Nach Anti-Terror-Einsatz alle Festgenommenen wieder frei

In Essen fährt ein 19-Jähriger durch die Fußgängerzone. Darauf löst die Polizei einen Anti-Terror-Einsatz aus. Elf Männer werden vorübergehend festgenommen. Wie groß die Gefahr war, ist noch unklar.

30.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Nach einem Anti-Terror-Einsatz gegen eine mutmaßliche Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind alle elf vorläufig Festgenommenen wieder auf freiem Fuß. Hinweise auf einen konkret geplanten Anschlag der 22 bis 35 Jahre alten Männer haben die Ermittler nicht. Bei den Durchsuchungen in zehn Orten in Nordrhein-Westfalen sowie in Ulm waren am Freitag und Samstag auch keine Waffen oder Sprengstoff gefunden worden.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat dauerten aber an, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Sonntag. Dazu würden unter anderem Computer und Datenträger ausgewertet, die bei den Durchsuchungen beschlagnahmt worden seien. Die Zentralstelle Terrorismusverfolgung NRW ermittelt zudem wegen Verabredung zum Mord und zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

Neun der elf zeitweise festgenommenen Männer sind tadschikischer Nationalität, ein weiterer ist deutscher Staatsangehöriger, einer Türke. „In Nordrhein-Westfalen gibt es eine kleine Gruppe von Tadschiken innerhalb der salafistischen Szene“, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Sonntag. Tadschikistan ist eine ehemalige Sowjetrepublik in Zentralasien, die an Afghanistan grenzt.

Die mutmaßliche Terrorzelle ist bereits seit längerem im Visier der Ermittler. Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass ihr mindestens sechs der elf vorübergehend Festgenommenen angehören. Sie sollen sich entweder als Terrorzelle des IS oder als dessen Sympathisanten Waffen und Sprengstoff verschafft und einen Anschlag in Deutschland geplant haben. Wie groß die Gruppe ist, müsse noch geklärt werden, sagte Oberstaatsanwalt Daniel Vollmert.

Auslöser für den Zugriff der Ermittler war die Irrfahrt eines 19-jährigen Tadschiken mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone in der Essener Innenstadt am Freitag. Der Mann sitzt inzwischen wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Zu der mutmaßlichen Terrorzelle gehört er nach Angaben der Ermittler aber nicht.

Das habe zunächst habe nicht ausgeschlossen werden können, sagte Vollmert. Deshalb sei die Durchsuchungsaktion angelaufen, bei der mehrere Hundert Polizisten sowie Sprengstoffspürhunde im Einsatz gewesen seien. Man habe damit sicherstellen wollen, „dass die Verdächtigen in unserem Tatkomplex nicht tatsächlich an dem Tag etwas umsetzen“, sagte Vollmert.

Zu dem Motiv des 19-Jährigen und den Hintergründen der Irrfahrt konnte die Essener Polizei am Sonntag noch keine Angaben machen.

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