Tim Mälzer: „Ich möchte nicht, dass meine Mutter das sieht“

TV-Kochshow

Am Sonntagabend startet die fünfte Staffel von „Kitchen Impossible“ (Vox) mit Tim Mälzer. Im exklusiven Interview spricht der TV-Koch über Startschwierigkeiten, Schimpfwörter und seine Mama.

Hamburg

05.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Tim Mälzer: „Ich möchte nicht, dass meine Mutter das sieht“

TV-Koch Tim Mälzer ist ab Sonntag in neuen Folgen von Kitchen Impossible bei Vox zu sehen. © picture alliance / dpa

In der letzten Challenge der fünften Staffel von „Kitchen Impossible“ treten Sie erneut gegen Tim Raue an. Was für ein Verhältnis haben Sie zueinander?

Tim und ich sind wirklich sehr, sehr gute Freunde. Er ist für mich wirklich eine Inspiration, was das Kulinarische, aber auch das unternehmerische Denken angeht. Ich finde, dass er in den letzten Jahren eine unfassbare Entwicklung durchgemacht hat. Und zwar sehr zum Positiven, was man ja nicht immer von jedem sagen kann, der durch die Öffentlichkeit kreucht und fleucht. „Kitchen Impossible“ spiegelt unsere Freundschaft sehr gut wider.

Wir sind auf der einen Seite Ratgeber, allerdings auf der anderen Seite auch Problemverursacher. Ich hole mir bei ihm wirklich sehr viele Ratschläge. Er ist wirklich mein Sorgentelefon, aber manchmal denke ich auch: „Jetzt halt doch mal die Fresse, Tim Raue!“ Das Schöne an unserer Freundschaft ist aber, dass wir uns so was auch sagen können.

Wie wichtig ist Ihr Kontrahent Tim Raue für „Kitchen Impossible“?

Sehr. Er ist der einzige, der das Format mit mir begründet hat und auch für die Qualität und Tonalität sämtlicher Folgen geradesteht. Dadurch ist er festes Bestandteil unserer Crew. Auch in dieser Staffel gibt es wieder ein Special im Duell. Wir werden nämlich zum ersten Mal dasselbe kochen, und zwar gleichzeitig.

Es gibt immer ein Weihnachts-Special pro Staffel. Haben Sie auch mal an eine Oster-Ausgabe gedacht?

Die Sendung ist in der Machart extrem aufwendig. Die kann nicht jeder schneiden, filmen und redaktionell betreuen. „Kitchen Impossible“ ist so gut, weil die Leute, die daran mitwirken, herausragend in ihrer Qualität sind. Das ist ähnlich wie in einem Restaurant. Sicherlich kann ich mal einen Tisch dazustellen. Aber ich kann nicht jede Speisekarte einfach unkontrolliert auf die Gästezahlen erweitern. Es gibt bestimmte Gerichte, die ich für 50 Gäste kochen kann. Und es gibt Gerichte, die ich für 500 Gäste kochen kann. Aber das sind zwei komplett verschiedene Gerichte.

Auch bei „Kitchen Impossible“ kommen wir an ganz natürliche Ressourcengrenzen. Das ist die Qualität der Arbeit derjenigen, die mithelfen und die Sendung kreieren. Das ist wie bei einer Musikband. Es gibt auch andere Gitarristen und andere Schlagzeuger, die bestimmt ihr Instrument gut beherrschen. Aber nicht unbedingt diesen Ton treffen, der diese Band auszeichnet. Die Qualität von „Kitchen Impossible“ ist neudeutsch quasi nur begrenzt „skalierbar“.

Tim Mälzer: „‚Fickscheiße‘ habe ich schon 1000 Mal gesagt“
Wie wichtig ist es, dass auch eine erfolgreiche Sendung immer wieder erneuert wird?

Natürlich überlegen wir immer wieder, was man ändern könnte. Immer nur Tim Mälzer zeigen, der eine große Fresse hat und eine reinkriegt oder nicht, ist irgendwann auserzählt. Welche Nuancen kann man in die Sendung reinbringen, damit man mal eine andere Tonalität reinkriegt? „Fickscheiße“ habe ich schon 1000 Mal gesagt. (lacht) Aber das kommt halt aus dem Bauch heraus und ist wie verbaler Stuhlgang. Da variiere ich nicht mit Absicht. Es kommt, wie es kommt.

In der neuen Staffel ist nur ein Gegner von Ihnen weiblich. Woran liegt das?

Grundsätzlich ist es offensichtlich, dass es wenig Frauen in unserer Branche in der Führungsebene gibt. Das liegt nicht daran, dass sie talentfrei sind, sondern weil bestimmte Modalitäten dazu führen, dass es nach wie vor eine sehr maskuline Branche ist. Obwohl, wenn man bei mir in die Küche guckt, sind da die Hälfte Frauen. Aber grundsätzlich schätzen Frauen wohl nicht so diesen Wettbewerb, weil sie intelligenter und feingeistiger sind. Der männliche Koch hat da doch noch eher einen leichten Hang zur Neandertalerhöhle. Am Ende des Tages geht es darum, zu zeigen, wer geiler ist. Das ist per se ja schon ein sehr dummer Ansatz. (lacht) Ich glaube einfach, dass wir Männer viel kollegialer beleidigen können.

Apropos beleidigen, einer Ihrer Gegner ist Steffen Henssler …

Steffen Henssler ist der lebende Beweis dafür, dass man nicht kochen können muss, wenn man im Fernsehen kocht. (lacht) Die Qualität des Kochens spielt gar keine Rolle. (lacht wieder) Man muss einen gewissen Entertainment-Faktor haben und muss auch bereit sein, sich aufzugeben und die Kontrolle zu verlieren.

Das ist das Schöne, glaube ich, und auch das Erfolgsgeheimnis bei „Kitchen Impossible“. Wir sind bereit, uns dabei filmen zu lassen, wie wir die Kontrolle verlieren. Das ist ein brutaler Moment, weil man in dem Augenblick dumm dasteht. Jetzt liegt es an dir, aus dieser Situation einigermaßen würdevoll wieder rauszukommen. Das gelingt dem einen mal mehr, mal weniger. Mir immer weniger – gerade in dieser neuen Staffel.

Also schon mal vorweg: Ich entschuldige mich für mein Verhalten und mein Benimm in der gesamten Staffel. Da gibt es viele Momente, wo ich nicht möchte, dass meine Mutter das sieht. (lacht) Und Steffen Henssler hat genauso wenig Hemmungen in dieser Hinsicht wie ich.

Wie war denn das Aufeinandertreffen mit Steffen Henssler?

Er ist in Natur viel, viel kleiner, als ich gedacht habe. (lacht) Wir kennen uns ja und sind keine Freunde im klassischen Sinne, aber wir sind uns nahe. Wir spiegeln uns sehr. Wenn er in mich reinguckt, ist das ein bisschen wie ein Verzerrspiegel, bei dem ein bisschen mehr auf die Hüfte draufkommt. Aber charakterlich und innerlich sind wir schon sehr gleich.

Unsere beiden Karrieren basieren auf der Fähigkeit, das Bisschen, was wir können, im Optimum zu nutzen. Aber gleichzeitig, nicht den Hauch einer Bescheidenheit an den Tag zu legen. Die Aufzeichnung mit Steffen war sehr fein. Ich hatte selber ein bisschen Angst, dass wir beide im Klischee verenden. Dass wir beide also nur so witzig sein wollen, weil wir es müssen, aber wir haben auf eine sehr natürliche Art und Weise keinen Respekt voreinander und bringen das auch ganz gut zum Ausdruck. (lacht)

Im Dezember haben Sie in Ihrem Podcast „Fiete Gastro“ verraten, dass Starkoch Jamie Oliver zugesagt hat, in einer Challenge gegen Sie anzutreten. Aber zu diesem Aufeinandertreffen kommt es noch nicht in dieser Staffel …

… aber wir arbeiten derzeit daran, dass es bei den Dreharbeiten in diesem Jahr realisiert wird. Das Format ist ja nicht nur mit Herzblut von den Köchen betrieben, sondern auch von der gesamten Produktion. Da bewegen wir uns auf filmischem Niveau. Das Format wird geatmet und gelebt. Dinge, die wir jetzt drehen, sind erst in drei Monaten fertig. Als Jamie Oliver zugesagt hat, waren alle Challenges – bis auf eine – für die aktuelle Staffel bereits abgedreht.

Sie haben alle Sendungen aufgezeichnet. Nur bei der letzten Folge drehen Sie noch die Auflösung im Duell gegen Tim Raue. Haben Sie ein gutes Gefühl dabei?

Ich habe ja ein Bild von mir selbst, das nahezu makellos ist. (lacht) Das spiegelt sich aber leider selten in der Punktezahl der Jury wider. Das, was ich in meiner Leistung gesehen habe, kriege ich nicht immer auf die Juroren transportiert. Dieses Mal ist es ein besonderer Spannungsbogen, weil Tim Raue und ich das Gleiche kochen müssen. Da bin ich sehr gespannt drauf, wie wir exakt die gleiche Aufgabenstellung mit unseren eigenen Lösungswegen auf den Teller zu bringen, um schlussendlich vielleicht auch zu gewinnen.

Wir sind im selben Haus, kriegen die Boxen in zwei verschiedenen Räumen serviert. Wir werden zur selben Zeit in die Küche reingeführt, in zwei Ebenen, wo man nicht so viel vom anderen sehen konnte. Ich glaube, Raue hat ein bisschen bei mir abgeguckt. Aber nur die Leute, die nichts wissen, müssen abgucken. Ich hatte das nicht nötig. (lacht)

Mit Tim Raue haben Sie auch bereits die zweite Staffel von „Ready to beef“ abgedreht. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Inhaltlich ist die Sendung sehr gut angekommen, von den Quoten offensichtlich nicht. „Kitchen Impossible“ ist ja auch als Rohrkrepierer geboren worden. Manche Formate müssen ihren Platz erst mal finden. „Ready to beef“ ist keine gängige Hausfrauen- und Hausmann-Kochsendung, sondern da wird wirklich Spitzengastronomie betrieben. Das wird seinen Platz noch finden – hoffentlich …

Sie haben es gerade erwähnt: Auch „Kitchen Impossible“ hatte Startschwierigkeiten…

Am einem 23. Dezember vor fünf Jahren wurde die erste Folge ausgestrahlt und hatte keine gute Quote erreicht. Aber mein großes Kompliment geht an den Sender Vox, der eben nicht nur gesagt hat, dass die Quote schlecht oder Inhalt blöd ist, sondern dass man sieht und spürt, was gut ist. Danach wurde sich um das Produkt sehr liebevoll gekümmert. Und das ist gerade bei „Ready to beef“ auch der Fall. Manchmal veröffentlichst du eine Platte und denkst, das ist die neue Nummer eins. Irgendwann entwickelt sich dann aber was anderes zur Nummer eins. Handwerklich und technisch müssen wir uns bei „Ready to beef“ nichts vorwerfen. Das ist ein bisschen wie Steinbutt mit Kaviar morgens um vier Uhr auf St. Pauli, das macht auch wenig Sinn.

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