Reggae-Musiker Toni Tuklan hat viele erfolgreiche Songs produziert - darunter Hits mit Sean Paul und DJ Tomekk. Wir haben ihn zu Hause besucht und uns erklären lassen, wie ein Song entsteht.

Werne

, 15.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Toni Tuklan sitzt an seinem Gartentisch und wischt über das Display seines Smartphones. Und wischt. Und wischt. Und wischt... Viele Fotos, Videos und Musik auf dem Handy zu haben - und dementsprechend viel Grund zum Wischen zu haben - ist freilich nichts Außergewöhnliches. Kann heutzutage fast jeder. Aber nicht viele Menschen haben wohl mehr als 100 von ihnen selbst komponierte Songs auf ihrem ständigen digitalen Begleiter.

„Wenn ich von Texten und Melodien träume, dann muss das sofort raus, sobald ich aufwache.“

Toni Tuklan hat das durchaus. Und irgendwann ist dann tatsächlich auch bei ihm die Wischerei zu Ende. „Hier, das war der letzte Demo-Track. Aber es klingt noch ziemlich schlecht“, sagt der 49-Jährige und drückt auf Play. Es ertönt irgendwas mit „Make ya move controll“. Könnte vielleicht wirklich mal so heißen - wenn aus dem Spontan-Rap irgendwann ein Song entstehen sollte.

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So produziert Toni Tuklan seine Songs

„Da war ich gerade erst aufgewacht und habe es direkt eingesungen. Mein Smartphone liegt immer neben mir am Bett. Wenn ich schlafe, kommen mir öfter mal Ideen für Texte und Melodien. Das muss dann sofort raus, sobald ich aufwache.“

Ruhm und Reichtum

Sich im Schlaf die Inspiration holen und dann beim Augenaufschlag direkt loslegen und etwas ziemlich Erfolgreiches produzieren - das ist nicht unbedingt eine völlig neue Schaffensstrategie. Im Gegenteil. So eine Arbeitsweise soll schon so manch einem Bestsellerautor zu Ruhm und Reichtum verholfen haben. Aber Tuklan will gar keine dicken Bücher mit epischen Geschichten produzieren. „Ich bring‘ die Dinge lieber auf den Punkt“, sagt er und lacht.

Es beginnt im Schlaf: So produziert Reggae-Musiker Toni Tuklan seine Songs

Toni Tuklan stand unter anderem schon mit Sean Paul auf der Bühne. © Toni Tuklan / Bampson

Eigentlich sei das mit dem Songschreiben keine allzu komplizierte Sache: „Jeder Mensch erlebt doch irgendwelche Geschichten. Und wer reden kann, der kann auch singen. Man muss sich nur überlegen, wie man daraus einen Song macht.“ Klingt plausibel. Klingt simpel. Und trotzdem laufen da draußen auf der Straße jetzt nicht gerade Gesangstalente en masse herum.

Der Weg in den Keller

Tuklan hat noch einen Tipp: „Man darf nicht verkrampft sein. Wenn ich den ganzen Tag durch die Gegend laufen und mir sagen würde ‚Toni, du musst jetzt endlich etwas schreiben‘, dann klappt das sowieso nicht.“ Manche Songs entstünden auch bei Meetings oder auf Partys. Auch da erlebt man schließlich was. Meistens zumindest.

Und ist der Text erst mal ins Smartphone gesungen, führt Tuklans Weg in der Regel in den Keller. Dort ist sein „Aufnahmeraum“ - auch wenn es nicht unbedingt danach aussieht. Eine gemütliche Couch steht in der einen Ecke, eine Nigeria-Fahne hängt in der anderen.

Es beginnt im Schlaf: So produziert Reggae-Musiker Toni Tuklan seine Songs

Kein Platz für Schnickschnack. Tuklan braucht nur das Nötigste, wie er sagt. © Felix Püschner

Kein Platz für Schnickschnack

Die beiden alten Mischpults sind schon verstaubt und längst nicht mehr in Betrieb. „So etwas braucht man heute nicht mehr. Ich will auch keinen anderen Schnickschnack hier haben“, sagt Tuklan. Ein Laptop und ein Mikro reichen. Hier wird der Text nochmals eingesungen: „Und spätestens dann rufe ich meine Jungs an und wir legen ein paar krasse Beats drunter. Manchmal schicke ich ihnen aber auch schon vorher die Version vom Smartphone, damit sie mir sagen, was sie davon halten.“

Seine „Jungs“, die kommen von überall her. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Duisburg bis in die USA. Künstler wie Rico Bernasconi oder DJ Tomekk sind darunter. Leute, die man ohne Bedenken als internationale Stars bezeichnen kann. Ist die Truppe dann beisammen, geht‘s ins Aufnahmestudio - das ist dann häufig eine Nummer größer als Tuklans Kellerraum.

„Sponsoren brauchst du immer - vor allem für fette Video-Produktionen“

Bei all der Musiziererei darf eine Sache aber nicht zu kurz kommen: die Sponsorensuche. „Sponsoren brauchst du immer - vor allem für fette Video-Produktionen“, erklärt der gebürtige Nigerianer.

Dann zückt er wieder sein Smartphone und fängt an zu wischen. Denn darauf befinden sich jede Menge „Köder“ für Sponsoren: Mehrere Songs, die zwar noch nicht veröffentlicht, aber grundsätzlich fertig sind.

Frauen und Fußball

In einem der Tracks geht es um die erste Begegnung mit einer Frau - in einem anderen darum, dass sich die Leute zu sehr quälen und besser mal ein wenig entspannen sollten. „Mehr lachen und mehr tanzen. Wir leben nicht nur, um zu arbeiten“, lautet Tuklans Devise.

Der 49-Jähirge hat auch Lieder, bei denen er nur noch auf den richtigen Veröffentlichungszeitpunkt wartet. Da passe das eine ganz gut zu einer Fußball-WM und das andere vielleicht etwas besser in einen politischen Wahlkampf. „Ich habe hier zum Beispiel noch einen Song, in dem viele Politiker ihr Fett abbekommen“, sagt Tuklan.

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Song mit Tito Jackson

An anderen wiederum - etwa einem Track mit Michael Jacksons Bruder Tito - müsse er noch etwas schrauben: „Der muss vielleicht noch ein bisschen strammer und einfacher werden. Mit einem Song ist das manchmal wie bei einem Haus. Man baut und baut, dekoriert hier und da - und so richtig zufrieden ist man vielleicht nie.“

Manchmal seien Songs sogar über mehrere Jahre in der Warteschleife. „Und dann ruft plötzlich jemand aus Amerika an und sagt, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt und wir bringen den Song raus. Das ist schon verrückt“, sagt Tuklan.

Das hört sich nach reichlich Zeit zum Schlafen an. Und nach vielen Träumen...

  • „Meine Heimat Werne“ lautet der Titel eines Buches, an dem der Werner Reggae-Musiker derzeit arbeitet. Es soll ein „Integrationsprojekt“ sein, wie er sagt.
  • In dem Buch schildern Leute von außerhalb ihre Erfahrungen mit der Lippestadt und wie sie das Leben hier mitgestalten. Darunter ist auch Wernes Bürgermeister Lothar Christ.
  • Tuklan sagt hierzu: „Ob jemand aus 50 oder 1000 Kilometern Entfernung kommt, spielt keine große Rolle. Es geht immer um Integration, sobald man irgendwo neu ist.“
  • 15 Gastbeiträge hat Tuklan bereits gesammelt. Wer Interesse hat, kann Tuklan unter anderem über Facebook kontaktieren.
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