Superschnelles Internet: Was nutzt 5G der lokalen Wirtschaft und der Stadt?

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Das superschnelle Internet mit der Technologie 5G verspricht spannende Nutzungsmöglichkeiten für Städte und Unternehmen. Vorher muss es aber erstmal mit dem Glasfaserausbau klappen.

Selm

, 01.10.2019, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für seine Petition gegen die Technologie 5G hat der Borker Swen Tammen bislang insgesamt 855 Unterstützer gefunden, 30 davon stammen aus Selm. Swen Tammen kritisiert, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G noch nicht gut genug erforscht seien.

Die Stadt Selm hatte betont, die gesundheitlichen Aspekte im Blick zu haben, fürchtet aber auch einen Wettbewerbsnachteil für Selmer Unternehmer, falls die Technologie komplett ausgeschlossen werde.

Internet der Dinge

„Es ist eine neue Generation von einer Kommunikationstechnik. Eine Technologie, die eine ganzheitliche Kommunikation herstellt“, erklärt Thomas Mager, Diplom Ingenieur am Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM in Paderborn.

Durch 5G soll das so genannte Internet der Dinge möglich werden, also zum Beispiel die Vernetzung von Haushaltsgegenständen oder kommunalen Gegenständen: wie dem Kühlschrank, der eigenständig Milch bestellt, wenn die leer ist oder dem Mülleimer, der an die Stadtwerke weiter gibt, wenn er voll ist.

Möglichkeiten für Städte und Industrie

„Die Experten gehen davon aus, dass 5G viele Anwendungen im industriellen Umfeld möglich macht bzw. Anwendungen wirtschaftlicher macht, etwa im Bereich vernetzte Autos und intelligente Mobilität, vernetzte Maschinen, Internet der Dinge und Smart Cities“, sagt Tobias Hossfeld, Professor für Kommunikationsnetze an der Uni Würzburg.

Wo die Reise genau hingeht, könne man allerdings heute noch nicht sagen.

„Die Industrie hat sehr hohe Erwartungen an 5G und erhofft sich, dadurch sehr viele Probleme zu lösen. Ob das erfüllt wird, muss sich erst zeigen, denn wir sind ja noch am Anfang. Daher ist Forschung im Bereich 5G wichtig“, sagt er.

Ländliche Gebiete hinken hinterher

Das gilt auch für die Städte: „Ich sehe da eine hohe Innovationskraft. Wir wissen noch gar nicht, was die Städte mit 5G zum Nutzen der Bürger realisieren werden“, sagt Stefan Wunderer, zuständig für Netzqualität der Endnutzer bei Nokia. Es gebe viele Applikationen, die für die Städte interessant seien könnten, nicht nur im Bereich intelligente Müllentsorgung, sondern auch zum Beispiel im Bereich klimafreundliche Beleuchtung.

„Viele von den tollen Szenarien hinken an der Realität“, sagt Thomas Mager vom Fraunhofer Institut. Zum Beispiel seien die genauen Kosten noch sehr intransparent, außerdem könnten Unternehmen zwar ihre Maschinen über Cloud-Angebote steuern. Das nütze aber auch nichts, wenn der Cloud-Server 300 Kilometer und mehr entfernt sei - dann wird die Latenz der Verbindung so hoch, dass Echtzeitsteuerungen von Maschinen für viele Anwendungen durch die Cloud nicht mehr möglich sind.

Gerade die Metropolen würden erst mal vom schnellen Netzausbau profitieren, die ländlichen Gebiete würden da hinterherhinken. Das trifft insbesondere den Mittelstand, der oft in diesen Gebieten angesiedelt ist.

5G im Kreis erst 2030

Das Interesse der Betriebe hänge in erster Linie von der Verfügbarkeit und der entsprechenden Anwendung ab, sagt Friedhelm Bosse-Wyczisk, Gigabit-Koordinator für die Wirtschaftsförderung Kreis Unna. Und um 5G überhaupt nutzen zu können, wird eine Anbindung der Funkmasten an das Glasfasernetz benötigt. „Das Glasfasernetz ist die essentielle Grundlage für 5G“, erklärt der Gigabit-Koordinator.

Und das Glasfaser-Netz ist noch längst nicht überall angekommen. „Alle Schulen im Kreis sollen bis 2022, alle Gewerbegebiete ebenfalls bis 2022, mit Glasfaser vollversorgt sein.“

5G dauert dann noch einmal deutlich länger. In Berlin, wo erste Tests mit dem neuen Supernetz laufen soll 5G schon 2020 verfügbar sein, für den Kreis Unna, sagt Bosse-Wyczisk, „Meiner Meinung nach wird bis 2025, eher 2030, 5G so weit sein, dass es fast überall nutzbar ist.“

Aber: „Wer nicht anfängt, wird auch nicht fertig“, sagt Bosse-Wyczisk. Soll heißen, er rät den Städten dazu, sich für den Ausbau bereit zu machen, auch wenn das alles noch dauern kann.

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