Tierarzt in Schwerte ohne Telefon – „Es sind schon Tiere deshalb gestorben“

dzDr. Stefan Wolf

Zehn Tage ohne Telefon, ohne Internet, ohne EC-Cash – immer wieder vertröste ihn die Telekom, ärgert sich der Schwerter Tierarzt Dr. Stefan Wolf: „Es sind schon Tiere deshalb gestorben.“

Schwerte

, 16.12.2019, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles begann am Donnerstagabend, 5. Dezember, um 19 Uhr. Plötzlich war die Leitung tot. Genauer gesagt: Alle drei waren es – die zwei, die in der Tierarztpraxis an der Schützenstraße in Schwerte zum Telefonieren genutzt werden, und die dritte, über die das Gerät für die EC-Karten läuft. Der Internetzugang? Ebenfalls kaputt.

Nach anderthalb Stunden in der Hotline erhielt Tierarzt Wolf die Zusage, gleich am nächsten Morgen komme ein Mitarbeiter. „Der Mitarbeiter ist auch gekommen, hat alles durchgemessen und gesagt, das Problem wäre nicht bei uns im Haus“, erinnert sich Wolf.

Techniker kommt innerhalb von 48 Stunden – nein, doch nicht

Stattdessen liege der Grund im Schaltkasten Am Ostentor, und innerhalb der nächsten 48 Stunden werde das behoben. Ja, obwohl Wochenende sei.

Bei der Hotline klang das am nächsten Tag anders, erläutert Wolf. Am Wochenende? Nein. Und schon gar nicht innerhalb von 48 Stunden.

Wolf versuchte es weiter, Tag für Tag. Einmal sei er aus der Leitung geworfen worden, nachdem er verlangt habe, einen Vorgesetzten zu sprechen. Einmal gab es einen weiteren Termin. Ein Techniker einer Fremdfirma fand auch noch einmal heraus, dass das Problem im Schaltkasten lag, nicht bei Wolf im Haus.

Einzige neue Erkenntnis: Der erste Techniker hatte den Fehler nicht an seine Kollegen weitergeleitet.

Da bestand die Störung schon fast eine Woche.

Tierarzt in Schwerte ohne Telefon – „Es sind schon Tiere deshalb gestorben“

Auch das EC-Cash-Gerät funktioniert nicht. Deshalb kann man in der Praxis aktuell nur bar bezahlen. © Björn Althoff

Tierarzt schreibt Beschwerdebrief an Telekom-Vorstand

Der Tierarzt blieb hartnäckig, doch sein Ärger wurde immer größer: Versprochene Rückrufe gab es nicht. Dann war das Hotline-Team mal einen Tag gar nicht zu erreichen.

Schließlich setzte sich Wolf hin und verfasste einen knapp dreiseitigen Brief, adressiert an den Vorstand der Deutschen Telekom, als Einschreiben abgeschickt. Er sei ein Mensch, „der sich extrem selten beschwert“, stellt Wolf klar. Aber auch, dass er so ein „schlechtes, groteskes, ärmliches Verhalten in meinen 35 Berufsjahren noch nie erlebt“ habe.

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„Tiere sind schon gestorben, weil Kunden nicht mit uns sprechen konnten“

Warum das Telefonproblem so gravierend ist für den Tierarzt? Der Kontakt zu den Kunden sei nur über ein Handy möglich. „Aber wir kommen mit dem Abtelefonieren der Anrufe nicht klar. Eingehende Anrufe können nicht schnell beantwortet werden. Tiere sind schon deshalb gestorben, weil der Kunde nicht mit uns Rücksprache halten konnte.“

Der Ausfall von Telefon und Internet sei „ein Horrorszenario“ – gerade weil die Praxis viel Publikums- und Telefonverkehr habe, weil man die einzige Tierarztpraxis im Kreis Unna mit 24-Stunden-Notdienst sei. In der Praxis arbeitet Wolf mit zwei Tierärztinnen sowie acht weiteren Mitarbeiterinnen zusammen.

Tierarzt in Schwerte ohne Telefon – „Es sind schon Tiere deshalb gestorben“

Die Tierarztpraxis liegt an der Schützenstraße in Schwerte. © Björn Althoff

Dr. Wolf setzt Frist bis zum Mittwoch

Immerhin: Da der Ausfall nach Ende der Sprechstunde geschehen sei, war schon die Rufumleitung geschaltet – vom Festnetz-Telefon in der Praxis auf das Notfallhandy, dessen Leitung nun „heillos überlastet“ sei.

Die aktuellste Antwort, die er am Montag erhalten habe, so Wolf: Jetzt solle es schnell gehen, bis der Fehler behoben werde. Wolf wusste: Mit rechtlichen Schritten zu drohen, nutze gegen die Telekom eh nichts. Nichtsdestotrotz setzte er eine Frist in seinem Einschreiben: Bis spätestens Mittwoch, 18. Dezember, solle Telefon, EC-Cash und Internet wieder funktionieren.

Antwort der Telekom steht noch aus

Und ebenso eindrücklich schrieb er: „Ich bitte Sie, zumindest so viel Anstand und Ehre zu haben, uns zu sagen, was los ist. So kann man mit Kunden doch nicht umgehen.“

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