Teurer Inkasso-Ärger – genau hinschauen lohnt sich

dzVerbraucherberatung Lünen

Post von Inkasso-Firmen sorgt meistens für Ärger und Aufregung. Viele Verbraucher werfen die Briefe einfach weg. Warum sie das besser nicht tun sollten, erklärt die Verbraucherberatung.

Lünen

, 05.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihren Handy-Vertrag hatte eine Lüner Auszubildende fristgerecht gekündigt. Alle noch offenen Rechnungen waren bezahlt - dachte die junge Frau zumindest. Bis sie im Januar Post von einer Inkassofirma bekam. Im Auftrag des Telekommunikations-Unternehmens forderte diese die Schlussrechnung zu bezahlen. Und nicht nur die. Neben den 29,95 Euro, die die junge Lünerin tatsächlich vergessen hatte zu zahlen, sollte sie noch hohe Gebühren bezahlen. Insgesamt 116,50 Euro.

Viel Geld für eine Auszubildende. Zu viel, um es auf einmal zu zahlen. Also bat die junge Frau um Ratenzahlung, wollte zehn Euro im Monat überweisen, um die vergessene Rechnung und die Gebühren zu begleichen. Im Juni dann der nächste Schock: Laut Inkassofirma reichten die zehn Euro pro Monat nicht aus, denn trotz der bereits gezahlten Raten belaufe sich die geforderte Summe nun auf noch 126 Euro. Als die Auszubildende sich das Kleingedruckte im Ratenvertrag anschaute, entdeckte sie, dass für die Ratenzahlung noch einmal 78,50 Euro fällig werden.

Nun reichte es der Lünerin und sie wandte sich an die Verbraucherberatung.

Abbuchung funktioniert nicht

„Wir bekommen jeden Tag solche Anfragen von Verbrauchern, die Post von Inkassofirmen bekommen haben“, so Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung. Da vergessen Kunden von Fitness-Studios, Gebühren zu überweisen. Oder eine Abbuchung von der EC-Karte hat nicht funktioniert. Gülzow: „Die Verbraucherzentrale NRW hat bei 45 verschiedenen Inkassobüros eine Untersuchung gestartet, bei der es um die Kosten und Stolperfallen bei Ratenzahlungen ging.“

Teurer Inkasso-Ärger – genau hinschauen lohnt sich

Jutta Gülzow, Leiterin der Verbraucherberatung, bietet Infos für Verbraucher zum Thema Inkasso. © Rottgardt

Und dabei Erschreckendes festgestellt. So wurden in rund 60 Prozent aller Fälle für eine vorformulierte Ratenzahlungsvereinbarung Entgelte verlangt, die sich an der Vergütung von Rechtsanwälten orientieren. Schon bei geringen Forderungen von bis zu zehn Euro wurden 81 Euro und mehr verlangt.

Zudem mussten die Schuldner in über 80 Prozent der Erklärungen unterschreiben, dass sie die Gesamtforderung mitsamt den Kosten für die Vereinbarung ungeprüft anerkennen. In fast der Hälfte der Ratenvereinbarungen wurde zudem eine Lohnabtretung zur Voraussetzung, um die Inkassoforderungen in Raten zahlen zu können.

Nicht in den Papierkorb werfen

In vielen Internetforen gibt es Kritik an den Vorgehensweisen der Inkassobüros. Eines ist aber klar, so Jutta Gülzow: „Wenn man eine Forderung schriftlich per Post bekommt, sollte man sie nicht einfach in den Papierkorb werfen, sondern prüfen.“ Stellt sich heraus, dass es tatsächlich die Forderung einer Firma ist, mit der man einen Vertrag geschlossen hat, sollte man prüfen, ob man nicht doch schon bezahlt hat und das nachweisen kann.

Hat man vergessen, eine Forderung zu begleichen, sollte man schriftlich reagieren. Auch bei oft überteuerten Inkasso-Zusatzkosten. Gülzow: „Bei Forderungen bis zu 500 Euro werden oft 70 bis 80 Euro Gebühren verlangt, auch wenn die Forderung nur zehn Euro oder noch weniger beträgt. Wir hatten schon einen Fall, wo von einem Supermarkt 3,81 Euro nicht abgebucht werden konnten dann per Inkassobüro eingetrieben werden sollten, plus 70 Euro Gebühren.“

Teurer Inkasso-Ärger – genau hinschauen lohnt sich

Ob die Forderungen tatsächlich berechtigt sind, sollte man genau prüfen. © picture alliance / Jens Büttner/

Die Verbraucherzentrale würde eine Gebühr von 27 Euro anerkennen, wenn man in Verzug ist. In jedem Fall können sich Verbraucher mit den Schreiben an die Beraterinnen in der Kirchstraße 12 wenden. So wie es dann endlich auch die Lüner Auszubildende getan hat, als die nächsten Forderungen ins Haus flatterten. „Wir haben es geschafft, die Sache einvernehmlich zu klären. Sie brauchte die junge Lünerin die zusätzlich geforderten 78,50 Euro für den Ratenvertrag nicht zahlen“, so Jutta Gülzow.

Sie rät dazu, gerade bei Ratenverträgen genau hinzuschauen, das Kleingedruckte genau zu prüfen und sich im Zweifel bei der Verbraucherberatung zu melden.

Nicht sinnvoll sei es, die Inkassofirmen anzurufen. „Möglicherweise wird das so ausgelegt, dass man die Forderungen anerkennt“, so die Leiterin der Verbraucherberatung.

Nachweise aufbewahren

Sobald ein Betroffener die Forderungsaufstellung vorliegen hat, kann diese von den Verbraucherberatern geprüft werden. In einem Fall ging es sogar um eine Forderung aus dem Jahr 1996, die in Vergessenheit geraten war. 22 Jahre später bekam der Lüner nun einen Vollstreckungsbescheid geschickt - mit Zins und Zinseszins. Gülzow: „Allerdings war da nicht berücksichtigt worden, dass ein Teil der Forderung schon verjährt war. So konnten wir erreichen, dass die Kosten halbiert wurden.“

Oder junge Frauen, die mehrfach Kinderkleidung bestellt und teilweise auch zurückgeschickt hatten, bekamen Post vom Inkassobüro, weil sie angeblich nicht alles bezahlt hatten, was sie behalten haben. Jutta Gülzows Rat: „Man sollte immer die Retourenscheine aufbewahren, und auch die Nachweise der Überweisung.“

Eine Checkliste zum Thema Inkasso liegt in der Verbraucherberatung Lünen, Kirchstraße 12, zum Mitnehmen aus. Dort gibt es auch die rechtliche Beratung rund um Inkassoschreiben. Eine vorherige Terminabsprache ist erforderlich, Tel. (02306) 30 13 801.
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