Ein griechisches Restaurant ist nach den Weihnachtsfeiertagen generell keine gute Wahl. Unser Autor hat es trotzdem gewagt und das Syrtaki getestet - hier ist das Ergebnis.

Lünen

, 29.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Wenn bei griechischen Restaurants auf eines Verlass ist, dann auf die Größe der Portionen. Nach der üblichen Völlerei während der Weihnachtsfeiertage hatten meine Begleitung - Kollegin Andrea Wellerdiek aus Werne - und ich uns darauf eingestellt, nicht das volle Pensum im Syrtaki an der Schützenstraße durchziehen zu können. Die Speisekarte machte uns dann zunächst doch Hoffnung - wie sich herausstellen sollte, ein klarer Fall von „zu früh gefreut“.

Die Atmosphäre

Da sämtliche Parkplätze vor dem Restaurant belegt waren, hatten wir zunächst Sorge, keinen Tisch mehr zu bekommen. Diese Sorge war unbegründet: Zwar ist das Syrtaki an diesem Donnerstagabend nach Weihnachten gut besucht, doch es gab noch genügend Platz in dem gemütlich und irgendwie typisch griechisch eingerichteten Raum: Nachbildungen von Götter-Statuen, Wandmalereien und dunkles Holz. Alles in allem stimmig.

Zudem gibt es noch einen wesentlich helleren Raum, der womöglich auch als Veranstaltungssaal dienen könnte. Getrennt sind beide Räume durch den Thekenbereich mit dem Salatbuffet. Die großzügige Terrasse ist angesichts der winterlichen Temperaturen leer - hier hätte wohl auch ein Heizstrahler kaum geholfen.

Die Speisekarte

Umfangreich, aber das war zu erwarten. Es gibt viele Vorspeisen, noch mehr Hauptspeisen und sehr viele „Spezialitäten vom Grill“. Die Desserts sind hingegen übersichtlich - wobei das Angebot durch eine separate Eis-Karte mehr als ausreichend ergänzt wird. Unsere Aufmerksamkeit erregt die Sparte „Für den kleinen Appetit“ - hier finden sich Gerichte, die es auch eine Seite später bei den Spezialitäten gibt. Aber ein paar Euro günstiger und, so denken wir, vom Umfang her auch kleiner.

Die Vorspeisen

Gefüllte Weinblätter, panierter Schafskäse, gegrillte Peperoni, geschälte Scampi - die Auswahl allein könnte schon einen Abend füllen. Meine Kollegin entscheidet sich für eine Portion Zaziki (3,70 Euro), ich wähle die gebratenen Tintenfischringe mit Knoblauchdip (6,50 Euro).

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Reichlich Zaziki mit Olive und Gurken - lecker gewürzt. © Daniel Claeßen

Das Zaziki kommt mit einem Brotkorb, der allerdings nicht ausreicht, um die Menge an gut gewürztem Quark auch vollständig zu vertilgen.

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Gebackene Tintenfischringe mit Knoblauchdip - und ziemlich viel zusätzlichem Salz. © Daniel Claeßen

Meine Tintenfischringe sind herbe versalzen - hier hätte etwas weniger Würze durchaus gut getan. Für mich resultiert die Vorspeise in einem zweiten Getränk.

Die Hauptgerichte

Diverse Grillplatten mit Schwein, Lamm und Hackfleisch in allen erdenklichen Variationen hat das Syrtaki im Repertoire. Flankiert werden die Speisen von Pommes und Reis, zudem ist der Gang zum Salatbuffet inklusive.

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Bunte Kreation mit Essig, Öl und Pfeffer. © Andrea Wellerdiek

Hier steht der Gast vor der Wahl zwischen Krautsalat, grünem Salat, roter Beete, Möhren, Zwiebeln und Gurken. Eine ganze Batterie an Essig- und Ölflaschen ermöglicht eine eigenwillige Kreation des Dressings - wer sich nicht entscheiden kann, wählt hingegen das vorgefertigte Joghurtdressing.

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Kraut- und Möhrensalat mit leider stark gesalzenem Dressing. © Daniel Claeßen

Auch hier stelle ich fest: Ziemlich viel Salz. Andrea ist mit ihrer Salatkreation samt Essig-Öl-Dressing zufrieden.

In der Hoffnung, die großen Fleischberge zu umgehen, haben wir uns für Hauptgerichte aus der Kategorie „Für den kleinen Appetit“ entschieden. Meine Kollegin nimmt zwei kleine Bifteki (9,90 Euro), ich das Gyros in Metaxasoße, überbacken mit Schafskäse (10,30 Euro). Als die Teller beziehungsweise Pfännchen geliefert werden, ist unser Staunen groß: Wenn das die kleinen Portionen sind, müssten die großen eigentlich eine vierköpfige Familie sättigen können.

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Unter dem Schafskäse und der Metaxasoße versteckt sich kein Gyros, sondern ein Souvlaki. Geschmeckt hat es trotzdem. © Daniel Claeßen

Ich arbeite mich über meinen Salat und die Pommes nebst Reis zur Pfanne mit der Metaxasauce vor. Schon der erste Stich mit der Gabel in den Schafskäse sorgt für Irritationen: Wie Gyros fühlt sich das nicht an. Ich nehme das Messer zur Hilfe und stelle fest: Anstatt Gyros habe ich Souvlaki überbacken erhalten. Kein Beinbruch, aber irgendwie auch ärgerlich. Zurückgeben will ich es trotzdem nicht - ich bin kein Freund davon, Essen einfach wegzuwerfen. Aber wenigstens einen Hinweis möchte ich der Kellnerin geben - leider verpasse ich den Einsatz, denn die Dame ist mit der nächsten Essenslieferung an unserem Tisch vorbeigeeilt. Mit einem Ohr bekomme ich mit, dass am Nachbartisch jemand Souvlaki überbacken bestellt und Gyros geliefert bekommen hat - womit das Missverständnis erklärt ist. Wir beide einigen uns darauf, auch mit der Wahl des jeweils anderen leben beziehungsweise essen zu können, und die Kellnerin entschuldigt sich. Da die Metaxasoße stark ist und den Geschmack des Fleisches überlagert, hält sich die Enttäuschung in Grenzen. Ironischerweise sind die Pommes Frites nur sehr schwach gesalzen - eine willkommene Abwechslung zur Vorspeise und zum Salat. Der Reis ist Standard, so wie das gesamte Gericht. Lecker, aber auch keine Offenbarung.

Syrtaki: Viel Atmosphäre, noch mehr Salz und ein netter Nachtisch

Zwei kleine Bifteki, Pommes frites, Reis und Zaziki - für den kleinen Appetit, wohlgemerkt. © Andrea Wellerdiek

Meiner Begleitung geht es mit ihrem Bifteki ähnlich. „Lecker“, sagt sie knapp und nickt zufrieden. Auch wenn es die vermeintlich kleinen Portionen sind, haben wir zu kämpfen. Doch am Ende sind beide Teller leer - ob es am nächsten Tag also wirklich gutes Wetter geben wird?

Die Desserts

Uns war klar, dass es für einen Nachtisch nicht reichen würde. Dafür ist die Auswahl auch eher gering, und nach Eis steht uns nicht der Sinn - eigentlich. Ich entscheide mich stattdessen für einen Mocca (2,30 Euro), Andrea fragt nach Kakao. Den gibt es nicht, aber eine Eisschokolade (3 Euro) wäre machbar - womit sie doch wieder bei Eis landet. Am Ende gibt es dann eine Überraschung: Ein Kellner bringt einen Nachtisch auf Kosten des Hauses. Wäre nicht nötig gewesen, ist aber eine ansprechende Reaktionen auf den Fauxpas mit dem Gyros. Respekt!

Die Getränke

Ouzo zum Start und zum Ende gehen traditionell aufs Haus, dazwischen bleibt Andrea bei Apfelschorle (2,70 Euro) und ich bei Cola (2,20 Euro). Dabei hätte uns eine breite Auswahl an Weinen zur Verfügung gestanden - aber wir müssen beide noch fahren.

Der Service

Tja. Es gab Höhen und Tiefen, könnte man sagen. Über das Missgeschick mit dem Gyros und die hervorragende Reaktion mit dem Nachtisch hatte ich ja schon berichtet. Der Empfang war freundlich, aber kurz angebunden. Man wies uns einen Tisch zu, kurze Zeit später kam die Karte. Der Kollege nahm auch gleich den Getränkewunsch auf, den er unmittelbar danach erfüllte. Auf eine Gelegenheit, den Essenswunsch zu äußern, warteten wir hingegen geschlagene zehn Minuten - und kamen auch erst an die Reihe, nachdem der Nachbartisch, der deutlich nach uns Platz genommen hatte, seine Bestellung aufgeben konnte. Das Essen kam dann wieder zügig, während die Rechnung erst nach zweimaliger Bitte und weiteren zehn Minuten kam. Alles in allem wäre hier noch Luft nach oben.

Die Preise

Die Vorspeisen haben es mitunter in sich - zwischen 3 und 11 Euro ist hier alles möglich. Die Hauptgerichte rangieren im Mittelfeld zwischen 10 und 21 Euro, was Ambiente und Qualität entspricht. Am Ende stehen auf unserer Rechnung 43,10 Euro - für zwei Personen kann man da nicht meckern.

Kinderfreundlichkeit

Hochstühle sind vorhanden, eine Kinderkarte gibt es auch, und die große Eiskarte dürfte bei jungen Gästen ebenfalls für Begeisterung sorgen.

Barrierefreiheit

Um ins Restaurant zu gelangen, sind einige Stufen zu überwinden. Im hinteren Teil könnte es für Rollstuhlfahrer eng werden, der Saal und die Terrasse sind hingegen barrierefrei. Alles in allem dürfte es hier keine Probleme geben.

Fazit

Viel Salz, mitunter lange Wartezeiten, leckeres Essen - alles in allem passte der Abend für ein Dinner zu zweit ohne viel Schnickschnack. Das Preis-Leistungsverhältnis ist absolut in Ordnung. Wer es allerdings romantischer oder gehobener mag, sollte auf ein anderes Restaurant ausweichen.

Was das Netz sagt

Google listet vier von fünf Sternen bei 159 Bewertungen. Gelobt wird das Essen und die Sauberkeit, bemängelt der langsame Service - alles Punkte, die wir bestätigen können. Die Kritik, dass man nicht mit Karte zahlen kann, ist überholt - diese Möglichkeit gibt es mittlerweile.

Alle Infos

Syrtaki, Schützenstraße 14, Inhaber: Ioannis Nizamis. Tel. (02306) 62233, Homepage: www.syrtaki-luenen.de

Öffnungszeiten: Montags bis mittwochs 17 bis 22:30 Uhr, donnerstags bis samstags 11:30 bis 14:15 Uhr und 17 bis 23 Uhr, sonntags 11:30 bis 22:30 Uhr.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfache Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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