Studie: Schwerbehinderte profitieren vom guten Arbeitsmarkt

Die Kluft zwischen Arbeitssuchenden mit und ohne Behinderung bleibt dennoch groß. Die Suche nach einer Stelle dauert bei Behinderten häufig länger und die Gefahr, in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen, ist größer.

29.11.2019, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch Schwerbehinderte profitieren von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes in Nordrhein-Westfalen. Doch haben sie immer noch viel größere Probleme, eine Stelle zu finden als Menschen ohne Behinderung. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) hervor.

Danach sank im bevölkerungsreichsten Bundesland die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung im vergangenen Jahr von 13,1 auf 12,7 Prozent. Sie war damit aber immer noch deutlich höher als die allgemeine Arbeitslosenquote in NRW von 7,6 Prozent. Und: Sie lag auch deutlich über der bundesweiten Arbeitlosenquote für Schwerbehinderte von 11,2 Prozent. Konkret verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung von 47 736 auf 47 076.

„Vergleicht man die Situation von Erwerbspersonen mit und ohne Behinderung, offenbart sich noch immer eine große Kluft“, sagte HRI-Präsident Bert Rürup. Schwerbehinderte Arbeitslose benötigen der Studie zufolge in NRW durchschnittlich 432 Tage bis sie eine Anstellung gefunden haben - 111 Tage länger als Nichtbehinderte. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist bei ihnen mit 49,1 Prozent deutlich höher als bei Menschen ohne Behinderung (41 Prozent).

Zwar gibt es für private und öffentliche Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitern die Pflicht, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Vor allem private Unternehmen tun sich jedoch vielfach schwer damit und zahlen oft lieber eine monatliche Ausgleichsabgabe.

Nordrhein-Westfalen erweist sich in diesem Bereich aber als vorbildlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen erfüllte das bevölkerungsreichste Bundesland bei der letzten Erhebuung im Jahr 2017 mit 5,15 Prozent die gesetzlich vorgeschriebene Fünf-Prozent-Quote für die Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung, während sie bundesweit mit 4,63 Prozent verfehlt wurde.

„Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe, als einen Menschen mit Behinderung einzustellen“, klagte Christina Marx von der Aktion Mensch. Die Unternehmen befürchteten einen hohen finanziellen Aufwand und meinten, Menschen mit Behinderung seien weniger leistungsfähig und noch dazu nicht kündbar. Dabei gebe es viele Beispiele, die diese Vorbehalte gegen Schwerbehinderte widerlegten.

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