Stadt spart bei Kosten für „Werne neu verknüpft“ - und erhitzt damit die Gemüter

Regionale-Projekt

Das Regionale-Projekt „Werne neu verknüpft“ wird komplex und kostspielig. Da sollte man lieber zweimal rechnen - mindestens. Die Stadt hat das getan. Und das hat nicht jedem gefallen.

Werne

, 22.11.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Stadt spart bei Kosten für „Werne neu verknüpft“ - und erhitzt damit die Gemüter

Das Regionale-Projekt „Werne neu verknüpft“ basiert auf drei großen Säulen: Gewässer, Verkehr und Städtebau. Stadtsee, Horne, Kreisverkehre und Co. rücken dabei in der Fokus. Was das Projekt letztlich kosten wird, ist nicht einfach vorherzusehen. © Grafik Regionale 2016

Wenn Projekte günstiger werden als ursprünglich geplant, dann löst das in der Regel Freude bei demjenigen aus, der für die Kosten aufkommen muss. Zumindest, sofern sich die Kostenreduktion nicht großartig auf den Nutzen auswirkt. Also auf das, was nach (langer) Vorbereitung am Ende herauskommt - sei es eine neue Brücke, ein Kreisverkehr oder eine schicke Uferpromenade.

Der „Sparvorschlag“, den die Stadtverwaltung in Zusammenhang mit dem Regionale-Projekt „Werne neu verknüpft“ am Dienstag, 19. November, im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung, Umwelt und Verkehr vorgelegt hat, rief viele Reaktionen in den Reihen der Politik hervor: Manch einer zeigte sich erfreut, der andere optimistisch, der nächste hoffte und einige tobten.

„Jetzt kürzen wir hier und da. Das können wir doch nicht einfach so machen!“
Klaus Schlüter (Grüne)

„Wir haben die Bürger schon früh an der Planung beteiligt. Und jetzt kürzen wir hier und da. Das können wir doch nicht einfach so machen. Wir haben das von Anfang an zu knapp kalkuliert“, schimpfte Klaus Schlüter (Grüne).

Adelheid Hauschopp-Francke (SPD) schimpfte auch: „Das ist eine Investition in die Zukunft. Das sollten wir nicht immer nur als Kosten sehen. Und wenn wir in zwei Jahren merken, dass es noch teurer wird, dann strecken wir es halt“.

Planungsdezernent Ralf Bülte wirkte zwischenzeitig durchaus angefressen, als er sich an die Kritiker wandte: „Wenn wir von Anfang an mit 50 Prozent Mehrkosten kalkuliert hätten, dann hätten Sie uns das Konzept doch um die Ohren gehauen. Außerdem ist da jetzt nichts kaputtgespart! Die Projekte, die die Bürger beim Workshop mitgestaltet haben, sind doch alle noch dabei.“ Aber warum dann dieses ganze Theater?

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Muntere Zahlenspiele

Dröselt man das Projekt „Werne neu verknüpft“ etwas genauer auf, erhält man eine stolze Zahl von 38 Kostenpunkten für die verschiedenen Bauvorhaben, ihre Planung und Umsetzung. Verteilt sind all diese Punkte auf die drei großen Bausteine Gewässer, Verkehr und Städtebau - und natürlich auf die Jahre bis 2029. Bis dahin wird das Projekt die Stadt durchschnittlich 530.000 Euro pro Jahr kosten - auch, weil es eine ganze Menge Fördergelder aus diversen Töpfen gibt.

19,5 Millionen Euro - so war die ursprüngliche Kalkulation beim Memorandum im Jahr 2017 - sollte das gesamte Projekt kosten. Eine ganze Menge also. Da passte es ganz gut, dass man den anfangs ebenfalls eingeplanten Projektbaustein „Energie“ nach einer Weile streichen konnte. Nahwärmenetz für Einrichtungen im Stadtzentrum? Wird nichts draus. Hieß aber auch: Die Kosten sinken auf rund 18,5 Millionen Euro. Grund zur Freude also.

Stadt spart bei Kosten für „Werne neu verknüpft“ - und erhitzt damit die Gemüter

Die Umgestaltung der Horne steht beim Regionale-Projekt „Werne neu verknüpft“ im Mittelpunkt. Aber günstig wird die Sache nicht. © Andrea Wellerdiek (A)

Hiobsbotschaft beim Horne-Umbau

Die war allerdings spätestens in der vergangenen Planungsausschuss-Sitzung im September dahin. Die schlimme Botschaft: Die Umgestaltung der Horne im Innenstadtbereich wird teurer: Neun statt fünf Millionen Euro sollte der Spaß plötzlich kosten. Statt einer Million müsste die Stadt nun 1,8 Millionen Euro beitragen.

Und nun ging sie los, die Suche nach „Einsparpotenzialen“. Zum Beispiel beim Baustein „Verkehr“. In der neuen Rechnung stehen dort unterm Strich fünf Millionen Euro. Vorher waren es fast acht. Die geplanten Maßnahmen - insbesondere die Errichtung von vier Kreisverkehren - will man trotz des reduzierten Budget umsetzen.

Stadt spart bei Kosten für „Werne neu verknüpft“ - und erhitzt damit die Gemüter

Die Rechenspiele der Verwaltung beim Regionale-Projekt "Werne neu verknüpft" sorgten bei den Ausschussmitgliedern für erhitzte Gemüter. © Felix Püschner

Ganz unberührt wollte die Verwaltung den Baustein „Gewässer“ dann aber doch nicht lassen. Ein Teil der Lösung: Man verschiebt die Kosten. 800.000 Euro für die Gestaltung des Rückhaltebeckens an der Lohstraße? Fällt jetzt einfach in den Bereich Stadtentwässerung. Die 500.000 Euro teure Wegeführung zwischen Schwanenplatz und Burgstraße? Wird jetzt dem „Produkt Stadtentwicklung“ zugeordnet.

Zeit für eine Abrechnung?

In der neuen Kalkulation schlägt der Baustein nun nicht mehr mit neun Millionen zu Buche (wie vor zwei Monaten), aber auch nicht mehr mit fünf Millionen (wie vor zwei Jahren), sondern mit 7,5. Verzichten will man seitens der Verwaltung nur auf Kleinigkeiten wie die Verfüllung von Altgewässern - und eigentlich auch auf den Weg über den Damm am Stadtsee. Das hätte zusammen immerhin gut 400.000 Euro eingespart.

Aber genau in diesem Punkt zogen die Ausschussmitglieder nicht mit. Vor 2022 stehe die Umgestaltung des Stadtsees ja gar nicht zur Debatte, betonte Ausschussvorsitzender Michael Zurhorst. Zu früh also für eine Entscheidung. Und das gilt offensichtlich noch für viele andere Aspekte von „Werne neu verknüpft“, wie Ulrich Höltmann (SPD) feststellte: „Es gibt noch so viele Unwägbarkeiten. Da wissen wir gar nicht, wo wir landen.“ Das dürfte wohl auch für die Rechnung gelten. Die steht aktuell übrigens bei gut 18 Millionen Euro Gesamtkosten. Noch zumindest.

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