„Die Schäden sind schlimmer als nach Kyrill.“ So lautete das Urteil des Ergster Waldbesitzers Gustav Wassermann am Tag nach Sturm Friederike. Den 18. Januar 2018 wird er nicht vergessen.

Schwerte

, 29.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wird‘s ein Orkan oder doch „nur“ ein Sturm? Das war eine der Fragen, die sich stellten an diesem Donnerstag. Tagelang hatten die Wetterdienste gewarnt vor Friederike, die über das Land fegen sollte.

Es wurde zwar kein Orkan, aber ein Sturm mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten. Und der hinterließ in einigen Teilen Schwertes schlimmere Schäden als der Jahrhundertsturm Kyrill, der 2007 riesige Schneisen in die Sauerländer Hügel gefräst hatte.

Schneisen in den Wäldern rund um Schwerte

Im Januar 2018 gab es diese Schneisen in den Wäldern rund um Schwerte, unter anderem in Ergste. Gustav Wassermann von der Forstbetriebsgemeinschaft, in der mehrere heimische Waldbesitzer zusammengeschlossen sind, erklärte: „Die Bäume stehen unter Spannung. Sie können umkippen, oder es können Teile herunterfallen.“

„Hier besteht Lebensgefahr“, verdeutlichte Förster Andreas Weber kurz nach Friederike. Niemand könne sagen, wie genau sich die Bäume verkeilt hätten, wo sich Spannung aufgebaut hätte. Sicher sei nur: Wenn diese Spannung nachlasse, könnten Stämme wegbrechen oder sogar zum Katapult werden.

Weber schüttelt den Kopf. Kurz nach dem Sturm sei ihm hier in der Nähe ein Jogger begegnet. Der sei glücklicherweise umgekehrt, als er die umgekippten Bäume gesehen habe. Doch längst nicht jeder habe sich an das Verbot gehalten, das am Ende bis in den Februar hinein gelten sollte: Betreten der Wälder verboten. Die Schäden waren auch deshalb so groß, weil der Boden durch viel Regen aufgeweicht war und die Bäume weniger Halt hatten als sonst.

Eltern durften über den Schulbesuch entscheiden

Sollen die Kinder in die Schule gehen oder lieber nicht? Das durften die Eltern in Schwerte am 18. Januar ausnahmsweise selbst entscheiden. In mehreren Schulen endete der Unterricht nach der zweiten oder vierten Stunde. Überall war allerdings eine Betreuung wie gewohnt gewährleistet. Keine Schule schickte all ihre Schüler in den Sturm.

An einer hinterließ Friederike noch mehr Spuren: Am Altbau des Friedrich-Bährens-Gymnasiums fielen Dachpfannen herunter. Und nicht nur dort. Auch in der Innenstadt – unter anderem direkt neben unserer Redaktion an der Eintrachtstraße – lösten sich Teile von den Dächern.

Auch die Photovoltaik-Anlage des Zweirad-Centers Markgraf in Geisecke riss es vom Dach. Einige der riesigen Elemente seien durch die Gegend geflogen, berichtete Brigitte Markgraf. Feuerwehrleute seien dann rauf aufs Dach, um weitere Elemente abzumontieren, bevor noch Schlimmeres passierte.

Die Feuerwehr kam an ihre Belastungsgrenze und bat die Bürger: Bitte nur noch in dringenden Notfällen anrufen. 67 Einsätze zählte man.

Züge und Busse fuhren nicht

Die Bahn stellte den Verkehr ein. Auch Busse fuhren nicht. Viele Straßen waren durch umgefallene Bäume blockiert – unter anderem die B236 in Ergste und der Holzener Weg. Dort fiel ein Baum auf ein Auto, in dem eine 71-Jährige saß. Die Frau musste schwerverletzt ins Krankenhaus, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. Außerdem fiel am Holzener Weg ein Baum auf ein kleines Gebäude und durchschlug dessen Holzfassade.

Im Kletterwald am Freischütz knickten ebenfalls einige Bäume um. Drei von zwölf Parcours wurden zerstört und mussten bis zur Saisoneröffnung im März erneuert werden.

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