Streit um Obdachlosen-Camps eskaliert

Mit großen Steinen wollte die Landeshauptstadt Obdachlosenlager im Regierungsviertel verhindern. Doch die Obdachlosen brachten die Steine zurück zum Absender: zum Düsseldorfer Rathaus.

26.09.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Streit um Obdachlosen-Camps eskaliert

Obdachlose haben Steine auf die Treppe am Düsseldorfer Rathaus gelegt. Foto: David Young/Archivbild

Wütende Obdachlose haben in Düsseldorf eine Ladung Steine auf der Treppe des Rathauses deponiert: „Das sind die Steine des Anstoßes“, rief einer von ihnen am Donnerstag. Mit den Steinen hatte die Stadt zuvor versucht, die Schlafplätze von Obdachlosen unter einer Rheinbrücke im Regierungsviertel zu blockieren. Der Streit war daraufhin eskaliert.

Die übrigen Steine sammelte die Stadt am Donnerstag wieder ein. Sie hatte sie auf Flächen, auf denen Obdachlose lange Zeit gezeltet hatten, ausgelegt - in Rheinnähe zwischen Staatskanzlei und Landtag.

Die zuständige Amtsleiterin Miriam Koch sagte der Deutschen Presse-Agentur, man werde versuchen, den Konflikt im Gespräch zu lösen und die Plätze nun auf andere Weise sichern, damit dort keine neuen Lager entstehen.

Die angebotene Unterbringung in einer ehemaligen Schule im Stadtteil Heerdt sei für die Obdachlosen viel besser geeignet als der Lagerplatz, an dem es neben Beschwerden auch hygienische Probleme mit Ratten, Müll und Fäkalien gegeben habe. In die alte Schule dürften die Obdachlosen sogar ihre Hunde mitnehmen, was in vielen Unterkünften verboten sei. „Wir können aber niemanden zwingen“, sagte Koch.

Die Obdachlosen zeigten sich trotzdem empört: „Eine Unterkunft in Heerdt nützt einem gar nichts. Da gibt es keine Pfandflaschen, da kann man keinen Cent verdienen“, sagt einer von ihnen, der sich Hagen nennt. „Wir haben keinem was getan“, ruft eine Frau. Es fallen Begriffe wie „Schikane“, „Vertreibung“ und „menschenverachtend“.

„Statt Steine unter eine Brücke zu legen, um zu verhindern, dass dort arme Menschen schlafen, sollte die Stadt mit den Steinen lieber ein Haus für Obdachlose bauen“, sagte Oliver Ongaro, Streetworker beim Straßenmagazin „fiftyfifty“.

Die Stadt verwahrt sich gegen den Vorwurf der Vertreibung und präsentierte den Medien am Donnerstag kurzfristig die zur Notschlafstelle umgebaute Schule.

Es gebe einen neuen Runden Tisch gegen Obdachlosigkeit und zahlreiche weitere Bemühungen, aber auch zu wenig Sozialwohnungen in der Stadt, hatte Koch eingeräumt. Derzeit seien 1200 wohnungslose Menschen in Düsseldorf in kommunaler Unterbringung.

„In Düsseldorf muss kein Obdachloser auf der Straße schlafen“, sagte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Im Frühjahr hatte die Stadt Obdachlose, die am NRW-Forum zelteten, in leerstehenden Häusern unterbringen können.

Doch die Stein-Aktion hat die Gemüter erhitzt. Helmut K. hat dank „fiftyfifty“ inzwischen ein Dach über dem Kopf: „Dieses Leben ist kein Leben, es ist ein Dasein und dass man dann im wahrsten Sinne des Wortes von der Stadt Steine in den Weg gelegt bekommt, ist einfach nur mies.“

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