Tödlicher Asbest verbirgt sich in vielen Wohnungen unter dem Teppich – Das können Sie tun

dzAsbest

Krebserregendes Asbest schlummert noch in zigtausenden privaten und öffentlichen Gebäuden in NRW. Auch dort, wo es bislang nicht vermutet wurde. Wann es gefährlich wird und was man tun kann.

Dortmund NRW

, 27.11.2019, 17:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jahrzehntelang galt Asbest als Superstoff: unbrennbar, isolierend. Dann zeigte sich: Asbest ist krebserregend. 1993 wurde es in Deutschland verboten. Bis dahin wurde der Stoff millionenfach verbaut, in Fußböden und Wandverkleidungen, auf Dächern, in Fassaden.

Hier versteckt sich der Asbest

Wo überall Asbest lauert, hat die Stiftung Warentest aufgelistet:

  • Cushion-Vinyl-Fußboden- und Wandbelag, PVC-Bahnen, die auf der Rückseite eine Schicht besitzen, die aussieht wie Pappe, aber tatsächlich aus Asbest bestehen. Dieser Belag wurde großflächig in vielen Wohnungen als Boden verlegt und liegt noch unter vielen Teppichen. Die Asbestfasern sind nicht richtig gebunden, sondern können leicht in die Luft geraten. Manchmal finden sich die Bahnen auch an den Wänden.

  • Flexplatten - quadratische PVC-Fliesen, die früher etwa 15 Prozet Asbest erhielten. Problematisch sind diese Fliesen vor allem, wenn sie älter und brüchig werden.

  • Wand- und leichtbauplatten - Asbesthaltige Platten, in der DDR als Skalit, Neptunit und Baufatherm bekannt, in der Bundesrepublik als Promabest als Brandschutz verwendet. Sie gelten als problematisch.

  • Verkleidungen von Heizkörpern (unter Fensterbrettern und hinter den Heizungkörpern), Hitzeschutz und Dichtungsschnüre hinter Öfen und Kaminen.

  • Putze, Spachtelmassen, Fliesenkleber - die Asbestkonzentration liegt hier nicht sehr hoch, beim Schleifen, Bohren oder Abschlagen kann die Raumluft aber hoch belastet werden

  • Asbestzement - Eternit und andere Zementhersteller haben daraus zahlreiche Produkte hergestellt, die eine lange Lebensdauer haben und deswegen noch oft zu finden sind. Hergestellt wurden u.a. sind Blumenkästen, Abwasserrohre, Fens­terbretter, gewellte Dachabdeckungen und Fassadenplatten. Hier ist der Asbest allerdings stark gebunden.

  • Elektro-Speicherheizgeräte und uralte Elektrogeräte - die Stiftung Warentest rät im Zweifelsfall vor 1983 hergestellte Geräte nicht mehr zu benutzen - oder beim Hersteller nachzufragen.

180.000 Tonnen Asbest verbaut – doch: Keine Panik!

Bis zu 180.000 Tonnen Asbest wurden laut Berufsgenossenschaft Bau pro Jahr verbaut, insgesamt viele Millionen Tonnen. Ein Großteil der vor 1993 erstellten Häuser steht bis heute. Solange Asbest fest verbaut ist, ist das wenig problematisch. Also: Keine Panik!

Die größte Gefahr besteht, wenn asbesthaltige Materialen geflext, gesägt, gebohrt oder herausgerissen werden. Der Staub ist so fein, dass man ihn mit dem Auge nicht sieht, doch die spitzen Fasern setzen sich in der Lunge lebenslang fest.

Die unterschätzte Gefahr

Dass Asbest auch im Putz, in Spachtelmassen, Fliesen- und Teppichklebern steckt, geriet erst in jüngster Zeit in den Blick. Die Verwendung in diesen Stoffen galt lange als unkritisch, weil der Asbestanteil hier sehr gering ist.

Heute ist klar: Die Gefahr wurde unterschätzt. Das Bundesarbeitsministerium räumte 2017 ein, dass diese Gefahr bislang „wenig beachtet“ worden sei. 2017 wurde auf Bundesebene der „Nationale Asbestdialog“ gegründet, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Feste, neue Regeln gibt es noch nicht.

Stadt Bochum saniert alle Gebäude nur noch mit Gutachter

Das dauerte etwa der Stadt Bochum zu lange. Sie beschloss im Mai 2019, dass alle vor 1995 errichteten Gebäude so zu behandeln sind, als wenn asbesthaltige Putze oder Spachtelmassen verwendet wurden. Grundsätzlich ist jetzt bei Sanierungen solcher Häuser ein Gutachter einzuschalten. Und wenn auch nur ein kleines Loch in eine Wand gebohrt werden soll, dürfen nur Bohrmaschinen verwendet werden, die den Staub absaugen.

Tote und Kranke durch Asbest

Dass Asbest krebserregend ist, ist unstrittig. Wie viele Neuerkrankungen oder Sterbefälle Asbest noch immer verursacht, ist unklar. Die Berufsgenossenschaft Bau spricht für 2017 von 1561 Toten.

Das Landes-Gesundheitsministerium verweist darauf, dass viele Erkrankungen nicht nur durch Asbest, sondern auch durch andere Faktoren ausgelöst werden können (etwa Lungenkrebs durch Rauchen). Lediglich bei der Tumor-Erkrankung Mesothelion, die überwiegend durch Asbest ausgelöst wird, zählte es zwischen 2006 und 2015 in NRW 4001 Fälle.

Zahl der belasteten Gebäude in NRW nicht bekannt

Wie viele Gebäude in NRW noch mit Asbest belastet sind, ist nicht bekannt. Das Bau-, das Umwelt- und das Gesundheitsministerium des Landes teilten auf Anfragen mit, das wisse man nicht. Auch der Städtetag, der Städte- und Gemeindebund sowie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW nannten keine Zahlen.

Aber: Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärte 2016, dass noch immer „80 Prozent der ursprünglich verwendeten asbesthaltigen Bauteile im heutigen Gebäudebestand“ schlummern.

Darauf müssen Sie bei Sanierungen von Wohnungen achten

Das rät die Stiftung Warentest:

  • Je aufwändiger die Sanierung ist, desto empfehlenswerter ist der Einsatz von Asbestsanierungsfirmen

  • Oft ist die Asbestsanierung einfacher als man denkt. So können z.B. Arbeitshandschuhe mit eingearbeiteten Folien wie ein Zelt über die Gefahrenstellen gestülpt werden, so dass Asbestfasern nicht in die Raumluft geraten.

  • Verwitternde Blumenkästen oder als Beet­abtrennung genutzte Platten aus Faserzement können selbst staubdicht in Kunst­stoff­folie verpackt und zur nächsten Annahme­stelle trans­portiert werden.

  • Größere Platten sind problematischer, da die Fasern nur solange sicher im Zementmaterial gebunden sind, wie die Produkte unzerstört bleiben. Eigentümer können die Demontage vorsichtig in die eigene Hand nehmen. Im eigenen Interesse müssen die Platten angefeuchtet, möglichst im Ganzen demontiert und korrekt bei einer Asbest-Annahme­stelle entsorgt werden. „In allen Zweifels­fällen gilt: Fragen Sie Ihr kommunales Umwelt­amt“, so die Stiftung Warentest.

Weitere Tipps zur Renovierung und Asbestsanierung gibt die Stiftung Warentest hier.

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