Der Ausbau der B236 liegt bereits jetzt über ein halbes Jahr hinter dem Zeitplan zurück. Woran das liegt und wie es weiter geht? Fragen und Antworten zu Schwertes größter Baustelle.

Schwerte, Dortmund

, 10.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn der Chef des Freischütz, Jörg Prüser, aus dem Fenster seines Betriebs guckt, kann er den aktuellen Fortschritt der B236 Baustelle beobachten. Derzeit sehe er da aber wenig, sagt Prüser. Als unmittelbar Betroffener fragt er sich wie viele Schwerter, wie es denn nun mit der Hörder Straße weitergeht. Es läuft langsam an mit dem Ausbau der Straße auf vier Spuren.

Wann soll der Bau nun losgehen?

Offiziell fand der erste Spatenstich an der Brücke am Freischütz ja am 6. August statt. Die bauvorbereitenden Arbeiten laufen bereits seit März. Dazu gehört auch der Bau der Brücke für Fußgänger und Radfahrer.

Was ist mit der Fußgängerbrücke, die als Erstes gebaut werden sollte?

Die muss neu gebaut werden, um über die dann breitere Straße zu führen. Dabei ergab sich nach Angaben vom NRW-Bereichsleiter der Deges, Dr. Udo Pasderski, das Problem, dass die geplanten Fundamente statisch nicht ausgereicht hätten, um die weit über die Straße geschwungene Brücke zu halten. Die Abstimmungsarbeiten seien jetzt abgeschlossen, sodass der Neubau der Brücke starten könne.

Streit um Gasleitung verzögert den Ausbau der B236 in Schwerte

Vor der Verbreiterung der Fahrbahnen wird die Fußgängerbrücke über die B236 vor dem Freischütz in größtere Spannweite neu gebaut. © Reinhard Schmitz

Ist das der Grund für den Zeitverzug?

Die Deges sagt nein. Die Bauzeit für die Brücke betrage unverändert ein Jahr. Die Brücke solle im Sommer 2019 fertig werden. Im Anfang 2017 vorgestellten Bauzeitenplan war der Baubeginn für die Fußgängerbrücke noch für Frühjahr 2018 terminiert.

Wann beginnt nun der richtige Ausbau?

Mit dem vierspurigen Ausbau wird nach dem neuen Zeitplan der Deges im kommenden Sommer begonnen. Als Baubeginn wurde der 21. Juni festgelegt.

Warum die Verzögerung?

Eine wichtige Hauptgasleitung von Open Grid liegt im Kreuzungsbereich. Die Verhandlungen mit dem Gasversorger seien weitgehend abgeschlossen. Derzeit werde geprüft, wie man den Verkehr während der Bauarbeiten zur Umlegung der Leitung organisieren könnte.

Hat man erst jetzt bemerkt, dass dort eine wichtige Gasleitung herführt?

Darauf antwortet Deges Pressesprecher Michael Zarth: „Dass die Gasleitung verlegt werden muss, ist seit Langem bekannt. Die Verlegung verzögert sich aber, weil noch keine Einigkeit darüber besteht, wer die Kosten dafür tragen muss, Open Grid Europe als Netzbetreiber oder wir als Vorhabenträger.“

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Sind das die einzigen Gründe für den Verzug?

Detailanalysen des Straßenaufbaus im Streckenabschnitt zwischen der A1-Brücke und dem Talweg hätten ergeben, dass die Straße hier komplett neu zu bauen sei. Bislang hatte man geplant, die Straßendecke in diesem Bereich nur zu sanieren.

Hätte man das bei den ursprünglichen Plänen nicht schon berücksichtigen können?

Auch hierzu antwortet Zarth: „Die Erhebung der örtlichen Situation im genannten Teilabschnitt ist – ganz regulär – erst vor ein paar Monaten gemacht worden. Der Straßenaufbau ist stärker geschädigt, als das in der ursprünglichen Planung angenommen wurde. Nur einen Deckenüberzug zu machen, erschien uns im Hinblick auf eine sinnvolle Lebensdauer dieses Teilabschnittes nicht richtig. Die zusätzliche Planungszeit ist unseres Erachtens eine gute Investition in die Lebensdauer und damit in die uneingeschränkte Nutzung der Straße.“

Wie lange wird der Ausbau dauern?

Mitte 2021 soll das gesamte Bauwerk dann fertig sein.

Wann beginnen die Sperrungen?

Im Juni 2019 wird die Autobahnzufahrt Richtung Köln gesperrt. Gleichzeitig wird die Bergstraße von der Hörder Straße abgebunden. Das ganze dauert ein halbes Jahr. Im Anschluss ist die Autobahnauffahrt Richtung Bremen dran, zeitgleich wird die Heidestraße vom Verkehr abgebunden. Erst Mitte 2020 ist die Autobahnanschlussstelle Schwerte wieder komplett nutzbar. Dann wird der Rest der Straße fertiggestellt.

Warum werden neben der Autobahnzufahrt auch die Anwohnerstraßen gesperrt?

„Um die neue Auffahrt zu bauen, muss der gesamte Kreuzungsbereich neu gebaut werden“, erklärt Projektleiter Karl-Heinz Aukschun von der Deges. Das reicht jeweils 15 Meter in die einmündenden Straßen herein. Außerdem werden im Bauabschnitt 2, in dem die Heidestraße gesperrt ist, dort auch Lärmschutzwände gebaut.

Was kostet der Ausbau?


26 Millionen Euro soll der Ausbau des 1,7 Kilometer langen Straßenstücks vom Tunnel Berghofen bis zur Autobahn kosten. Das Geld stellt der Bund zur Verfügung.

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Seit wann wird an der B236 für diesen Straßenabschnitt geplant?

Bereits 2006 gab es erste Pläne für einen Ausbau. Die scheiterten aber, weil einige Einwendungen von Behörden und Nachbarn zum Grundwasser und zu Lärmschutz berechtigt waren. Dann änderte sich die Verkehrsprognose und zuletzt musste man erneut an den Fahrradwegen und dem Lärmschutz nachbessern.

Wer ist eigentlich die Deges, die dort baut?

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH plant und realisiert Infrastrukturprojekte im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Gegründet wurde sie, um nach der Deutschen Einheit die Infrastruktur in den neuen Bundesländern auszubauen.

Wo kann ich mich informieren?

Die Deges hat im Rathaus, Rathausstraße 31, eine monatliche Bürgersprechstunde eingerichtet. Die nächsten Termine: 24. Oktober, 14. November, 12. Dezember, von 17 bis 19 Uhr.

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