Bislang ging die Stadt mit ihren eigenen Wäldern eher etwas ruppig um. Immer wieder gab es Ärger um radikale Fällaktionen. Jetzt soll sich das ändern. Mit einem ganz neuen Konzept.

Schwerte

, 26.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als im Winter 2016 der Schwerter Wald verjüngt werden sollte, entstanden plötzlich riesige Lücken. Vor allem auf Betreiben der Grünen im Rat wurde die Fällaktion gestoppt. Jetzt hat der zuständige Ausschuss nicht nur ein Ende des großflächigen Abholzens beschlossen, sondern auch ein Wildnisentwicklungsgebiet ausgewiesen.

Stadt plant einen Urwald im Schwerter Wald

So sah es nach der letzten Verjüngungsaktion im Schwerter Wald aus. © Foto: Bernd Paulitschke

Hier sollen künftig nur noch die Wege gesichert werden. Die Waldflächen werden sich selbst überlassen. „Den Urwald von morgen“ nennt es das Ökologische Waldkonzept, das in der vergangenen Woche verabschiedet wurde.

Verzicht auf Einsatz großer Maschinen

Dazu gehören neben dem zukünftigen Urwald auch der Verzicht auf den Einsatz großer Waldmaschinen und das Gebot, keine großen Flächen mehr abzuholzen. Vor allem die alten Buchen sollen erhalten bleiben. Und von denen gibt es im städtischen Wald diesseits und jenseits des Freischützes noch eine ganze Menge.

240 Hektar groß ist der Schwerter Stadtwald. Ein Viertel davon mit Buchen bewaldet, die älter als 120 Jahre sind. Das ist schon ein echtes Pfund. Denn im Schnitt sind die Bäume in deutschen Wäldern gerade mal 60 Jahre alt.

Buchen eher zufällig die wichtigsten Bäume geworden

Die Buchen sind eher zufällig in den Wald am Freischütz gekommen. Denn in vergangenen Jahrhunderten wurden vor allem Eichen für den Hausbau entnommen. Die Buche galt als Brennholz, wurde bereits als kleiner Baum im Unterholz der Eichen geschlagen. Das wurde Mitte des 19. Jahrhunderts verboten, und so konnten sich die kleinen Buchen, die im Schatten der Eichen wuchsen, zu großen Bäumen entwickeln.

Wichtig bleibt der Stadt auch, dass der Wald weiterhin als Naherholungsgebiet genutzt werden kann. Denn die Zeiten, in denen der Wald ausschließlich als Rohstoffreserve betrachtet wurde, sind schon lange vorbei.

Wo liegt das „Wildniserwartungsgebiet“?

Der spektakulärste Punkt im Waldkonzept ist sicherlich das Wildniserwartungsgebiet. Es erstreckt sich nordöstlich der Schwerter Heide, zwischen Mutter-Möller-Weg, Bahnlinie und Gehrenbach. Dort bleibt künftig das Totholz liegen und der Wald soll sich selber entwickeln. Im günstigsten Fall in Richtung Urwald, so das Konzept.

„Der vergangene Sommer hat gezeigt, wie verwundbar unsere Wälder sind, und dass der Klimawandel bei uns angekommen ist“, erläutert Stadtplaner Adrian Mork, der auch für den Bereich Umwelt bei der Stadt zuständig ist.

Politisch stieß er mit seinem Konzept auf offene Türen. Die Parteien verabschiedeten es einstimmig.

Ärger um Rodung auf dem Ebberg

Schließlich war es nicht das erste Mal, dass die Stadt Ärger mit den Rodungsarbeiten in ihren kommunalen Wäldern hatte. Bereits vor Jahren hatte man mit Maschinen ein Stück am Ebberg, wo die Kommune auch Wald besitzt, durchforstet. Zurück blieben riesige Spurrillen, die vor allem Spaziergängern die Nutzung des Waldes erschwerten. „So etwas werden wir in Zukunft verhindern“, versprach Mork.

Stadt plant einen Urwald im Schwerter Wald

Stefan Kötter beklagte 2013 die schlechte Beschaffenheit der Wege am Ebberg, nachdem der Wald gerodet wurde. © Foto: Bernd Paulitschke

Dass allerdings der Einsatz von Pferden und Seilzügen nicht unbeschädigte Wälder verspricht, betonte Landwirt und CDU-Vertreter im Planungsausschuss, Jan-Dirk Braß. Ebenfalls am Ebberg habe man vor Jahren mit Pferden und Seilanlagen Holz gerückt. Die Riefen und Einschnitte seien noch heute dort zu sehen.

Freude bei den Grünen

Freude über das Konzept, das schließlich ja auch auf ihre Initiative zurückgeht, brachten die Grünen zum Ausdruck. „Es ist eine Qualität von Schwerte auf der einen Seite die Ruhr und auf der anderen Seite den Wald zu haben“, so deren Sprecherin Andrea Hosang.

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