Nachdem die Aral-Tankstelle an der Kreisstraße in Selm Ende 2019 geschlossen hat, gibt es in der Stadt keine Zapfsäule für Erdgas mehr. Die Lücke ist offenbar nicht leicht zu füllen.

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 18.01.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Ende des Jahres 2019 war auch das Ende einer Ära. Die Aral-Tankstelle an der Kreisstraße schloss - und mit ihr verloren Fahrer von Erdgasautos in Selm die Möglichkeit, zu tanken. Die Folge: Sie müssen weite Wege bis zur nächsten Erdgastankstelle fahren. Sie ist in Lünen an der Borker Straße. Knapp neun Kilometer ist die Strecke von Selm lang.

Tanken in Selm: Weite Wege bis zur nächsten Erdgastankstelle - noch keine Lösung greifbar

Auf dem Gelände, auf dem sich bis Ende 2019 die Tankstelle und jetzt noch das Autohaus Rüschkamp befinden, soll sich bald großflächiger Handel ansiedeln. © Arndt Brede (A)

Eine zumindest kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.

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Eine Recherche zeigt, welche Optionen es überhaupt geben könnte. Die folgende Liste steht in keiner besonderen Reihenfolge und ist ohne qualitative Bewertung zu verstehen:

  • Option 1: Die Stadtwerke Selm könnten eine Erdgastankstelle betreiben. Vorbild: Lippstadt. In der Stadt in Ostwestfalen betreiben die dortigen Stadtwerke eine Erdgastankstelle. Auf Druck von Bürgern hatte der Rat der Stadt Lippstadt sich dafür eingesetzt, dass die Tankstelle nicht geschlossen wurde. Das ist der Stand der Dinge in Selm im Zusammenhang mit den Stadtwerken: Selms Bürgermeister Mario Löhr hatte während der Novembersitzung des Selmer Stadtrates erklärt, er werde das Thema in die Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke tragen. Das ist auch geschehen. Auf Anfrage der Redaktion teilt Stadtsprecher Malte Woesmann mit: „Das Thema war im Aufsichtsrat vom Bürgermeister angesprochen worden. Es finden dazu weitere Gespräche statt, daher kann hier noch kein Ergebnis genannt werden.“
  • Option 2: Auf dem Rüschkamp-Gelände am vierten Arm des Kreisverkehrs Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall wird bald eine Tankstelle gebaut. Betreiber: HEM. Vorbild: die vorherige Aral-Tankstelle an der Kreisstraße. Das ist der Stand der Dinge: Der Redaktion gegenüber hat Michael Wilke, Geschäftsführer des Unternehmens Rüschkamp, dem das Gelände gehört, erklärt, die Entscheidung über eine Gastankstelle am neuen Standort treffe allein der neue Tankstellenbetreiber HEM. Der lehnte bisher ab, zeige sich aber mittlerweile interessiert darüber nachzudenken, erklärte Bürgermeister Mario Löhr am Randes des Selmer Neujahrsempfangs am Freitagabend, 17. Januar.
  • Option 3: Das Unternehmen Rüschkamp kommt ins Spiel. Vorbild: Rüschkamp selbst. 2002 hatte Rüschkamp die Erdgas-Zapfsäule auf dem Gelände der Aral-Tankstelle an der Kreisstraße eröffnet. Das ist der Stand der Dinge: „Dazu kann ich noch nichts weiter sagen“, erklärt Rüschkamp-Geschäftsführer Michael Wilke. Er verweist auf den Weg für Selmer zur BFT Tankstelle in Lünen: „Das ist gut machbar.“ Seinen Informationen nach sei „der Absatz an Erdgas in Selm auch eher zurückgegangen“. Inwieweit es eine neue Option geben soll, müsse noch geklärt werden. Bürgermeister Mario Löhr hatte der Redaktion gegenüber angekündigt, er werde Gespräche mit Unternehmer Joan-Hendrik Rüschkamp führen, um nach einer Lösung zu suchen. Ergebnis: „Die Gespräche hat der Bürgermeister mit Herrn Rüschkamp geführt“, berichtet Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage. „Herr Rüschkamp ist zuversichtlich, dass auf seiner Fläche eine Erdgastankstelle errichtet werden kann“, erklärte Mario Löhr nun auf dem Selmer Neujahrsempfang. „Und wenn es dort nicht gelingt, dann möglicherweise an der Werner Straße.“ Dort wird sich einiges im Gewerbegebiet tun.

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Die Recherchen haben also ergeben, dass es zwar an verschiedenen Stellen Gespräche im Hintergrund, aber noch keine Lösung für Erdgasautofahrer gibt. Bleibt ihnen also womöglich wirklich nur die Fahrt nach Lünen?

Die Antwort lautet: Erstmal ja. Falls nicht die Westfalen AG, die mit ihrer Marke Markant in Lüdinghausen an der Selmer Straße eine Tankstelle plant, Erdgas an der Zapfsäule anbietet. Am Kreisverkehr Selmer Straße kündet ein großes Schild von dem Projekt einer neuen Tankstelle an dieser Stelle. Wäre das eine Chance auch für Selmer, mit ihren Erdgasautos nach Lüdinghausen fahren zu können, um dort zu tanken?

Kein Erdgas an neuer Tankstelle in Lüdinghausen geplant

Die Anfrage der Redaktion bei der Pressestelle der Westfalen AG hat Folgendes ergeben: „An dieser Tankstelle ist keine Erdgaszapfsäule vorgesehen“, lautet die Antwort. „Wir hoffen auf eine Baugenehmigung im Sommer dieses Jahres“, teilt ein Sprecher weiter mit.

Dass die geplante Markant-Tankstelle in Lüdinghausen kein Erdgas anbieten wird, ist für das Gesamtunternehmen in unserer Region keine Seltenheit. An den drei Westfalen-Tankstellen in Selm, Olfen und Lünen gibt es auch keine Erdgaszapfsäulen.

Der Bedarf ist da

Dabei gibt es offenbar durchaus einen Markt für Erdgas für Autos. In Selm waren im vierten Quartal des vergangenen Jahres 42 Erdgasautos zugelassen.

700 Kilometer mit einer Füllung

Das erste Erdgasauto Selms hatte sich 2003 Norbert Simdorn angeschafft. Als im November 2019 bekannt wurde, dass die Erdgaszapfsäule an der Aral-Tankstelle abgebaut werden sollte, hatten er und seine Frau Jana im Gespräch mit der Redaktion Unverständnis geäußert, dass es in Selm keine Möglichkeit mehr geben solle, Erdgas zu tanken. Mit einer Erdgasfüllung „kann ich mehr als 700 Kilometer weit fahren“, hatte Norbert Simdorn damals gesagt.

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Auch ein Blick in den Nachbarkreis zeigt, wie groß der Bedarf an Erdgastankstellen ist: Laut der Pressestelle des Kreises Coesfeld sind im gesamten Kreis Coesfeld mit der kombinierten Antriebsart Benzin/Erdgas 78 Fahrzeuge zugelassen, davon 3 in Nordkirchen und 2 in Olfen. Mit der Antriebsart Erdgas NG seien im gesamten Kreis Coesfeld 149 Fahrzeuge zugelassen, davon 7 in Nordkirchen und 11 in Olfen.

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