Tag des Friedhofs: Eigentlich ein schöner Ort - oder?

Friedhofstag

Der „Tag des Friedhofs“ bot die Gelegenheit, den Selmer Friedhof zu besuchen, ohne einen traurigen Grund dafür zu haben. Wir haben uns umgehört, wie der Friedhofstag bei jungen und alten Besuchern ankam.

Selm

, 15.10.2018, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tag des Friedhofs: Eigentlich ein schöner Ort - oder?

Der Friedhof war ansprechend beleuchtet. © Günther Goldstein

Levi strahlt. „Als wir ankamen, sind wir erst einmal über den Friedhof gelaufen. Dann waren wir mit Papa in der Kapelle und haben danach Kuchen gegessen“, erzählte der Zehnjährige. „Unsere Mutter macht bei der Hospizgruppe mit“: Leute, die anderen zur Seite stehen, wenn sie sehr, sehr krank sind und nicht mehr lange zu leben haben, wie der Junge weiß. Das findet er so gut, dass er nicht nur seinen jüngeren Brüder Bela (9), sondern auch den gemeinsamen Freund Benjamin gewonnen hat für den ungewöhnlichen Sonntagsausflug, bei dem sie auch auf Granit stoßen.

„Wie macht man eigentlich die Zeichen in den Stein?“, will Bela wissen am Stand der Firma Marmor Schwarz aus Nordkirchen. „Das machen wir mit Meißeln und der Druckluftpistole. Zunächst zeichnen wir alles auf. Wenn wir eine Vorlage haben wird alles mit Blaupapier durchgepauscht, damit wir es auf dem Stein haben. Dann hauen wir die Linien nach“, erklärt Steinmetz Anian Schwarz.

Schutzbrille

Tag des Friedhofs: Eigentlich ein schöner Ort - oder?

Bela, Levi und Benjamin interessierten sich für die Arbeit des Steinmetzes und durften auch selbst tätig werden. © Beate Dorn

Ob es denn möglich wäre, das selber einmal auszuprobieren will Benjamin wissen. „Das könnt ihr machen. Dann nehmen wir einen Sandstein, der ist recht weich und ihr müsst euch nicht so anstrengen“, antwortet Schwarz. Geduldig erklärt Schwarz, was die Jungen beim Umgang mit den Werkzeugen beachten müssen. Bela traut sich das zu, setzt die Schutzbrille auf und meißelt unter Anleitung des Fachmannes ein Kreuz in den Stein. Nachdem auch Levi und Benjamin erfolgreich an dem Stein gearbeitet haben, wollen sie mehr über den Beruf des Steinmetzes erfahren. „Wir machen Grabsteine, aber auch alles andere, was mit Steinen zu tun hat. Ob ihr eine Fensterbank aus Stein oder eine Treppe haben möchtet, bei uns seid ihr dann richtig“, so Schwarz.

Die drei Jungen besuchen als Nächstes den Stand des Hospizvereins. Dort fertigen sie Buttons an. Am Stand des Bestattungshauses Himmel und Erde sind Levi, Bela und Benjamin schon fast vorbei, als sie ein Symbol entdecken, das sie kennen: ein Kreis mit zwei ineinandergreifenden Elementen. „Yin und Yang“, erklären die Mitarbeiter des Bestattungshauses: ein Symbol, das in der chinesischen Religion für die Einheit der Gegensätze steht: Ruhe und Bewegung, Schatten und Licht – „Trauer und Freude“ ergänzen die drei Jungen.

Tag des Friedhofs: Eigentlich ein schöner Ort - oder?

Auf dem Friedhof gab es zahlreiche Informationen und Angebote. © Beate Dorn

Wenn die Kräfte im Gleichgewicht stünden, herrsche Harmonie, heißt es. Dass das auch für den Friedhof gelten könne, einem Ort der Trauer, der nicht nur an diesem Sonntag Freude schenkt, diskutieren die Kinder schon nicht mehr. Da haben sie bereits beschlossen, noch einmal zurück zum Steinmetz zu gehen.

Den „Tag des Friedhofs“ hat die Hospizgruppe Selm-Olfen-Nordkirchen in Zusammenarbeit mit der Stadt Selm mit vielen Akteuren – Bestatter, Steinmetze, Floristen, Trauerredner und anderen – vorbereitet. Vorträge, Führungen, Orgelmusik und Kaffee und Kuchen gibt es in entspannter Atmosphäre. Auf dem rund 55.000 Quadratmeter großen Areal schlendern die Besucher alleine und in Gruppen. „Es ist ein Kommen und Gehen“, sagt Claus Götsche von der Hospizgruppe. „Wir sind mit dem Verlauf des Nachmittages zufrieden“, ergänzt Dieter Niechcial (2. Vorsitzender). Er räumt aber auch ein: „Es wäre schön gewesen, wenn etwas mehr Besucher gekommen wären.“

In buntes Licht getaucht

Am Abend nimmt die Zahl noch einmal zu, denn buntes Licht setzte das Gelände effektvoll in Szene. Was im Vorjahr bereits in Olfen gut ankam, begeistert jetzt die Gäste in Selm. Nicht nur Levi, Bela und Benjamin haben den Friedhof als einen Ort kennengelernt, an dem sich Menschen nicht nur verabschieden müssen, sondern auch Neues erfahren können.

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