Synagoge in Bork: An historischem Datum ins Licht der Öffentlichkeit gerückt

dzHolocaust-Gedenktag

Die Alte Synagoge in Bork stand am Montag, 27. Januar, zwei Stunden lang im Licht. Und zwar in der Dunkelheit. Ein Bild mit Symbolcharakter. Ein Bild von historischer Bedeutung.

Bork

, 27.01.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war eine Szenerie, bei der mancher spontan stehen geblieben ist. In Bork war es dunkel. Aber die Alte Synagoge stand am Montag, 27. Januar, zwischen 17 und 19 Uhr im Licht. Das ist nicht an jedem Tag so. An diesem Montag aber schon. Und zwar aus besonderem Anlass.

Der 27. Januar eines jeden Jahres ist der sogenannte Holocaust-Gedenktag. Der Tag also, an dem die Welt der Opfer des Holocausts gedenkt. Und für den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust 2020 hatte sich der Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte eine besondere Aktion ausgedacht: einen Beleuchtungs-Flashmob.

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Gebäude in die öffentliche Aufmerksamkeit ziehen

Nun ist man im Zusammenhang mit dem Wort Flashmob gewöhnt, dass sich Menschen spontan zu einer Veranstaltung zusammenfinden. In diesem Fall war das Ziel, dass Menschen zusammenkommen, eher mittel-, statt unmittelbar. „Die VHS im FoKuS Selm hat sich diesem Beleuchtungsflashmob angeschlossen und ermöglicht, durch eine einmalige Gesamtbeleuchtung das Gebäude in die öffentliche Aufmerksamkeit zu ziehen“, sagt Manon Pirags, stellvertretende Leiterin der Volkshochschule Selm. Veranstaltungstechniker Lucas Lettmann hatte für die Beleuchtung gesorgt.

Der Holocaust-Gedenktag

  • Im Jahr 2020 jährt sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs und damit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland und vielen europäischen Ländern.
  • Das Kriegsende bedeutete das Ende von Verfolgung, Mord, Ausbeutung und Unterdrückung zehntausender Menschen. Vor allem bedeutete es das Ende der perfiden, nahe fabrikmäßig organisierten Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, politischen Gegnern und Widerstandskämpfern in den KZs, in Arbeitslagern und inbesondere in den Gaskammern der Vernichtungslager.
  • Am 27. Januar 1945 wurde das Lager Auschwitz durch die Rote Armee, genauer gesagt durch die Infanterie der 1. Ukrainische Front befreit. Dieser Ort steht heute für die über 1000 Lager der Nazis, dieser Tag wird daher seit 1996 in Deutschland als offizieller Holocaustgedenktag begangen. Dieser Tag der Befreiung Auschwitz jährt sich also 2020 ebenso zum 75. Mal.

Menschen, die möglicherweise die Synagoge zwar kennen, aber im Alltag nicht als besonders wahrnehmen, blieben stehen. Schauten sich die beleuchtete Synagoge an. Ahnten vielleicht, dass die Beleuchtung dieses Gebäude aus der Dunkelheit zerren, symbolisch quasi dem Vergessen entreißen sollte.

2020 wird es bundesweit in den zahlreichen Gedenkstätten und Dokumentationszentren eine Vielzahl von Aktionen geben. Und der Auftakt solle eine ungewöhnliche Form bekommen, so der Arbeitskreis. Warum? „Um dem Umstand zu begegnen, dass unsere Projekte, Veranstaltungen und Sonderpublikationen überwiegend von einem Publikum wahrgenommen werden, das sowieso an unserer Arbeit interessiert ist“, heißt es weiter.

Geplant ist, die Beleuchtungsbilder der vielen Aktionen bundesweit auf der Internetseite www.lichter-gegen-dunkelheit.de zu zeigen.

Neue Ausstellung

Passend zum Holocaust-Gedenktag wird in der Borker Synagoge am Mittwoch, 29. Januar, eine neue Ausstellung eröffnet. Sie heißt „Some Were Neighbors - Einige waren Nachbarn“. Sie stellt sich der Frage „Wie war der Holocaust möglich?“

Synagoge in Bork: An historischem Datum ins Licht der Öffentlichkeit gerückt

Manon Pirags, stellvertretende Leiterin der VHS Selm, ist froh, dass die Holocaust-Ausstellung in der Borker Synagoge gezeigt werden kann. © Arndt Brede

Die Ausstellung ist bis zum 6. März dieses Jahres zu sehen.

Öffentliche Öffnungszeiten:

Dienstags 16 bis 18 Uhr;

mittwochs 10 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr;

sonntags 11 bis 13 Uhr.

Eintritt und Führungen sind kostenfrei.

Öffentliche Führungen durch die VHS gibt es für Teilnehmerzahlen von vier bis zwölf Personen, für Schulklassen bis 20 Personen.

Terminvereinbarungen unter Tel. (02592) 9220 (Manon Pirags)

Das ist die Ausstellung „Some were neighbors - Einige waren Nachbarn“

Die Volkshochschule Selm beschreibt die Ausstellung so: „Some Were Neighbors - Einige waren Nachbarn: Kollaboration & Komplizenschaft im Holocaust“ adressiert eine der zentralen Fragen zum Holocaust: Wie war der Holocaust möglich? Die zentrale Rolle von Hitler und anderen Führern der NSDAP ist unbestreitbar. Doch die Abhängigkeit dieser Täter von unzähligen anderen für die Durchführung der NS-Rassenpolitik ist weniger bekannt. Im nationalsozialistischen Deutschland und in dem von Deutschland dominierten Europa entwickelten sich überall, in Regierung und Gesellschaft, Formen von Zusammenarbeit und Mittäterschaft, wo immer die Opfer von Verfolgung und Massenmord auch lebten. „Some Were Neighbors“ untersucht die Rolle der gewöhnlichen Menschen im Holocaust und die Vielzahl von Motiven und Spannungen, die individuelle Handlungsoptionen beeinflussten. Diese Einflüsse reflektieren Angst, Gleichgültigkeit, Antisemitismus, Karriereangst, Ansehen in der Gemeinschaft, Gruppenzwang oder Chancen auf materiellen Gewinn. Die Ausstellung zeigt auch Personen, die den Möglichkeiten und Versuchungen, ihre Mitmenschen zu verraten, nicht nachgegeben haben und uns daran erinnern, dass es auch in außergewöhnlichen Zeiten Alternativen zu Kollaboration und Täterschaft gibt.
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