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Tauschring Lünen: „Mit Geld kann jeder, wir versuchen es ohne“

Geben und Nehmen

Biete Computer-Kenntnisse, brauche Hilfe im Garten. Geben und Nehmen ist das Prinzip des Tauschrings. Das funktioniert ohne Geld, abgerechnet wird in Punkten. Doch es geht um noch mehr.

12.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Tauschring Lünen: „Mit Geld kann jeder, wir versuchen es ohne“

Detlef Grundmann repariert den Rasenmäher von Astrid. Dafür hat sie ihm bei der Wäsche geholfen. Geben und Nehmen ohne Geld ist das Prinzip des Tauschrings © Magdalene Quiring-Lategahn

Jeder kann etwas und jeder braucht etwas. Ob Tapezieren, Nähen, Kuchen backen, Fahrdienst, Laub harken oder beim Umzug mitanfassen - die Mitglieder des Tauschrings bieten an und bekommen zurück. Nachhilfe gegen Keller ausräumen oder Rasenmäher reparieren gegen Wäsche falten. Ein Handel der etwas anderen Art. „Mit Geld kann jeder, wir versuchen es ohne“, sagt Hans.

Plattform der Unterstützung und des Miteinanders

Es ist Dienstagabend im Dachgeschoss des Gesundheitshauses am Roggenmarkt. 16 von 32 Mitgliedern sind zu ihrem monatlichen Treffen gekommen. Sie ordnen die Tische so, dass sich alle im Blick haben. Die Atmosphäre ist locker, das Miteinander fast freundschaftlich. „Hier ist eine Gemeinschaft entstanden“, freut sich Hans. Denn der Tauschring ist nicht nur eine Plattform gegenseitiger Hilfe, er ist Austausch, Unterstützung und Miteinander. „Es ist schön, sich auch einfach mal so zu treffen“, sagt Walter. Gemeinsames Grillen oder Frühstücken gehören dazu.

„So erzogen, dass man alles bezahlen muss“

Hilfe geben und Hilfe annehmen, so einfach ist das gar nicht. „Ich bin ja so erzogen worden, dass man alles bezahlen muss“, berichtet Reinhard. An den Gedanken des Annehmens muss sich Astrid auch erst gewöhnen. Sie fährt nicht gerne über die Autobahn. Als sie einmal nachts zum Bahnhof musste, fand sie Detlef, der sie gefahren hat. „Das war richtig toll.“

Auch Dieter findet den Gedanken der Hilfsbereitschaft spannend. Vor einem Jahr hat er davon gelesen, und ist jetzt dabei. Er fährt viel mit dem Wohnmobil herum und hätte gerne jemanden, der dann nach Haus und Garten schaut. Dafür bringt er Erfahrung in Konfliktmanagement oder Stressbewältigung ein.

Angebote aus der ganzen Gruppe

Nicht immer tauschen nur zwei miteinander. Wenn der andere das Talent seine Gegenübers gerade nicht nachfragt, nimmt er einfach das Angebot eines anderen Teilnehmers an. Der Tauschring versteht sich auch hier als Gemeinschaft. Auf Listen stehen alle Angebote, jeder kann wählen.

Monatliches Treffen

Selbsthilfegruppe Tauschring

Klaus Thielker ist einer der Gründer des Lüner Tauschrings. Der ehemalige Vorsitzende des Behindertenbeirats und der Schlaganfall-Hilfe ist inzwischen verstorben. Seine Arbeit geht weiter. Die Gruppe trifft sich immer am 2. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Gesundheitshaus, Roggenmarkt 18-20.

Bezahlt wird in Punkten. Jede Arbeit hat den gleichen Wert. Sie wird nach Zeit berechnet. Für jede geleistete Arbeitsstunde gibt es 20 Punkte. Jeder startet mit einem Guthaben von 40 Punkten.

Kontoblatt

Auf einem Kontoblatt werden Datum, Einsatz und Zeit notiert und die Punkte entsprechend vermerkt. „Jeder ist bestrebt, das Konto auszugleichen. Auf lange Sicht geht das auch“, weiß Lydia. Detlef ist zurzeit in den Miesen. Durch eine längere Krankheit brauchte er mehr Hilfe, als er geben konnte. Inzwischen arbeitet er sich langsam wieder ins Plus.

Dennoch kann es mal sein, dass das nicht gelingt. Dann kann ein Mitglied das durch 10 Euro je 20 Punkte wieder wettmachen. Doch das bleibt die Ausnahme.

Manch einer bewertet die Tauschring-Idee des Helfens höher als die Punktevergabe. Doch darüber gehen die Meinungen in der Gruppe auseinander. Gerade für Frauen sei es wichtig, dass ihre Arbeit genauso wertvoll ist wie die der Männer, meint Frohmut.

Detlef ist außer in Lünen auch im Tauschring Unna und Witten aktiv. Alle Gruppen sind untereinander vernetzt. Als er kürzlich eine Unterkunft in Hamburg suchte, fand er sie über den Tauschring. „Es gibt immer Hilfe“, sagt Hans.

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