Stickoxid-Werte in 25 NRW-Städten über dem Grenzwert

Immer noch wird in 25 NRW-Städten der EU-Grenzwert für das lungenschädliche Stickstoffdioxid nicht eingehalten. Das hat das Umweltbundesamt bekanntgegeben. Die Zahlen könnten die Debatte um Diesel-Fahrverbote wieder anheizen.

17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die für Diesel-Fahrverbote maßgeblichen Stickoxid-Werte sind im vergangenen Jahr in 25 NRW-Städten zu hoch gewesen. Das hat das Umweltbundesamt am Montag mitgeteilt. Das Amt mit Sitz in Dessau gab die neuen Durchschnittswerte für das Jahr 2018 bekannt. In den meisten Städten sanken die Stickstoffdioxid-Werte, in einigen wenigen stiegen sie. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. 2017 hatten noch 28 NRW-Städte den Grenzwert überschritten.

Sogenannte Intensivstädte mit Werten über 50 Mikrogramm waren 2018 Köln (59), Düren (54), Düsseldorf (54) und Dortmund (51). Knapp darunter lagen mit 50 Mikrogramm Bonn und Hagen, gefolgt von Bochum (48). Stickstoffdioxid kann als Schadstoff in der Luft die Lunge schädigen.

Weitere NRW-Städte mit Messwerten über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm waren Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Aachen, Neuss, Paderborn, Witten, Wuppertal, Herne, Hürth, Leverkusen, Duisburg, Eschweiler, Mülheim/Ruhr, Schwerte, Bielefeld, Overath und Siegen.

Im grünen Bereich von 40 Mikrogramm oder weniger lagen im vergangenen Jahr Gladbeck (40), Mönchengladbach (40), Dinslaken (39) und Solingen (35). Diese Städte lagen 2017 noch über dem Grenzwert.

Verschlechtert hat sich die Situation in Eschweiler, das mit 42 Mikrogramm 2018 über den Grenzwert rutschte. „Wir stehen vor einem Rätsel“, sagte der technische Beigeordnete Eschweilers, Hermann Gödde, der dpa. Weil man nur Monatswerte erhalte, sei es praktisch unmöglich, die Ursache zu erkennen. „Ob es ein Tag Umleitungsverkehr von der gesperrten Autobahn ist - wir wissen es nicht.“ Der Anstieg sei in der Stadt gegen den rückläufigen Trend der vergangenen zehn Jahre erfolgt.

Beim Landesumweltamt habe die Stadt schon vor längerer Zeit beantragt, kontinuierliche Messwerte auch für Tageszeiten zu bekommen, um die Verursacher des Schadstoffaufkommens erkennen zu können. In Eschweiler gebe es bereits ein Lkw-Fahrverbot, eine Umweltzone und die Bus-Flotte sei auf abgasärmere Modelle umgerüstet worden. Als weitere Maßnahme plane man die Umrüstung von zwei Buslinien auf E-Busse.

Bundesweit war die Luft in 57 deutschen Städten im vergangenen Jahr zu stark mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid (NO2) belastet. Der Anteil der NRW-Städte liegt somit bei fast der Hälfte.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, forderte eine schnelle Nachrüstung älterer Dieselautos mit wirksamen Katalysatoren, um den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überall einzuhalten.

Überhöhte NO2-Werte sind der Grund für Fahrverbote für ältere Diesel in Hamburg und Stuttgart. Andere Städte könnten folgen. NO2 in Städten stammt zu einem großen Teil aus Dieselabgasen. Die höchste Belastung hatte im Jahr 2018 Stuttgart mit 71 Mikrogramm vor Darmstadt mit 67 und München mit 66 Mikrogramm. Im Mittel lagen die Jahresmittelwerte an verkehrsnahen Messstationen rund 1,5 Mikrogramm unter denen des Jahres 2017.

Wie schon im Vorjahr lag die Belastung in bundesweit 15 Städten über 50 Mikrogramm. Sie gelten als „Intensivstädte“, für die es besondere Hilfen gibt. Dortmund ist in NRW neu dabei, Bochum liegt nun unter der Marke.

Die Stadt Dortmund wies darauf hin, dass sich die Situation an vier der fünf Messstellen in der Stadt verbessert habe. Umgesetzte Maßnahmen wie das Lkw-Durchfahrverbot in der Brackeler Straße oder das nächtliche Fahrverbot für Lkw-Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße 1 hätten zu einer geringeren Belastung geführt.

Mit einer Reihe weiterer Maßnahmen, sparsameren Fahrzeugen und den Fördermaßnahmen des Bundes zur Nachrüstung von Diesel-Pkw soll kurzfristig eine Einhaltung der Grenzwerte erreicht werden. Welchen Einfluss die Entwicklung auf die gerichtliche Entscheidung über Fahrverbote habe, sei derzeit nicht einzuschätzen.

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