Teilskalpierung bei versuchtem Ehrenmord: Geliebte des Opfers sagt aus

dzLandgericht Essen

Damit hatte kaum noch jemand gerechnet: Im Prozess um einen versuchten Ehrenmord in Essen hat jetzt die junge Frau ausgesagt, deren heimliche Affäre das beinahe tödliche Drama ausgelöst hat.

Essen

, 08.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um einen versuchten Ehrenmord in Essen hat nun doch noch die Geliebte des Opfers ausgesagt. Die 20-Jährige, die inzwischen in Viersen wohnt, hatte in dem seit über einem Jahr andauernden Prozess bisher die Aussage verweigert. Was sie auch darf. Schließlich sitzt praktisch ihre gesamte Familie auf der Anklagebank – darunter Mutter, Vater, Onkel, Tante und Noch-Ehemann. Dass sie nun doch aussagen wollte, war ein Überraschung. Ihre Anwältin hatte den mit Spannung erwarteten Auftritt im Dezember angekündigt.

Anklage spricht von „Teilskalpierung“

Belastet hat sie allerdings niemanden. Mit Ausnahme des Mannes, der einst ihr Geliebter war und nur durch Glück noch am Leben ist. Laut Anklage ist die Familie der 20-Jährigen in der Nacht auf den 31. Mai 2018 über den damals 19-Jährigen hergefallen – in einem dunklen Essener Hinterhof. In der Anklage ist sogar von einer „Teilskalpierung“ die Rede.

Ein Jahr lang waren er und die 20-Jährige, die bereits nach islamischem Ritus verheiratet war, ein heimliches Paar. „Ja, wir hatten eine Beziehung“, sagte sie den Richtern am Essener Schwurgericht am Mittwoch. Die habe sie jedoch selbst beenden wollen. „Weil das bei uns ja nicht geht. Weil das eine Schande ist.“

Bei der Polizei gelogen

Der 19-Jährige habe das jedoch nicht akzeptieren wollen. „Er hat gedroht unsere Beziehung offenzulegen und er hat mich geschlagen“, sagte sie den Richtern. Ob das jedoch die ganz Wahrheit ist, ist unklar. Ausgerechnet die eigene Schwester hatte bei der Polizei damals zu Protokoll gegeben, dass die beiden bis zuletzt – also bis zur Tat – ein Paar waren.

Außerdem musste die 20-Jährige bei ihrer Zeugenvernehmung zugeben, dass sie bei ersten Befragungen durch die Polizei gelogen hat. Unklar ist auch, ob sie von Familienmitgliedern zuvor beeinflusst worden ist – zum Beispiel von der Mutter. Es gibt abgehörte Telefonate, die das nahelegen.

Angeklagte sollten den Saal verlassen

Die 20-Jährige war bereits im vergangenen März schon einmal als Zeugin vor Gericht erschienen, hatte damals aber nichts sagen wollen. Auch diesmal war sie angeblich nicht frei von Druck. Ihre Anwältin hatte sogar beantragt, die Angeklagten für die Dauer ihrer Vernehmung von der Verhandlung auszuschließen. „Dann habe ich Ruhe, um die Wahrheit zu sagen“, so die Zeugin. Dafür sahen die Richter am Essener Schwurgericht rechtlich jedoch keinen Spielraum.

Insgesamt sitzen noch elf Männer und Frauen auf der Anklagebank. Fast alle gehören zu einer syrischen Großfamilie, einige sind Bekannte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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