Debatte um behinderte Sportler im Fitnessstudio Feel Fit

dzFitness mit Behinderung

Auf Facebook geht eine Blinde hart mit dem Fitnessstudio Feel Fit ins Gericht: es habe sie nicht aufgenommen. Das Studio ist schockiert, geht der Sache auf den Grund und dementiert.

Werne

, 02.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sport im Fitnessstudio treiben, das ist alles, was die blinde Karoline B. (Name von der Redaktion geändert) gerne möchte. Doch von einem Mitarbeiter des Werner Studios Feel Fit habe sie eine Absage erhalten, so die 29-Jährige - aufgrund ihrer Behinderung und aus versicherungstechnischen Gründen. Eine Anschuldigung, die sie im sozialen Netzwerk auf der Seite der Rolli Baskets Werne veröffentlicht.

„So etwas kann ich nicht als inklusives Fitnessstudio bezeichnen“, schreibt sie im Internet. „Von Inklusion scheint ihr wohl nichts verstanden zu haben, echt schade, müssen uns dann ja wohl ein anderes Fitnessstudio suchen. Schon traurig für Werne.“ Auch einer ihrer Bekannten sei abgelehnt worden. Aussagen, die für das Studio ein Schlag ins Gesicht sind und am Montagmorgen für Sprachlosigkeit im Feel Fit sorgten.

Feel Fit verschafft sich einen Überblick

„Wir haben den Facebook-Beitrag auch gesehen und verschaffen uns gerade intern einen Überblick“, sagt Nina Teich, Assistentin der Geschäftsleitung im Feel Fit. Dass man hier Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung bei der Mitgliedschaft mache, sei falsch. „Ich war entsetzt, als ich das gelesen habe“, sagt auch Inhaber Frank Langer, der sich aktuell im Urlaub befindet.

Noch am Montag wurden Mitarbeiter einzeln befragt, ob sie einem Kunden solch eine Auskunft gegeben haben. „Die ist nämlich schlichtweg falsch“, sagt Teich. Vielmehr sei das Motto: vorbeikommen, ausprobieren und selbst bewerten, ob das Studio für einen geeignet sei.

Menschen mit Behinderung im Studio angetroffen

So hat es auch Jutta Seifert gemacht, Mit einer Prothese an ihrem linken Bein sitzt sie am Rudergerät und trainiert. Ob sie sich wegen ihres amputierten Unterschenkels im Feel Fit unwohl fühlt? „Kein bisschen. In anderen Studios wurde ich komisch angeschaut, aber hier macht keiner einen Unterschied: Egal, ob dick, dünn, mit oder ohne Behinderung.“

Dass nicht alles optimal für Menschen mit zum Beispiel einem Rollstuhl ist, weiß auch Frank Langer. So hätten mehrere Kunden mit einem Rollstuhl nach einem Probetraining festgestellt, dass es nicht für sie geeignet ist. Danach habe man zwei Oberkörper-Ergometer angeschafft, welche auch für Rollstühle geeignet sind. „Warum sollten wir so teure Geräte holen, wenn wir sie nicht nutzen wollen“, sagt Langer.

Beide Seiten gehen aufeinander zu

Einen ersten Schritt sind beide Parteien mittlerweile aufeinander zugegangen. So liegt der Ausgangspunkt des Ärgers bei B. bereits Monate zurück. Unter der Anleitung ihres Physiotherapeuten wollte sie im Feel Fit an den Geräten trainieren - doch das war so nicht umsetzbar, sagt Langer auf Anfrage.

Als sie von Problemen eines Bekannten mit dem Studio hörte, brachte das das Fass zum Überlaufen. Karoline B. posaunte daraufhin ihren Frust über Facebook in die Welt hinaus.

Eine Gegendarstellung hat Langer auch über das Internet veröffentlicht. „Diese Aussagen Langers klingen plausibel und jetzt sollte man aufeinander zugehen“, so B.‘s Physiotherapeut Marc Schönfeld auf Anfrage.

Ob das noch in B’s. Interesse ist, bleibt offen. Zwar hat sie nun einen Termin für ein Probetraining im Feel Fit vereinbart. Doch schaut sie sich bereits nach anderen Fitnessstudios um, müsste dafür aber wohl bis nach Hamm ausweichen.

Mario Bartlewski kommentiert:
Facebook, Twitter und Co. bieten Möglichkeiten, die vor Jahren nicht absehbar waren. Doch sie bergen auch Gefahren. Veröffentlichungen im Internet sind für einen großen Kreis von Menschen zu sehen und können sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Gerade bei negativen Meldungen springen gerne auch andere Nutzer an. Besonders schlimm ist das, wenn Beschuldigungen nicht hieb- und stichfest sind und sich im Nachhinein im schlimmsten Fall als nicht richtig herausstellen. Denn was die Leute gelesen haben, bleibt hängen, prägt sich ein. Egal, ob wahr oder nicht - und das kann geschäftsschädigend sein.
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