Die ältere Generation hat noch ein ganz anderes Bewusstsein, wenn es um uns Landwirte geht. Da haben wir noch ein anderes Standing als bei den jungen Menschen. Wir haben es in der Vergangenheit allerdings auch versäumt, diese Leute mitzunehmen und aufzuklären“, so Laurenz weiter.

Traktor auf dem Marktplatz: Landwirte wollen Bürger wachrütteln

Johannes Laurenz im Gespräch mit einem Besucher auf dem Werner Wochenmarkt. © Felix Püschner

Dennoch: Auch bei der „älteren Generation“ müssen die Werner Bauern am Freitag Überzeugungsarbeit leisten – gerade in Sachen Umweltschutz und Bioproduktion. Und wenn es darum geht, nach welchen Spielregeln in Deutschland und auf europäischer Ebene gespielt wird. Man fordert Gleichberechtigung in den Reihen der Bauern.

„Wir deutschen Landwirte machen gerne morgen alle unseren Stall auf und schicken die Tiere auf den Acker, wir machen auch gerne nur noch Bioproduktion - aber dann muss das auch in ganz Europa so gemacht werden“, erklärt Laurenz einem der Marktbesucher. Gleiche Standards für alle also. Das klingt vernünftig. Der Marktbesucher nickt.

Bauern beklagen fehlende Planungssicherheit

Und Laurenz legt nach: Immer wieder neue Standards bei der Produktion, immer wieder neue Richtlinien für die Landwirte – da fehle doch die Planungssicherheit. Man wolle auch nicht mehr Subvention, wie es manchmal dargestellt werde, sondern einfach nur eine faire Behandlung.

Dazu gehöre auch das Anerkennen der Maßnahmen, die die Landwirte hierzulande bereits umsetzten. Etwa beim „bösen Thema Gülle. Die produzieren nicht nur wir, sondern jeder Mensch“, sagt Laurenz. Zudem halte man immer schon Ackerrandstreifen als Sicherheitsabstand zu den Gewässern ein.

Bürger können Blühpatenschaft übernehmen

Das zweite große Thema auf dem Markt ist das Insektensterben. Klar, Hummeln und Co. sind schließlich eher auf eine mit Nektar gefüllte Blume als auf einen gedüngten Acker aus. Und deswegen bieten die Werner Landwirte in Kooperation mit der Stadt seit Anfang des Jahres auch eine „Blühpatenschaft“ an.

Das Konzept: Jeder Bürger kann für 18 Euro eine Fläche von 50 Quadratmetern „erwerben“, für die er ein Jahr lang als Pate fungiert. Auf den Streifen entlang der Wirtschaftswege der Felder sollen Pflanzen wachsen, die Insekten als Nahrungsquelle und Rückzugsort dienen. Angelegt und gepflegt werden diese Flächen von den Werner Landwirten. Insgesamt sind 30.000 Quadratmeter Blühstreifen geplant. Für jeden Quadratmeter Blühpatenfläche legen die Landwirte einen weiteren Quadratmeter auf eigene Kosten an.

Traktor auf dem Marktplatz: Landwirte wollen Bürger wachrütteln

Michael Zurhorst (l.) und Annegret Lohmann haben das Blühpatenschaftsprojekt in Kooperation mit den Werner Landwirten initiiert. Und das kaum auch bei Wernes Bürgermeister Lothar Christ (2.v.l.) gut an. © CDU

„Unser Ziel ist es, etwa 300 Leute für eine Patenschaft zu gewinnen“, sagt Michael Zurhorst (CDU). Der Werner Politiker zählt mit seiner Parteikollegin Annegret Lohmann zu den Initiatoren des Projekts.

Alle Infos zur Patenschaft gibt es online unter bluehstreifen.vermessung-zurhorst.de

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