Tödlicher Halt: Eine mitreißende Geschichte um Nazis und Zivilcourage

dzBuchrezension

Wie weit darf Zivilcourage gehen? Sind Morde entschuldbarer, wenn Nazis die Opfer sind? Fragen, für die es keine einfachen Antworten gibt. Arne Dessaul geht ihnen in „Tödlicher Halt“ auf den Grund.

Unna

, 08.11.2019, 14:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer „Tödlicher Halt“ zur Hand nimmt, sollte sich Zeit nehmen, denn möglicherweise behält er das Buch lange in der Hand. Zu sehr fesselt die Geschichte die beiden Bonner Studenten Daniel und Bernd, die im Jahr 1992 bei einer illegalen Kurierfahrt in eine gefährliche Situation geraten.

In einem türkischen Restaurant geraten sie zwischen die Fronten, als Rechtsradikale den Wirt angreifen. Ihnen gelingt die Flucht, doch sie fragen sich, ob sie nicht selbst zu Angreifern werden müssen. Schließlich haben sie Pistolen in ihrem Auto.

Spannungsbogen bleibt oben

Dazwischen gehen, Nazis erschießen – ist das noch Zivilcourage oder doch ein übles Verbrechen? Diese Frage schwebt wie ein Nebel über der Story. Arne Dessaul gelingt es dabei auf beeindruckende Art und Weise, den Spannungsbogen oben zu halten.

Es sind verschiedene Handlungsstränge, die Dessau zusammenführt. Dabei spielen neben den beiden Protagonisten weitere Figuren wichtige Rollen, nicht nur der Kriminalkommissar Helmut Jordan.

Hinzu kommt, dass die Geschichte aktuell wie eh und je ist. „Tödlicher Halt“ ist erschienen, als der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Rechtsradikalen erschossen wurde. Der versuchte Anschlag eines Nazis auf die Synagoge in Halle kommt hinzu.

Das Buch

Im Mai 2019 erschienen

  • „Tödlicher Halt“ ist am 29. Mai 2019 bei Books on Demand erschienen.
  • Das Taschenbuch hat 256 Seiten und kostet 9,99 Euro.
  • Erhältlich ist es unter der ISBN 978-3-7347-9727-9.

„Tödlicher Halt“ spielt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze – nach Hoyerswerda, aber vor den rechten Angriffen in Rostock-Lichtenhagen und Solingen. Auch das gibt dem Roman eine besondere Aktualität, denn die Frage, ob sich rechtes Gedankengut in Ostdeutschland leichter verbreiten kann als im Westen, wird auch heute gestellt.

Leser sucht eigene Haltung

All das konnte Arne Dessaul nicht wissen, als er sein Buch schrieb. Er setzt auf die Emotionen, die das Geschehen in dem türkischen Restaurant entfacht. Und tatsächlich muss auch der Leser seine Haltung erst finden – schwankend zwischen dem Mitgefühl für die beiden Protagonisten und Bedürfnis, dass jede Straftat aufgeklärt und sanktioniert werden muss.

Arne Dessaul setzt nicht auf Helden. Er will ein Stück Normalität zeigen, die aus den Fugen gerät. Es ist erstaunlich, wie gut ihm das gelingt. Schließlich weiß der Leser zu jeder Zeit, wer welche Straftat begangen hat. Er fühlt sich nicht in der Rolle eines Ermittlers, der Verbrechen aufklären will. Vielmehr pendelt er zwischen verschiedenen Gefühlen – und das ist unsagbar spannend.

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