Tod nach Prügel auf Bauernhof in Ergste: Schlug der mutmaßliche Täter auch seine Freundin?

dzLandgericht Hagen

Ein Streit auf einem Ergster Bauernhof, mehrere Prügel, kurz darauf ist einer der Männer tot. Wird der Überlebende bestraft? Soll er in die Psychiatrie? Eine zweite Geschichte spricht dafür.

17.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 29-jährige Angeklagte soll im April 2017 mehrmals wuchtig auf einen Nachbarn eingeschlagen haben, mit dem er Tür an Tür in dem Bauernhof an der Brunnenbergshöhe wohnte. Worum es bei dem Streit ging, weiß der Mann heute nicht mehr. Klar ist nur, dass seitdem nichts mehr ist, wie es einmal war.

Denn sein 64-jähriger Kontrahent hat diesen Tag nicht überlebt. Offiziell lautet die Todesursache: Herzinfarkt. Man kann also wohl nicht sicher sagen, dass die Schläge des Angeklagten für den Tod verantwortlich sind. Dennoch fühlt sich der 29-Jährige nach eigenen Angaben schuldig. „Vielleicht wäre das ja sonst nicht passiert“, hatte er am ersten Verhandlungstag gesagt.

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Muss der Angeklagte in die Psychiatrie?

Bei der Suche nach einer gerechten und angemessenen Sanktion der Tat gerät eine klassische Bestrafung wegen Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge immer mehr in den Hintergrund.

In erster Linie müssen die Richter klären, ob der Angeklagte aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung unbefristet in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Dies könnte zum Schutz der Allgemeinheit angeordnet werden.

Und die Unterbringung würde auch dann noch andauern, wenn die eigentlich verhängte Haftstrafe längst abgelaufen ist. Nämlich dann, wenn die behandelnden Ärzte den Mann immer noch für gefährlich halten.

Im November 2018: Freundin flieht nach Streit

Um die Frage, ob eine Unterbringung angemessen ist, abschließend beantworten zu können, beschäftigen sich die Richter jetzt mit weiteren Taten, die der 29-Jährige verübt haben soll. Am Freitag wurden dazu Zeugen eines Vorfalls vernommen, der sich im November 2018 in der Wohnung der damaligen Freundin des Angeklagten an der Eintrachtstraße ereignet hat.

Nachbarn der jungen Frau hörten an diesem Nachmittag zunächst einen lauten Streit aus der Wohnung. Und am Abend drangen schließlich sogar Hilferufe an ihr Ohr. „Ich bin sofort runtergerannt“, erinnerte sich der 63-jährige Zeuge. „Wenn eine Frau um Hilfe ruft, muss man das machen.“

Auch auf den Nachbarn eingeprügelt

Vor der Haustür traf der Zeuge damals den sichtlich aufgewühlten und neben sich stehenden Angeklagten an. Auch die Ehefrau des Zeugen erinnerte sich: „Der war total neben der Spur, wirkte, als würde er unter Drogen stehen.“

Tatsächlich soll der Angeklagte an diesem Abend seine Freundin so heftig geschlagen haben, dass diese ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Und auch die zur Hilfe eilenden Nachbarn erhielten Faustschläge. Gut möglich, dass die Richter aufgrund dieses Vorfalls nun tatsächlich von einer Gefährlichkeit des Angeklagten ausgehen.

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