Straßen-Sanierungskosten reichen in Werne längst nicht aus

dzMarode Infrastruktur

300.000 Euro hat das Werner Tiefbauamt in diesem Jahr für die Reparatur von mehr als 300 Kilometer zur Verfügung. Ein Betrag, der fast schon lächerlich wirkt.

Werne

, 14.11.2018, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwar würde Adrian Kersting vom Tiefbauamt das Wort lächerlich nicht in den Mund nehmen. Gleichwohl spricht er offen das Manko an. „Alleine für die reine Substanzerhaltung benötigten wir 1,5 Millionen Euro. Und zwar pro Jahr“, sagt er mit ruhiger Stimme. Mit 300.000 Euro hat er gerade mal ein Fünftel davon zur Verfügung. Und das nur für die dringendsten Sanierungen. Von Verbesserungen wolle er gar nicht sprechen.

Der Mittel-Mangel erklärt auch, warum die Stadt in diesem Jahr mit der kostengünstigen „Dünndecken-Sanierung“ im Holtkamp und an der Lippestraße gearbeitet hat. Auf eine dünne, aufgespritzte Bitumenschicht streuen die Arbeiter Splitt.

Splitt-Methode ist schnell und preiswert

Vorteil der Methode: schnell und preiswert und in Maßen wirkungsvoll. Nachteil: der Splitt braucht mindestens drei Wochen, um sich mit dem Teer zu verbinden. In dieser Zeit müssen die Anwohner mit Staubbelästigung und hochspritzenden Splittkörnern zurechtkommen.

Anlieger-Beteiligung

Zusammenarbeit mit Kanalbau minimiert Kosten

Laut Adrian Kersting hänge sich die Tiefbauverwaltung gerne an den Kanalbau. Denn wenn der eine Straße nach der Kanalerneuerung herrichte, könne man gleich die gesamte Trasse sanieren. Das bedeute für die Anwohner geringere Kosten laut Kommunalem Abgabengesetz, da der Kanalbau einen großen Teil der Wiederherstellungskosten übernehme.

Für Maik Jankowski von der Lippestraße ist diese Art der Reparatur „rausgeschmissenes Geld.“ Er fährt mit seinem Auto von der Kreuzung Hansaring/Freiherr-vom-Stein-Straße die Lippestraße hinunter. Die Stoßdämpfer seines SUV müssen harte Arbeit verrichten, obwohl „die Straße hier erst neulich mit flüssigem Teer und Splitt gemacht worden ist“, sagt Jankowski, der am unteren Ende der Straße wohnt.

Die „Dünndecken-Sanierung“ habe seiner Meinung nach nicht nur nichts gebracht, sondern zeitige einen weiteren Nachteil. Die Straßenoberfläche werde durch mehrmaliges Sanieren immer dicker und wachse in die Höhe, während die Gully-Deckel auf ihrem Niveau blieben. Resultat: Stolperkanten, die insbesonders für Radfahrer eine Gefahr sein können.

Adrian Kersting verteidigt diese Art der Billigreparatur, auch wenn die Bürger oft Kritik übten: „Das ist eine vorbeugende Maßnahme, mit der wir vorhandene, aber oft nicht sichtbare Schäden beheben können.“

Straßen-Sanierungskosten reichen in Werne längst nicht aus

Anwohner Maik Jankowski (42) zeigt einen der neuralgischen Punkte der Lippestraße: Durch das mehrfache Flicken mit Teer und Split ist der Straßenbelag in die Höhe gewachsen, während die Gullydeckel so geblieben sind. © Jörg Heckenkamp

Kersting spricht von kaum wahrnehmbaren Rissen, die durch das Bitumen-Splitt-Gemisch aufgefüllt würden. Und um die Staubbelästigung der Anwohner zu minimieren, verwende man bereits gewaschenen Splitt, der weniger staube.

Doch der heiße und regenfreie Sommer machte diesem Bemühen einen Strich durch die Rechnung. Vor allem aus dem Holtkamp kamen zahlreiche Klagen über die Dünndecken-Sanierung.

Laut Statistik des NRW-Verkehrsministeriums aus dem Jahre 2015 verfügt Werne über 315 Kilometer Straße, 232 davon liegen in der Gemeindehoheit. 33 Kilometer sind Kreis-, 29 Land- und 15 Bundesstraße. Die A1 steuert 5,8 Autobahn-Kilometer auf Werner Stadtgebiet hinzu.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sauna-Brand

Nach Sauna-Brand ermittelt die Kripo: Das ist die Ursache für das verheerende Feuer

Hellweger Anzeiger Klima und Garten

Grauer Kies statt grüner Garten: Wie viel Klimakrise steckt in den „Steinwüsten“?

Meistgelesen