Studie: Warum Liebe in anderen Sprachen eine andere Bedeutung hat

Studie zur Liebe

Die Bedeutung von Wörtern, die Emotionen ausdrücken, kann laut einer Studie von Sprache zu Sprache unterschiedlich sein. „Liebe“ heißt auf Hawaiianisch etwa so viel wie „bemitleiden“.

North Carolina

06.01.2020, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Studie: Warum Liebe in anderen Sprachen eine andere Bedeutung hat

Wörter wie „Liebe“ haben in verschiedenen Sprachen verschiedene Bedeutungen. © picture alliance / dpa

Die Bedeutung von Wörtern wie „Liebe“ oder „Zorn“ kann von Sprache zu Sprache unterschiedlich sein. Das fanden Forscher der University of North Carolina Chapel Hill in einer Studie heraus. „Obwohl man sagen kann, dass es ein Wort für Zorn in Hunderten Sprachen gibt, haben diese Wörter womöglich nicht die gleiche Bedeutung“, zitiert der „Guardian“ den Co-Autor der Studie Joshua Conrad Jackson. Daher ist eine Übersetzung von einzelnen Wörtern nicht immer sinnvoll.

Bemitleiden statt mögen: „Liebe“ hat auf Hawaiianisch eine andere Bedeutung

Die Forscher um Jackson analysierten 24 solcher Konzepte von Emotionen in 2474 Sprachen – darunter auch „Zorn“ und „Stolz“. In der Studie wurden aber auch über 2400 nichtemotionale Konzepte wie „Streit“ analysiert.

Liebe wird als „bemitleiden“ verstanden

Ein gutes Beispiel für unterschiedliche Bedeutungen von Emotionen ist das Konzept der „Liebe“, dem in indogermanischen Sprachen Bedeutungen wie „mögen“ und „möchten“ zugeschrieben werden. In austronesischen Sprachen – zu denen etwa Hawaiianisch und Javanesisch gehören – wird „Liebe“ eher als „bemitleiden“ verstanden.

Zwischen Sprachfamilien gibt es also Unterschiede, innerhalb einer Sprachfamilie aber auch Gemeinsamkeiten. Das hawaiianische Wort „pu’iwa“ bezieht sich sowohl auf „Angst“ als auch auf „Überraschung“. Dies lässt vermuten, dass beide Konzepte eng miteinander verbunden sind. Andere Sprachen der austronesischen Familie haben ebenfalls das gleiche Wort für „Angst“ oder „Überraschung“, aber auch für andere Konzepte wie „unbekannt“.

Die Forscher vermuten daher, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Emotionskonzepten innerhalb einer Sprachfamilie gibt. In manch anderen Sprachen gibt es hingegen keine solchen Überlappungen für „Angst“ und „Überraschung“ – und somit auch keinen Zusammenhang zwischen den Konzepten.

Bedeutung von Emotionen: Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Sprachfamilien

Die Forscher fanden zudem heraus, dass Konzepte von Emotionen in allen Sprachfamilien in Gruppen eingeordnet werden – und zwar je nachdem, ob es sich eher um positive, negative, passive oder energetische Wörter handelt. Zwischen einzelnen Sprachfamilien gab es viele Gemeinsamkeiten bei Emotionen wie „Trauer“ und „Bedauern“, vor allem, wenn die Sprachfamilien sich geografisch näher sind. Aber es gab auch Unterschiede und Variationen.

Der in austronesischen Sprachen ermittelte Zusammenhang zwischen „Angst“ und „Überraschung“ zeigte sich beispielsweise nicht in Tai-Kadai-Sprachen. Die in Südostasien gesprochenen Sprachen verknüpfen „Überraschung“ eher mit „möchten“ und „hoffen“.

Studie: Keine allgemeingültigen Bedeutungen von Emotionen

Laut Jackson lassen die Studienergebnisse vermuten, dass es keine universellen und allgemeingültigen Konzepte für Emotionen gibt: „Menschen machen zwar womöglich überall die Erfahrung, dass ihr Herz schneller schlägt, wenn sie bedroht werden. Jedoch gibt es Unterschiede in der Art und Weise, welche Bedeutung wir dieser Erfahrung verleihen, welche Verhaltensweisen wir mit ihr assoziieren und wie wir sie verbal anderen Menschen zum Ausdruck bringen“, sagt der Co-Autor der Studie im „Guardian“. Solche Reaktionen würden auch durch die Kultur geformt werden.

Doch die Studie hat einen Haken, gesteht Jackson ein: „Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass es kein generelles Konzept von ‚Angst‘ gibt, jedoch hätten wir die Analyse gar nicht erst durchführen können, ohne mit einem Konzept von „Angst“ zu beginnen und es in verschiedenen Sprachen zu vergleichen“, sagte er.

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