Straßenbahn rast unkontrolliert durch Bonn: Alle Bahnen in NRW werden umgerüstet

Fahrgäste brachen Kabine auf

Eine Straßenbahn mit 20 Fahrgästen ist mehrere Kilometer fahrerlos durch Bonn gerast. Passagiere brachen die Fahrerkabine auf. Jetzt gibt es eine neue Vorschrift für alle Straßenbahnen in NRW.

Bonn

22.01.2020, 09:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Straßenbahn rast unkontrolliert durch Bonn: Alle Bahnen in NRW werden umgerüstet

Eine Straßenbahn der Linie 66 hält an der Haltestelle Adelheidisstrasse in Bonn. Passagiere brachten eine führerlose Bahn an dieser Haltestelle zum stehen, nachdem sie zuvor mehrere Haltestellen ohne Anhalten passiert hatte. © picture alliance/dpa

Nach der 6,5 Kilometer langen Irrfahrt einer Straßenbahn mit einem bewusstlosen Fahrer in Bonn hat die die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Aufsichtsbehörde landesweite Änderungen angeordnet.

Die sogenannte Totmann-Schaltung müsse künftig vom Fahrer alle 15 Sekunden ein Lebenszeichen erhalten. Andernfalls werde eine Zwangsbremsung eingeleitet. Bisher musste sie permanent betätigt werden. Die Nahverkehrsunternehmen sollen für die Umrüstung zwei Jahre Zeit bekommen.

Auch die Notbremse konnte die Bahn nicht stoppen

Fahrgäste hatten bei der Irrfahrt in Bonn die Tür zur Fahrerkabine aufgebrochen und die Bahn erst nach fünfeinhalb Minuten zum Stehen gebracht. Auch das mehrfache Ziehen der Notbremse konnte die Bahn nicht stoppen.

Insgesamt waren etwa 20 Menschen in der Bahn. „Definitiv hätte es schlimmer kommen können“, sagte Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher. Technisch hätten die Systeme einwandfrei funktioniert. Die Notbremse sei bewusst überbrückt gewesen, damit die Bahn nicht beispielsweise in einem brennenden Tunnel zum Stehen gekommen wäre.

Umfrage bei Nahverkehrsbetrieben

Die Auswirkungen der angeordneten Umrüstung aller 1700 Straßenbahnen in Nordrhein-Westfalen sind noch völlig unklar. Die Nahverkehrsunternehmen warten auf konkrete Anweisungen. Das ergab am Mittwoch eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Nahverkehrsbetrieben in NRW. „Wir prüfen und bewerten jetzt, was die Entscheidung der Bezirksregierung Düsseldorf konkret für uns bedeutet“, sagte ein Sprecher der Kölner Verkehrs-Betriebe: „Wir haben insgesamt 382 Stadtbahnen im Einsatz.“

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Wenn uns alle notwendigen Details vorliegen, werden wir prüfen, welche technischen Auswirkungen sich dadurch ergeben“, teilte ein Sprecher der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen Aktiengesellschaft mit. Aktuell seien etwa 140 Bahnen für den Linieneinsatz im Bestand.

Die Ruhrbahn ist von der Entscheidung ebenfalls betroffen. Alle rund 160 Bahnen, die in Essen und Mülheim im Einsatz sind, müssen nachgerüstet werden. Die schriftliche Verfügung der Bezirksregierung liege aber aktuell noch nicht vor.

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) äußerte sich ähnlich: So lange noch keine entsprechende Verfügung vorliege, sei auch nicht klar, welche technischen Vorgaben zu erfüllen sind. Die DVG habe rund 60 Straßenbahnen im Einsatz, die alle über Totmann-Schalter verfügen, die außerhalb von Tunneln permanent betätigt werden müssen.

Auch die Rheinbahn in Düsseldorf wartet auf die Verfügung der Technischen Aufsichtsbehörde. Erst dann könne man konkrete Fragen zum Aufwand der Umrüstung beantworten. Das gilt auch für Bielefeld: Was dies für die aktuell 80 Stadtbahnen bedeute, sei noch unklar, teilten die Stadtwerke mit.

dpa/kar

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