Statt einer Krippe lässt ein Schwerter unter dem Tannenbaum verschneite Züge kreisen

dzBesonderer Weihnachtsbrauch

Egal, wie das Wetter draußen ist. Zu Heiligabend blickt Detlef Gebhardt immer auf ein Winter-Wunderland. Er gestaltet es jedes Jahr für seine historische Billerbahn auf dem Gabentisch.

Schwerte-Ost

, 11.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Krippe mit Maria, Josef und dem Jesus-Kind? Die braucht Detlef Gebhardt nicht unter seinem Weihnachtsbaum. Rund um die Tanne muss bei ihm ein kleiner Zug kreisen. Ein ganz besonderer, mit dem Flair von Winterfreuden. Umgeben von prächtigem Schneeflocken-Gewimmel, lässt sich der Weihnachtsmann von der Dampflok auf einem offenen Waggon durch eine weiße Traumwelt ziehen. Mit einem Tempo, gerade wie es dem 63-jährigen Fahrdienstleiter am Trafo gefällt.

Tischtuch sorgt für geschlossene Schneedecke

Die Vorfreude auf den Tag, wann er Schienen, Häuschen und die Kartons voller Ausschmückungs-Utensilien in die gute Stube der Wohnung holen darf, steigt bei Detlef Gebhardt mit jedem weiteren Tag, den der Adventskalender anzeigt. Zu Heiligabend kann dann endlich der zusätzliche Tisch aufgestellt werden, den ein weißes Tuch schon gleich mit einem Hauch von geschlossener Schneedecke überzieht - ganz egal, welches Schmuddelwetter der Schwerter Winter draußen vor dem Fenster mal wieder bescheren mag.

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Impressionen von der Winter-Modelleisenbahn

Egal, wie das Wetter draußen ist. Zu Heiligabend blickt Detlef Gebhardt immer auf ein Winter-Wunderland. Er gestaltet es jedes Jahr für seine historische Billerbahn auf dem Gabentisch.
11.12.2018
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Hin und wieder rauschen die legendären Alu-Waggons der Santa-Fe-Railroad mit den gläsernen Aussichtskanzeln vorbei. Sie können von innen beleuchtet werden.© Reinhard Schmitz
Unter der Laterne wartet ein Paar auf die Ankunft des Zuges.© Reinhard Schmitz
Mit handelsüblichem Deko-Schnee aus dem Beutel hat Detlef Gebhardt den Bahnhof seiner Modelleisenbahnanlage winterlich gestaltet.© Reinhard Schmitz
Die Tunnelausfahrt unter den Rocky Mountains erhält noch ein hölzernes Portal, wie es in Amerika üblich ist. Als Balken dienen beim Basteln Umrührstäbchen von McDonald´s.© Reinhard Schmitz
Das ganze Jahr lang Winter hat Detlef Gebhardt auf seiner amerikanischen Modelleisenbahn. Im Sommer - so sagt er - täusche das eine angenehme Kühle vor.© Reinhard Schmitz
Einen Teil seiner Winteranlage nach amerikanischen Vorbildern baut Detlef Gebhardt zu Weihnachten ab, um einen Schienenkreis um seinen Tannenbaum zu verlegen.© Reinhard Schmitz
Statt einer Krippe baut Detlef Gebhardt zu Weihnachten unter seinem Tannenbaum eine winterliche Modelleisenbahn auf.© Detlef Gebhardt
Ganz in Weiß strahlt die Modelleisenbahn nach amerikanischen Vorbildern, die Detlef Gebhardt in seinem Hobbyraum gebaut hat.© Reinhard Schmitz
Statt einer Krippe baut Detlef Gebhardt zu Weihnachten unter seinem Tannenbaum eine winterliche Modelleisenbahn auf.© Detlef Gebhardt
Die amerikanischen Bären räubern die Essensreste aus dem Mülleimer.© Reinhard Schmitz
Schöne Szene am Rande: Der Hirsch knabbert an der Möhren-Nase des Schneemanns.© Reinhard Schmitz
Einige Loks werden noch von einem Uhrwerksmotor angetrieben, der regelmäßig mit dem Biller-Schlüssel aufgezogen werden muss.© Reinhard Schmitz
Selbst Details wie Weichenhebel oder Warnschilder hat Detlef Gebhardt naturgetreu nachgebildet.© Reinhard Schmitz

Im Unterschied zur realen Welt kann Väterchen Frost den Zugverkehr auch nicht mehr bremsen oder gar ganz ausfallen lassen, sobald das Schienenoval verlegt ist. Die Räder rattern, auch wenn aus dem Beutel mit Deko-Schnee zusätzlich ein dichter Schauer auf die Dächer der Waggons und des Lokomotiv-Führerhauses herabregnet.

Nach amerikanischen Vorbildern

Das rollende Material ist diese Art von künstlichem Winter gewohnt. Denn das ganze Jahr über lässt Gebhardt seine weiße Modellbahn-Landschaft in einer Ecke seines Hobbyraums aufgebaut. „Mit dem Schnee erfreue ich mich im Sommer eines kühlen Anblicks“, sagt er mit einem Lachen. Außerdem ist er ziemlich stilecht. Denn die Rocky Mountains, die der Zug auf seinem Weg in einem Tunnel unterquert, hüllen auch in der heißsten Jahreszeit ihre Gipfel in Weiß ein. Der pensionierte Feuerwehrmann hat es selbst gesehen. Schon sieben Mal ist er nach Amerika oder Kanada geflogen - und musste jedesmal für den Rückflug im Koffer genügend Platz für Modell-Artikel lassen. Auf einer Tauschbörse in Seattle und auf einem Trödelmarkt in Halifax wurde er fündig. Natürlich auch in diversen Fachgeschäften mit im Vergleich zu Deutschland traumhaften Preisen. „Nur aufpassen mit dem Zoll“, sagt Gebhardt: „Waren im Wert von 450 Euro pro Person sind zollfrei, sonst fallen 19 Prozent Einfuhrsteuer an.“ Zum Glück saß neben ihm seine Ehefrau, die ihm einen Teil ihres Freibetrag-Kontingents überließ.

Kuhfänger dürfen nicht fehlen

Es ist schließlich nicht irgendein Zug, der unablässig unter dem Weihnachtsbaum kreist. Es ist eine Bahn, die komplett amerikanischen Vorbildern nachempfunden ist. Mit einer Dampflok der „New York Central“ und den legendären alufarbenen Stromlinien-Waggons der Santa-Fe-Railroad. Wenn bei der Fahrt die Lämpchen in ihrem Inneren aufflackern, scheinen auf den Plexiglas-Fenstern sogar die aufgemalten Köpfe der Reisenden durch. Andere Modelle hat Gebhardt selbst mit viel bastlerischem Geschick auf „amerikanisch“ getrimmt. Den Loks dürfen beispielsweise die mächtigen „Kuhfänger“ vor den Rädern beim Durchqueren der Prärie nicht fehlen.

Nur ein Detail ist getürkt

Auch die bunten Häuser und der verträumte blecherne Bahnhof erinnern an Szenen, wie man sie aus US-Spielfilmen kennt. Wer genau hinschaut, entdeckt manch liebevoll gestaltetes Detail. Man erwischt beispielsweise den Hirsch dabei, wie er gerade die Möhren-Nase des Schneemanns anknabbert oder das Bären-Pärchen, das in einer Mülltonne nach Essbarem wühlt. Kinder spielen im Schnee. Gewiss sind sie auf dem Weg zu dem Spielwarenladen, dessen Schaufenster mit so gelbem Licht lockt. Nur eine winzige Abweichung vom realen Vorbild hat sich der Erbauer erlaubt: Bei der Feuerwehr hat sich ein deutscher Magirus-Wagen unter die schweren US-Spritzen gemischt.

Lok mit Uhrwerksantrieb

Manche Ausschmückungsteile wie den Schneemann oder die von dicken Eiskristallen überzogenen Tannen hat Gebhardt im Weihnachts-Deko-Sortiment der Läden im City-Centrum entdeckt. Sein besonderer Stolz sind aber die uralten Lokomotiven der Marke Billerbahn, die längst aus den Regalen verschwunden ist. Mit ihrem Maßstab 1:43,5 sind sie doppelt so groß wie die übliche Märklin-Eisenbahn, mit der zu Weihnachten vor 58 Jahren auch die Bahn-Leidenschaft von Detlef Gebhardt erwachte. Und wenn man mit dem Finger unvorsichtig ist, meldet sich die 20-Volt-Spannung in den Gleisen durchaus spürbar. Eine kleine Dampflok würde sogar jedem Stromausfall trotzen. Unter ihrem kohleschwarzen Gehäuse verbirgt sich ein rein mechanischer Uhrwerksantrieb. Mit dem originalen Billerbahn-Schlüssel aufgezogen, schnurrt das Räderwerk sofort los. Per Dreh an der Dampfdom-Kuppel auf dem Kessel lässt sich sogar die Fahrtrichtung ändern. Falls der Weihnachtsmann mal rückwärts durch sein Schneeparadies ruckeln möchte.

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